Brettorf - Die Regenbogen-Flagge flatterte an einigen Straßenlaternen, an vielen Stellen im Ort klebten Plakate und Transparente und im langen Demonstrationszug sorgten rote, grüne und gelbe Shirts sowie jede Menge Fahnen für Farbtupfer: Brettorf war erkennbar bunt am Sonnabendmittag. Aber nicht nur dem Motto wurde die
Auch viele Einheimische aus Brettorf nahmen an der Demo teil.
Protestaktion gerecht, zu der ein breites Bündnis aus Parteien, Vereinen und Organisationen aufgerufen hatte, auch die von den Organisatoren erhoffte Resonanz wurde erreicht: Mehr als 500 Menschen kamen in dem kleinen Dorf in der Gemeinde Dötlingen zusammen, um gegen die AfD-Delegiertenversammlung im örtlichen Schützenhof zu demonstrieren.
25 Vermummte
Jens Heinefeld vom CDU-Gemeindeverband Dötlingen, einer der Mitorganisatoren, begrüßte bei der Kundgebung in der Nähe des Versammlungslokals gar „fast 1000 Leute“, aber das schien ein bisschen übertrieben. Die Polizei sprach von 350 Teilnehmern. Sie hatte ihrerseits rund 500 Einsatzkräfte aufgeboten, darunter auch eine Reiterstaffel.
Ob zu Pferde oder zu Fuß: Die meisten Beamten hatten wenig bis gar nichts zu tun: Die Demonstration verlief friedlich und ohne Zwischenfälle. Eine Gruppe von etwa 25 überwiegend sehr jungen Teilnehmern erschien schwarz gekleidet und vermummt, machte jedoch nur durch laute Parolen auf sich aufmerksam. Die 120 Delegierten sowie die Kandidatinnen und Kandidaten der AfD im Schützenhof bekamen von dem Protest wenig mit. Die Polizei riegelte den Versammlungsort rigoros ab.
Mehrere Redner
Sprecher verschiedener Veranstalter-Gruppen äußerten sich in kurzen Redebeiträgen, darunter gleich drei Landtagskandidaten aus dem Landkreis Oldenburg. „Da drüben werden die Landtagskandidaten für eine Politik von gestern gewählt“, sagte Anika Hoffmann (Grüne) und zeigte Richtung Schützenhof, „hier stehen alle, die eine Politik von heute und für die Zukunft wollen.“ SPD-Bewerber Thore Güldner sah die gemeinsame Demonstration von Linken bis Konservativen auch als eine Chance, miteinander die Rolle Dötlingens in der NS-Zeit aufzuarbeiten.
Rund 25 junge Leute liefen vermummt mit.
Auch Imke Haake, die für die FDP kandidiert, erinnerte an die dunkelste Epoche der deutschen Geschichte und forderte, aus dieser Zeit die richtigen Lehren zu ziehen und sich gegen Ausgrenzung und Hass einzusetzen. „Die AfD ist hier nicht willkommen und sie ist hier auch nicht zuhause“, betonte der CDU-Kreisvorsitzende Philipp Albrecht. Die AfD-Versammlung in Brettorf müsse man akzeptieren, „aber gut finden müssen wir das nicht.“ Weitere Redner waren DGB-Kreisvorsitzender Olaf Sasse, der Dötlinger Jugenddiakon Jochen Wecker, Marieke Brand von der DGB-Jugend Oldenburg-Ostfriesland und der Brettorfer Einwohner Matthias Lux.
Ruhiger Sonntag
Am Sonntag blieb es dann ruhig in Brettorf, bereits am Mittag verstaute die Polizei die Absperrungen auf Lastwagen. Der Weg zum Schützenhof blieb aber weiter gesperrt. Dort setzte die AfD ihre Listenaufstellung für die Landtagswahl fort. Am Abend war die Liste mit 23 Kandidatinnen und Kandidaten komplett.
Thore Güldner, Vorsitzender der SPD Dötlingen und Mitorganisator der Demo, zeigte sich am Sonntag sehr zufrieden: „Wir waren friedlich, bunt und laut.“ Auch der Austausch mit der Polizei sei gut verlaufen. Die Kooperation unter den demokratischen Parteien sei typisch für Dötlingen, betonte er.
