Ahlhorn - „Wir sind in Ahlhorn am Limit!“ Das war am Sonnabendvormittag die zentrale Botschaft bei der Kundgebung des Bürgervereins Ahlhorn zum geplanten Erstaufnahmezentrum auf dem ehemaligen Fliegerhorst. Gerichtet war der Appell an Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD), deren Haus händeringend mehr Kapazitäten zur Unterbringung von Geflüchteten und Asylbewerbern sucht. Bis März sollen landesweit 20.000 weitere Plätze für Neuankömmlinge geschaffen werden. Seit dem Sommer laufen Gespräche des Ministeriums mit dem Eigentümer des Wohnparks auf dem früheren Bundeswehr-Gelände, wo rund 600 Geflüchtete und Asylsuchende Unterschlupf finden könnten. Dort werden darüber hinaus viele Erntehelfer und Arbeitnehmer aus EU-Staaten untergebracht.
Der Vorsitzende
„Wir fühlen uns im Stich gelassen und ausgenutzt“, sagte Bürgervereins-Vorsitzender Rolf Löschen vor rund 300 Zuhörerinnen und Zuhörern auf dem Parkplatz an der Ecke Wildeshauser Straße/Am Lemsen. Den Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit wies er entschieden zurück: „Wir haben die Menschen hier immer offen aufgenommen, es sind auch viele Freundschaften entstanden.“ Aber: „Genug ist genug“, meinte Löschen, dessen Verein in der Einladung eine Migrationsquote von 70 Prozent für Ahlhorn genannt hatte.
Der Bürgermeister
Diese Zahl, die Kritiker für zu hoch halten, versuchte Großenknetens Bürgermeister Thorsten Schmidtke zu erklären: Nach Erkenntnissen der Gemeinde liege der Anteil der Ausländer in Ahlhorn bei 55 Prozent. Zudem gebe es deutsche Staatsangehörige mit Migrationshintergrund, die aber die Sprache nicht beherrschten, so Schmidtke, und viele Spätaussiedler aus Russland. Daraus resultierten besondere Herausforderungen für die Gemeinde und die Gesellschaft. „Wir haben ganz tolle soziale Strukturen geschaffen“, erklärte der Bürgermeister. „Ahlhorn ist seit Jahren Multikulti“. Komme jedoch noch eine Erstaufnahmeeinrichtung hinzu, sei zu befürchten, dass dies die Menschen vor Ort überfordere.
Die Abgeordneten
Ähnlich argumentierte die CDU-Politikerin Astrid Grotelüschen: „Wir Ahlhorner reichen seit zehn Jahren Menschen die Hand, aber jetzt können wir nicht mehr, wir stoßen an unsere Grenzen“, sagte die langjährige Bundestagsabgeordnete. Sie sieht die Bundesregierung in der Verantwortung, die Kommunen bei der Flüchtlingsunterbringung viel mehr zu unterstützen.
Mehrere hundert Menschen versammelten sich bei der Kundgebung des Bürgervereins Ahlhorn. Die Gegendemonstration des Aktionsbündnisses Landkreis Oldenburg war nur spärlich besucht.
Hergen Schelling
Mehrere hundert Menschen versammelten sich bei der Kundgebung des Bürgervereins Ahlhorn. Vorsitzender Rolf Löschen leitete die Veranstaltung ein.
Hergen Schelling
Mehrere hundert Menschen versammelten sich bei der Kundgebung des Bürgervereins Ahlhorn. Zu den Rednern gehörte Bürgermeister Thorsten Schmidtke.
Hergen Schelling
Mehrere hundert Menschen versammelten sich bei der Kundgebung des Bürgervereins Ahlhorn. Zu den Rednern gehörte Bürgermeister Thorsten Schmidtke.
Hergen Schelling
Mehrere hundert Menschen versammelten sich bei der Kundgebung des Bürgervereins Ahlhorn. Zu den Rednerinnen gehörte Astrid Grotelüschen (CDU).
Hergen Schelling
Mehrere hundert Menschen versammelten sich bei der Kundgebung des Bürgervereins Ahlhorn. Zu den Rednern gehörte AfD-Landtagsabgeordneter Harm Rykena.
Hergen Schelling
Mehrere hundert Menschen versammelten sich bei der Kundgebung des Bürgervereins Ahlhorn. Zu den Rednerinnen gehörten Heike Frommholt (links) und Andrea Oefler (SPD).
Hergen Schelling
Mehrere hundert Menschen versammelten sich bei der Kundgebung des Bürgervereins Ahlhorn. Die Gegendemonstration des Aktionsbündnisses Landkreis Oldenburg war nur spärlich besucht.
Hergen Schelling„Ahlhorn ist überlastet“, findet auch der AfD-Landtagsabgeordnete Harm Rykena. Wenn jetzt noch mehr Menschen kämen, „die nicht die Absicht haben, hier Wurzeln zu schlagen“, beeinträchtige das die Dorfgemeinschaft. Rykena bezweifelte, dass es bei 600 Personen in der Erstaufnahme bleibe und stellte auch die dafür von der Ministerin angekündigten Arbeitsplätze in Frage.
Schließlich gaben noch die beiden SPD-Kreistagsabgeordneten Heike Frommhold und Andrea Oefler gemeinsam eine kurze Stellungnahme ab. „Ahlhorn ist absolut am Limit“, stellten auch sie fest. Aber: „Wenn eine Erstaufnahme-Einrichtung kommt, müssen wir es irgendwie hinkriegen“. Das sahen indes nicht alle im Publikum so: Kopfschütteln und Nein-Rufe waren die Reaktionen.
Die Gegen-Demo
Nur sehr wenig Resonanz fand die gleichzeitige Gegendemonstration des „Aktionsbündnisses Landkreis Oldenburg“ auf der anderen Straßenseite. Hier forderte unter anderem der Wildeshauser Joshua Walther Solidarität mit und Aufnahmebereitschaft für Menschen, die in Deutschland Zuflucht suchen. Den Zahlen und Befürchtungen des Bürgervereins widersprach er entschieden. Am Rande der Kundgebung gab es auch Mitglieder des Bürgervereins, die mit dem Handeln und den Aussagen ihres Vorstandes nicht übereinstimmten. Die große Masse indes unterstützte die Botschaft: „Ahlhorn ist am Limit“.
