Ahlhorn/Großenkneten/Huntlosen/Sage - Im März 2018 ist es gewesen, als der Jugend-, Ordnungs- und Sozialausschuss der Gemeinde Großenkneten empfohlen hat, erstmals einen Feuerwehrbedarfsplan aufzustellen. Mehr als drei Jahre später hat der Fachausschuss jetzt das Ergebnis vorliegen: eine detaillierte Ist-Analyse der vier Freiwilligen Feuerwehren Ahlhorn, Großenkneten, Huntlosen und Sage sowie des Brandschutzes in allen Facetten. Gutachter Manfred Fennen, der seit 2008 derartige Pläne aufstellt, präsentierte das 166 Seiten starke Werk in der virtuellen Sitzung des Fachausschusses am Donnerstagabend.
Warum ein Feuerwehrbedarfsplan ?
Die Gemeinde ist laut des Niedersächsischen Brandschutzgesetzes verantwortlich für den Brandschutz und die Hilfeleistung, zum Beispiel bei Unfällen. Dafür ist sie verpflichtet, eine entsprechend leistungsfähige Feuerwehr aufzustellen, auszurüsten, zu unterhalten und einzusetzen. Sie kann dafür eine Feuerwehrbedarfsplanung aufstellen, wobei eine rechtliche Pflicht dazu besteht bisher nicht. Bürgermeister Thorsten Schmidtke sieht den Feuerwehrbedarfsplan als ein geeignetes Instrument, um die zukünftige Entwicklung der Freiwilligen Feuerwehr zu begleiten. Zudem gebe der Plan die Rahmenbedingungen für notwendige Beschaffungen in der Zukunft vor.
Wie ist der Gutachter vorgegangen ?
Fennen hat die örtlichen Gefahrenpotenziale besichtigt und erfasst. Von der Industrie über Gewerbe und Landwirtschaft bis hin zu Schulen, Kindertagesstätten, Verkehrsverbindungen reichen die langen Listen. Anhand gesetzlicher Vorgaben analysierte er den feuerwehrtechnischen und personellen Bedarf zur Sicherstellung des Brandschutzes und der Hilfeleistung. Dem gegenüber steht der Ist-Zustand der vier Ortsfeuerwehren und die Hinweise für mögliche Veränderungen.
Wie bewertet er die Personallage ?
Gutachter Fennen sieht Probleme bei der Tagesverfügbarkeit der Einsatzkräfte. Viele Mitglieder arbeiten außerhalb der Gemeinde und sind damit bei Einsätzen tagsüber nicht greifbar. Für die Fahrzeuge der Gemeinde werden 81 Mitglieder benötigt. 93 sind es, so dass die Personalverfügbarkeit sichergestellt sei. In Sage sei allerdings ein Defizit vorhanden, insbesondere in der Gruppe der bis zu 30-Jährigen. Die Gewinnung von neuem Personal sei wichtig, wobei es zu seinem Bedauern keine grundsätzliche Lösung dafür gebe. Finnen betont die Wichtigkeit der Jugendfeuerwehr und regt eine Kinderfeuerwehr an.
Wie ist die Ausstattung ?
Bis 2025 hält der Gutachter drei neue Fahrzeug für notwendig, um überalterte Wagen ausmustern zu können. Nur in Huntlosen gebe es keine Veränderungen des Fuhrparks. Auch sieht er Optimierungsmöglichkeiten bei der Schutzausrüstung, Verbesserungspotenziale bei der Ausbildung und Bedarf für Atemschutzgeräteträger.
Was ist mit den Feuerwehrhäusern ?
Beim Feuerwehrhaus Sage hält der Gutachter bereits in diesem Jahr die Planung für die Erweiterung oder einen Neubau für geboten. Bis 2023 soll Sage ein neues Feuerwehrhaus bekommen, so Finnen. Als Maßnahme für 2025 sieht er die Erweiterung des Feuerwehrhauses in Großenkneten an. Die neuen Gebäude in Ahlhorn und Huntlosen erfüllen alle Bedingungen. Zudem sieht der Brandschutzexperte Defizite bei der Löschwasserversorgung. Sie entspricht nicht überall den Anforderungen. Fehlende Wassermengen könnten teilweise durch Tanklöschfahrzeuge und Logistikfahrzeuge ausgeglichen werden.
Wie war das Echo auf den Plan ?
Der Ausschuss nahm den Plan einstimmig zur Kenntnis. Zudem wurde empfohlen, die vorgeschlagenen Maßnahmen für einen „ordnungsgemäßen Brandschutz“ umzusetzen. Alle Ausschussmitglieder begrüßten das Werk als gute Basis für die künftige Ausstattung der Feuerwehren. Die Verwaltung sagte zu, den Maßnahmenkatalog anzupacken und umzusetzen.
Gemeindebrandmeister Thorsten Schnitger erwähnte, dass die Arbeiten am Plan „zwischendurch für Unruhe gesorgt haben“. Jetzt sei das Ergebnis „gut“. Er betonte für die Feuerwehr: „Wir begrüßen die Maßnahmen.“
