Helmut Hinrichs ist zurzeit in der „Aufräumphase“. Ab dem 1. November freut er sich auf eine „5-Tage-Woche“.
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Frage:
Herr Hinrichs, mit welchen Gefühlen gehen Sie in Ihre letzten Tage als Verwaltungschef?
Hinrichs:
Bei mir überwiegen Dankbarkeit und Freude. Ich freue mich auf die Umstellung von der 7-Tage-Woche auf eine 5-Tage-Woche.
Frage:
Ist der Terminkalender immer noch randvoll? Oder bieten die letzten Wochen auch Gelegenheit dazu, die vergangenen 27 Jahre Revue passieren zu lassen?
Hinrichs:
Nein, nachdem Frau Szepanski als meine Nachfolgerin feststeht, nimmt sie nahezu alle Termine wahr, deren Auswirkungen über den 31. Oktober 2006 hinaus gehen. Ich befinde mich seit einigen Wochen in der „Aufräumphase“. In 27 Jahren hat sich eine Menge angesammelt, das durchforstet werden muss. Das gebe ich entweder an Frau Szepanski, die Fachämter im Rathaus oder an den Papierkorb weiter.
Frage:
Auf welche Leistung sind Sie besonders stolz?
Hinrichs:
Stolz bin ich auf meine persönlichen Wahlergebnisse: 68 Prozent der Stimmen 1997 bei der ersten Wahl zum hauptamtlichen Bürgermeister, rund 3500 Stimmen bei der Kreistagswahl vor wenigen Wochen. Beide Resultate bedeuten für mich eine Wertschätzung und Anerkennung meiner Arbeit.
Frage:
Auf welche Errungenschaft blicken sie besonders gerne zurück?
Hinrichs:
Was wir in den vergangenen zehn Jahren mit dem Bau von Seniorenwohnungen, Pflegeplätzen und ambulanten Pflegeeinrichtungen sowie mit der Ansiedlung der Werkstätten für Behinderte im sozialen Bereich ohne kommunale finanzielle Förderung geschafft haben, ist schon außergewöhnlich. Was die Wirtschaftskraft der Gemeinde angeht, so sind wir seit 1980 dabei, einen großen Nachholbedarf zu kompensieren. Im Tourismus sprechen die Zahlen für sich: Während meiner Zeit sind die jährlichen Übernachtungszahlen von 20 000 auf 130 000 gestiegen. Der ÖPNV und das kulturelle Angebot – Stichwort „Kulturwochen“ – können sich ebenfalls sehen lassen. Auch auf unsere internationalen Partnerschaften und die intensive Zusammenarbeit mit befreundeten ostdeutschen Kommunen bin ich stolz.
Frage:
Sie haben die Entwicklung der Gemeinde fast drei Jahrzehnte lang mit geprägt – sehen Sie Hatten für die künftigen Herausforderungen gut gerüstet?
Hinrichs:
In vielen Bereichen ist die Gemeinde gut aufgestellt, allerdings nicht überall: So ist der Zustand vieler Straßen nicht gut, und auch die Verkehrsbelastung der Kirchhatter Ortsdurchfahrt ist ein ungelöstes Problem. Aber was heißt „künftige Herausforderungen“? Wer hat vor 25 Jahren schon an Internet und Ebay gedacht? Künftige Fragen werden meines Erachtens sein: Wie entwickelt sich der Individualverkehr? Wie sehen unsere Orte und Gewerbegebiete aus? Wird es noch kleine Läden geben? Geht der Trend mehr in die Zentren? Wie sieht die Zukunft für die Waldschule aus, wenn sich 50 Prozent der Schüler fürs Gymnasium, aber nur noch 40 Prozent für die Realschule und zehn Prozent für die Hauptschule entscheiden?
Frage:
Im
NWZ -Interview Ende 2005 hatten Sie sich vorgenommen, den Ausbau des Klärwerks und eine Prioritätenliste für die Sanierung öffentlicher Einrichtungen entscheidungsreif zu machen. Können Sie Ihrer Nachfolgerin abgeschlossene Akten übergeben?
Hinrichs:
Was die Kläranlage betrifft: Ja. Was die Prioritätenliste für Sanierungen angeht: Nur zum Teil. Untersuchungsergebnisse liegen vor. Die Bürgermeisterin und der neue Rat können auf dieser Grundlage nun Entscheidungen treffen.
Frage:
Als Bürgermeister haben Sie immer dafür plädiert, dass es innerhalb des Kreises einen Ausgleich zugunsten der finanzschwächeren Gemeinden geben muss. Werden Sie an diesem Ziel als Kreistagsabgeordneter weiter arbeiten?
Hinrichs:
Ja. Gerade die Beratung der Nachtragshaushaltspläne in den Nachbargemeinden macht deutlich, dass die Schere zwischen „Arm und Reich“ immer weiter auseinander geht. Ich hoffe, dass es im neuen Kreistag gelingt, dieses Thema zu versachlichen und zu Ergebnissen zu kommen.
Frage:
Wird sich Ihr Tagesablauf ab dem 1. November grundlegend ändern?
Hinrichs:
In der Woche werde ich weiterhin um 5.30 Uhr aufstehen. Vormittags werde ich dienstlich arbeiten: Ab November wartet auf mich eine interessante Aufgabe, auf die ich noch nicht näher eingehen möchte. Zudem werden mich das Kreistagsmandat und die Arbeit für die Gesellschaft Deutschland/Russland-Dagestan beschäftigen. Als Christ möchte ich mich in der Kirche für einsame Menschen engagieren. Ich werde mich mehr meiner Familie und meinen Hobbys – Tennis, Radfahren, Lesen und Theater – widmen. Die Wochenenden sollen künftig möglichst privat bleiben!
Vor der Verabschiedung ein Dankgottesdienst
Der gebürtige Oldenburger
Helmut Hinrichs steht seit 1979 an der Spitze der Hatter Gemeindeverwaltung. Bevor er damals von SPD und FDP zum Gemeindedirektor gewählt wurde, war er Landtagskandidat und Kreistagsabgeordneter der SPD. 1985 wurde er für weitere zwölf Jahre im Amt des Gemeindedirektors bestätigt. Am 2. November 1997 erhielt Hinrichs bei der Direktwahl zum hauptamtlichen Bürgermeister als SPD-Kandidat 68 Prozent der abgegebenen Stimmen.
Der 65-Jährige
wird am Dienstag, 31. Oktober, ab 11 Uhr im Kirchhatter Rathaus offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Gleichzeitig wird Nachfolgerin Elke Szepanski ins Bürgermeisteramt eingeführt. Zuvor beginnt um 10 Uhr in der St.-Ansgari-Kirche ein Dankgottesdienst. Von Geschenken bittet Helmut Hinrichs an diesem Tag abzusehen – eventuelle Zuwendungen möchte er „für Menschen in besonderen Notlagen in der Gemeinde Hatten“ gespendet wissen.