Ahlhorn/Wildeshausen - Zwar müssen viele Auflagen erfüllt werden, dennoch war das Aufatmen wohl bei allen Fahrschulen groß: Seit einigen Tagen dürfen sie ihre Schülerinnen und Schüler wieder in Praxis und Theorie unterrichten. Auch Prüfungen finden inzwischen wieder statt. Eine Fahrstunde oder -prüfung auf Abstand funktioniert aber nicht – was passiert also in den Fahrschulen, damit der nötige Schutz gewahrt bleibt?
Fahrschule Lemke
Mit vielen Einschränkungen mussten sich Andrea und Günther Neie in der Fahrschule Lemke in Ahlhorn arrangieren. Neun Schüler dürfen derzeit gleichzeitig zum Theorieunterricht kommen, genehmigt seien eigentlich 28, sagt Günther Neie. Mehr Theoriestunden seien indes kaum möglich, so seine Frau, da sie dann weniger praktischen Unterricht anbieten könnten.
Mund-Nasen-Schutz ist in der Fahrstunde Pflicht, zudem darf nicht mehr als ein Schüler im Auto sein. Früher waren es oft zwei oder drei gleichzeitig, meint Andrea Neie. Etwa 30 Minuten benötigen sie und ihr Mann nun, um ein Auto für den nächsten Schüler vorzubereiten: desinfizieren, auslüften, die Schutzbezüge über Lenkrad und Schaltknauf austauschen. „Das sind alles Dinge, durch die der Führerschein jetzt länger dauert“, sagt sie.
Inzwischen konnten die ersten Prüfungen wieder stattfinden, erzählt Andrea Neie. Trotz der fast zweimonatigen Pause seien die sehr gut gelaufen, sagt sie. Um wieder reinzukommen, hätten die Schüler vorher nur etwa zwei Fahrstunden gebraucht.
„Wir sind froh, dass wir überhaupt wieder arbeiten dürfen“, meint Andrea Neie. Wie plötzlich die Pause kam, wird deutlich, wenn sie vom letzten Arbeitstag vor der Schließung erzählt. Man sei mit einer Schülerin an dem Tag noch zur praktischen Prüfung gefahren, sagt sie. Erst vor Ort sei mitgeteilt worden, dass diese nicht mehr stattfinden könne. Auch die Mitarbeiter des TüV hätten erst kurz davor Bescheid bekommen.
Auch finanziell hat die Zwangspause ihre Spuren hinterlassen. „Der Verdienstausfall ist nicht so schnell aufzuholen“, sagt Andrea Neie. Ihr Mann glaubt: Eine erneute Schließung würden viele Fahrschulen nicht überstehen.
Fahrschule Noack
Für 15 Schüler dürfen Sebastian Noack und seine Mitarbeiter gleichzeitig Theorieunterricht geben. Normalerweise dürften es 36 sein, erklärt der Inhaber der Fahrschule Noack in Wildeshausen. Um das zu koordinieren, ist eine telefonische Anmeldung nötig – um die Mittagszeit stehe das Telefon kaum still, sagt er. In seiner Fahrschule wird nicht nur im Auto, sondern auch während des theoretischen Unterrichts Mund-Nasen-Schutz getragen.
„Wir dürfen keine Gemeinschaftsfahrten mehr machen“, erklärt Noack weiter. Früher wurden beispielsweise Schüler zu ihrer Theorieprüfung gefahren – das ist nicht mehr erlaubt. Gab es bei den Schülern nach der Zwangsschließung Probleme? „Da bin ich sehr positiv überrascht.“ Die meisten seien trotz Pause gut wieder reingekommen.
Auf digitale Ersatzangebote hat der Inhaber verzichtet. „Das habe ich nicht als sinnvoll erachtet“, sagt er. Schließlich kämen die nötigen Theoriestunden schnell zusammen, wenn man den Unterricht digital wahrnehmen kann. Anschließend eine Prüfung abzulegen, war für seine Schülerinnen und Schüler aber dennoch nicht möglich.
Auch Noack sorgt sich um mögliche Folgen einer erneuten Schließung von Fahrschulen. „Das würde ein finanzielles Desaster werden.“
