Ahlhorn - Die Info-Veranstaltung des Bürgervereins Ahlhorn zum geplanten Schießsportzentrum Ahlhorner Heide sollte unter freiem Himmel vor dem Dorfgemeinschaftshaus stattfinden. Doch dann trieb der Regen die Teilnehmer am Dienstagabend in den Saal des DG-Hauses. Dort fanden unter Beachtung der Corona-Regeln nur 64 Personen Platz. Das Interesse an dem Thema ist aber groß, denn in Ahlhorn sehen viele die geplante Nachnutzung der ehemaligen Standortschießanlage der Bundeswehr an der Straße „Zum langen Moor“ mit großer Skepsis und lehnen die Pläne der Jägerschaften Cloppenburg und Vechta ab. Bürgervereins-Vorsitzender Rolf Löschen begrüßte als Vertreter der Antragsteller Bernhard Kurmann (Vorsitzender Jägerschaft Cloppenburg), Heinrich Voet (Vorsitzender Vechta) sowie die Geschäftsführer Hendrik Tap­horn und Jürgen Hubbermann zum Infoabend.

Was ist bisher passiert

?

Seit vielen Jahren planen die Jägerschaften aus Cloppenburg und Vechta die Umwandlung der Ex-Standortschießanlage in ein Jagdliches Ausbildungszentrum. 2015 bekamen sie dafür nach langwierigen Verfahren und viel Widerstand vor Ort die Genehmigung des Landkreises Oldenburg. Seitdem ist aber bis auf Ankündigungen nichts weiter passiert. Zwar besteht die Baugenehmigung noch, aber die immissionsschutzrechtliche Genehmigung („BImSchG“) ist inzwischen abgelaufen. Sie regelte die Schusszahlen und die Lärmeindämmung.

Wie ist das Ziel der beiden Jägerschaften

?

Die Kreisjägerschaften Vechta und Cloppenburg streben eine neue Genehmigung zur Neugestaltung und Modernisierung nach neuestem technischen Stand an. „Uns ist auf gar keinen Fall daran gelegen, eine Anlage zu bauen, die nicht von der Bevölkerung angenommen wird. Den Stress von Beschwerdeanrufen und behördlichem Vorgehen will keiner von uns“, erklärte Kurmann.

Wie sehen die aktuellen Schießzahlen aus

?

Kurmann berichtete vom Genehmigungsstand im Februar 2012 mit drei kombinierten Trap- und Skeetständen mit rechnerisch 3700 Schuss pro Tag. Aktuell wären jetzt allein auf dieser Anlage 11 300 Schuss möglich. „Der beabsichtigte Antrag soll sich auf 8500 Schuss belaufen.“ Hinzu kommen könnten weitere 2000 Schuss auf der 35-Meter-Schießbahn sowie für Kurz- und Langwaffen auf zweimal fünf Ständen plus zusätzlichem Schützenstand (insgesamt elf Stände). Zwei weitere Fünfer-Übungsbahnen auf 100 Meter für Langwaffen und zweimal zwei Anschussbahnen sowie zwei Anlagen „Laufender Keiler“ (Wildscheibe) auf 50-Meter-Bahnen brächten weitere 1400 Schuss.

Wie sieht es mit den Lärmimmissionen aus

?

Durch den Ablauf der BImSch-Genehmigung werden nun neue Gutachten insbesondere zur Lärmimmission notwendig. „Das Gutachten muss ein Ergebnis von sechs Dezibel unter dem Regelwert für Wohngebiete (55 Db) ergeben. Zulässig sind dann nur noch 49 Dezibel“, sagte Kurmann. Zu den Schießzeiten erklärte er: „Nach alter Genehmigung dürfte von Montag bis Samstag, 7 Uhr bis 20 Uhr, und Sonntag von 9 bis 13 und 15 bis 20 Uhr geschossen werden.“ Das seien aber Zeiten, die im realen Betrieb höchstens zu 50 Prozent in Anspruch genommen würden. „Einzig bei Wettbewerben gibt es eine höhere Auslastung.“

Welche baulichen Änderungen sind geplant

?

Die Wallanlage wird nach neuesten Überlegungen im Innenteil steiler und außen flacher verlaufen. Sie soll in U-Form angelegt werden, 15 Meter hoch sein und noch eine aufstehende fünf Meter hohe Wand (Eisenteiler mit eingesetzten Holzbohlen) erhalten. „Vorteil der steileren Innenwand ist die Vergrößerung von 65 auf 75 Meter zu den Schützenständen. Geschossene Tontauben und Schrot rutschen optimaler ab.“ Kurmann sprach von Umweltgesichtspunkten. Trennwände zwischen den einzelnen Ständen sollen zudem mit lärmschluckenden Materialien versehen werden. Ferner wird nun eine Kompaktüberdachung und nicht mehr eine Einzelüberdachung der Schützenstände ins Auge gefasst. Mehr lärmschluckendes Material soll die Immissionen weiter reduzieren. „Die Kugelbahnen werden mit Lamellen überzogen, so dass kaum Schießlärm nach außen dringen kann.“ Ziel sei es, keinen Lärm aus der Anlage zu lassen. Fazit Kurmanns: „Wir gehen jetzt davon aus, dass es keine nennenswerte Lärmbelästigung geben wird.“

Wer soll die Anlage nutzen

?

Es geht um die Jägerschaften aus dem Oldenburger Münsterland. Nicht Gegenstand des Verfahrens sei die Schaffung von Schießmöglichkeiten für die Polizei und die Jägerschaft aus dem Landkreis Oldenburg, betonte Kurmann. Er sprach von einer möglichen Mehrauslastung von Gastronomie und Hotels in der Region. Auf der Anlage seien nur „Getränke und Imbiss im kleinen Stil“ vorgesehen. Die Gesamtinvestition bewege sich zwischen zwei und drei Millionen Euro.

Wie waren die Reaktionen auf die Pläne

?

Großenknetens Bürgermeister Thorsten Schmidtke sprach von besseren baulichen Varianten und vor allem mehr Transparenz von der Jägerschaft. „Der Status quo bedeutet weniger Lärm und Schießzahlen. Wir sollten uns mit der neuen Anlage auseinandersetzen.“ Er sprach auch städtebauliche Vereinbarungen an. Befürchtet wird durch die Schießzeiten an sieben Tagen in der Woche eine unterschwellige Geräuschbelastung, gerade bei Westwind, wie der Ahlhorner Ulrich Meiners formulierte. „Das geht auf die Wohnqualität. Ahlhorn ist schon genug gebeutelt.“ Weiter sagte er: „Warum reden wir von Schießzeiten, wenn Sie uns darstellen, dass kein Lärm nach draußen treten kann?“ Vera Palme von der „Bürgerinitiative Ahlhorn ohne Schießlärm“ sprach von einem Déjà-vu. „Vor rund zehn Jahren haben wir in einer nahezu identischen Versammlung zusammengesessen. Auch damals haben wir über Schießzeiten und Schusszahlen debattiert.“ Vorsitzender Löschen signalisierte Widerstand, um die Zahlen und Betriebszeiten zu drücken.