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Firma Lüttge im Kreis Oldenburg Mit Algen und Hanf gehen sie die Märkte der Zukunft an

„Lüttge“ Algen sind ihr Metier: Cathleen (links), Rudolf und Caroline Cordes

„Lüttge“ Algen sind ihr Metier: Cathleen (links), Rudolf und Caroline Cordes

Ahlhorn/Regente - Schnurgerade führt eine kleine Straße durch Felder in Regente (Gemeinde Großenkneten/Landkreis Oldenburg) zu einem Ort grüner Ideen: Die Firma Lüttge ist seit Jahren für ihre „Superfoods“ aus Algen bekannt. „Lüttge“, das plattdeutsche Wort für „klein“, ist gut gewählt: Firmengründer Rudolf Cordes, Gartenbauingenieur und Genetiker, hat eine Liebe zum Detail. Und er ist überzeugt: „Wenn wir das Problem der Welternährung in den Griff bekommen wollen, geht das nur mit Einzellern.“

Aktuell konzentriert sich das Familienunternehmen zusätzlich auf die Produktion von Hanf für den medizinischen Bedarf. Auch hier geht es mehr um die Inhaltsstoffe als um den großflächigen Anbau: Cordes züchtet Pflanzen, die frei von dem Rausch erzeugenden Stoff THC sind und ausschließlich die schmerzlindernden Inhaltsstoffe wie CBD aufweisen. „Das Thema ist artverwandt mit den Algen – es geht immer darum, bestimmte Stoffe aus der Pflanze zu selektieren und zu extrahieren“, so Cordes.

Das Familienunternehmen
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Vier Firmen gehören zum Unternehmen der Familie Cordes. Hauptsitz ist Vechta, Produktionsstandort Großenkneten:

Agrinova produziert Lebensmittelprodukte auf der Basis verschiedener Kohlsorten und Algen. Initialzündung war vor 30 Jahren die Rückzüchtung von Wildkohl, der einen großen Anteil an Senföl enthält.

Novagreen entwickelt, produziert und vermarktet neuartige Systeme für die Produktion von Mikroalgen weltweit. Gleichzeitig produziert die Firma Mikroalgen für die Nahrungsmittel-, Kosmetik- und Pharmaindustrie. Im Bereich der technologischen Entwicklung arbeitet Novagreen unter anderem mit dem Forschungszentrum Jülich zusammen.

Evergreen-Food ist für die Produktentwicklung, den Vertrieb und die Öffentlichkeitsarbeit der „Superfoods“ zuständig. Inhaltsstoffe aus Algen, aber auch aus Kohl oder Himbeeren, die das Immunsystem stärken sollen, werden hier hoch konzentriert als Pulver und als Knusper-Toppings vertrieben.

Intern konzentriert sich zudem die Firma S2B auf die Entwicklung neuer Produkte für die Industrie.

Genossenschaft

Über Generationen hatte seine Familie auf den Anbau von Obst und Gemüse gesetzt, sein Vater war Mitbegründer des Erzeugergroßmarkts Langförden-Oldenburg, „elo“. Heute begeistert Rudolf Cordes die Landwirte für die Algenproduktion als neues Standbein: Im vergangenen Jahr haben sich 29 Landwirte zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen, zehn von ihnen produzieren bereits für Lüttge. Bevor sie mit dem Algenanbau beginnen können, müssen sie den Acker gegen das Labor tauschen. „Sie werden hier bei uns ausgiebig geschult – Algenanbau geht nicht einfach so“, betont der Seniorchef, der die Firmen (s. Infobox) gemeinsam mit seinen beiden ältesten Töchtern Caroline (36) und Cathleen (34) führt.

Caroline Cordes ist Gartenbau-Ingenieurin wie ihr Vater, Cathleen hat Biotechnologie studiert und sich nach dem Studium zunächst in Berlin mit dem Startup „Evergreen-Food“ selbstständig gemacht. Schwiegersohn Oliver ist zuständig für die „Hardware“ der Firma: Er entwickelt passgenaue Maschinen, konzipiert Gewächshäuser und mehr.

Wasserlinsen-Versuch

Wenn Rudolf Cordes von den Firmenprojekten erzählt, legt er jene Mischung von Vision, Begeisterungsfähigkeit und Tatkraft an den Tag, die unweigerlich mitreißend ist. Zwar versichert der 70-Jährige, er werde nun wirklich kürzertreten, doch seine Töchter winken schmunzelnd ab. „Dann deklariert er sein nächstes Projekt als Hobby und macht einfach weiter“, lachen sie.

Da ist zum Beispiel die Idee, den Nitratgehalt im Wasser mithilfe von Wasserlinsen zu reduzieren. Sie nehmen das Nitrat auf, werden dann als Fischfutter eingesetzt. „Im Moment verfüttern wir sie an Grasforellen. Die Fische gedeihen so gut, dass ich gerade über eine südoldenburger Fischstäbchen-Produktion nachdenke“, so Rudolf Cordes.

Abwärme

Oder die Kooperation mit Firmen, die ihre Abwärme nutzbringend einsetzen wollen und ihre CO 2 -Bilanz verbessern möchten. In Schleswig hat Cordes kurzerhand gemeinsam mit einer Computerfirma ein neues Gebäude konzipiert: Unten arbeiten die Großrechner, oben nutzen Lüttge-Gewächshäuser die Abwärme. Und auch diese Idee wurde längst weiterentwickelt: Die neue Generation der Gewächshäuser verfügt über Photovoltaik-Elemente. So wird nicht nur die industrielle Abwärme in den Gewächshäusern verwendet, sondern diese versorgen die Industrie wiederum mit Strom. Ein großer deutscher Stahlhersteller habe bereits Interesse bekundet, verrät Rudolf Cordes.

Beim derzeit viel diskutierten Thema, Treibstoff für Flugzeuge aus Algen zu gewinnen, winkt der Firmengründer dagegen ab: „Das ist noch viel zu aufwendig und dadurch zu teuer.“

Anke Brockmeyer
Anke Brockmeyer Reportage-Redaktion
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