Ahlhorn - Die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik (DBK) in Ahlhorn ist eine der wenigen Rehabilitationskliniken in Deutschland, die sich auf die Entwöhnungsbehandlung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen spezialisiert hat. Seit April hat sie eine neue Leitung: Dr. med. Angela Wenzel ist die neue Chefärztin der Klinik in Ahlhorn. Die 37-Jährige hat die Nachfolge von Dr. Gunter Burgemeister angetreten. Für sie ist es auch ein Stück weit die Rückkehr in die Heimat: Die Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie ist gebürtige Oldenburgerin.
Diakonie erfreut
Diakonie-Vorstand Thomas Feld ist erfreut über die neue Chefärztin. „Die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik ist ein wichtiges Angebot, um Jugendliche und junge Erwachsene bei ihrem Weg aus der Sucht zu unterstützen“, betont er. Die Patientinnen und Patienten kommen aus dem gesamten Bundesgebiet.
Die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn ist eine Fachklinik mit 48 Behandlungsplätzen, die sich auf die medizinische Rehabilitation Jugendlicher und Adoleszenter im Alter von 14 bis 25 Jahren mit Abhängigkeitserkrankungen spezialisiert hat. Ein besonderes Angebot ist die pädagogische Behandlung von Patienten mit „Doppeldiagnosen“, wie zum Beispiel Psychose und Sucht. Für dieses Gebiet hat die Klinik mit Dr. Wenzel eine Expertin dafür gewinnen können.
„Jugendliche sind keine kleinen Erwachsenen!“ betont Dr. Angela Wenzel. In dieser Entwicklungsphase sei das menschliche Gehirn starken Umbauprozessen unterlegen. Suchterkrankungen beginnen meist schon vor dem 18. Lebensjahr, hebt sie hervor. Unbehandelt bleiben sie häufig bis ins hohe Erwachsenenalter bestehen. „Je früher eine Suchtproblematik erkannt und behandelt wird, umso besser sind die Chancen auf Heilung“, betont die Fachärztin.
Nach ihrem Abitur am Alten Gymnasium Oldenburg hatte Wenzel Medizin an der Universität Würzburg sowie an den Universitäten in Umeå (Schweden), Adelaide und Brisbane (Australien) studiert. Ihre Weiterbildung zur Kinder- und Jugendpsychiaterin absolvierte sie an den Unikliniken in Gießen und Marburg, wo sie auch promovierte. Zuletzt war die neue Chefärztin an der Universität Kiel am Institut für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie tätig, wo sie eine Fachambulanz für jugendliche Straftäter aufbaute und ein psychiatrisches Versorgungsangebot im Jugendgefängnis etablierte.
Junge Patienten
„Ich freue mich, zusammen mit dem hochengagierten Team an der DBK das Behandlungskonzept noch spezifischer auf das Alter der Patientinnen und Patienten ausrichten und unter entwicklungspsychologischen Aspekten ausgestalten zu dürfen“, sagte Wenzel. Dazu gehöre für sie der verstärkte Einbezug von Familie und Bezugspersonen, die Wiederheranführung an die Schule, gesonderte Therapieangebote für Mediensüchte und die Ermöglichung positiver Lernerfahrungen.
Um diese altersentsprechenden Interventionen weiterzuentwickeln, soll das Team in Ahlhorn noch um eine weitere Fachkraft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie ergänzt werden. Die Ausschreibung der Stelle läuft.
„Die jungen Patientinnen und Patienten sollen die Klinik als einen sicheren Ort erleben und positive Bindungserfahrungen sammeln können“, lautet das Ziel. Hierzu gehört für die Chefärztin auch, dass die Klinik ein Schutzkonzept für ihre Rehabilitanden vorhält. Einen besonderen Wert legt sie nach eigenen Angaben auf einen respektvollen Umgang in der Klinik.
Therapie als Chance
Von den Jugendlichen werde viel Mut und Ausdauer abverlangt, um nachhaltig ihr (Konsum-) Verhalten zu verändern. Daher spielen Belohnungsanreize ebenso wie eine zugewandte respektvolle Haltung in einem strukturierten Stationsalltag eine große Rolle. „Die Jugendlichen und Heranwachsenden sollen während der Therapie die Chance erhalten, sich zu mündigen und kritischen Persönlichkeiten zu entwickeln. Nur so können sie dazu befähigt werden, Ungerechtigkeiten und grenzverletzendes Verhalten selber zu benennen. Dies stellt einen wesentlichen Aspekt der Präventionsstrategie für weiteren Substanzkonsum und nachhaltigen Behandlungserfolg dar“, erläutert sie.
