Ahlhorn - Seit 100 Tagen läuft der Betrieb im Amazon Logistikzentrum Ahlhorn. Ende August hatte Standortleiterin Dina Lakemann 350 Beschäftigte zur ersten Nachtschicht begrüßt. Insgesamt waren zum Start im Metropolpark Hansalinie – dem ehemaligen Fliegerhorst Ahlhorn – 750 Verträge unterzeichnet worden: 650 im Versand sowie 100 Fach- und Führungskräfte. „Etwa drei Monate später hat sich Amazon zu einem großen Jobmotor in der Region entwickelt“, sagt Lakemann. „Die zunächst kommunizierte Zahl von 1000 Arbeitsplätzen innerhalb des ersten Betriebsjahres wurde bereits übertroffen. Aktuell sind knapp 1400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort beschäftigt, davon 177 Fach- und Führungskräfte.“
Zweite Schicht geplant
Das Logistikzentrum des Online-Versandhändlers läuft derzeit ausschließlich nachts im Ein-Schicht-System. Die Arbeitszeiten sind von 18.50 bis 5 Uhr und damit zwei Stunden länger als in anderen Amazon Logistikzentren. „Dies ermöglicht unseren Mitarbeitern eine Vier-Tage-Woche“, erklärt Pressesprecher Thorsten Schwindhammer. Wie Großenknetens Bürgermeister Thorsten Schmidtke am Montagabend in der Gemeinderatssitzung berichtete, habe Amazon mitgeteilt, im kommenden Frühjahr zusätzlich eine Tagschicht mit 600 Beschäftigten einzuführen.
Die Firma Amazon Deutschland Service GmbH spendet nach Mitteilung von Großenknetens Bürgermeister Thorsten Schmidtke 15 000 Euro für die Feuerwehren und Bildungseinrichtungen in der Gemeinde. 5000 Euro erhält die Freiwillige Feuerwehr für Atemschutzgeräte, 10 000 Euro die Graf-von-Zeppelin-Oberschule in Ahlhorn für die Sprachförderung.
Gemeinsam mit der Caritas unterstützt ein Mitarbeiter von Amazon in Ahlhorn Menschen mit Behinderung bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Mittels eigens angefertigter Testpakete werden die Beförderungssysteme in Ahlhorn getestet, berichtet Pressesprecher Thorsten Schwindhammer. Das laufe so gut, dass es in ganz Europa bei Amazon Anwendung finden soll.
72 Nationalitäten
Die Belegschaft ist laut Pretzel genauso divers wie die Bestellungen der Kundschaft. Allein 72 verschiedene Nationalitäten arbeiteten am Standort Ahlhorn. Hilfreich bei der Suche nach Mitarbeitern ist offenbar das eigens dafür eröffnete Einstellungsbüro in Oldenburg und die Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur Oldenburg-Wilhelmshaven und dem Jobcenter Oldenburg. „Wir freuen uns sehr, dass durch die konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten so vielen Menschen aus der Region eine berufliche Perspektive geboten wird“, unterstreicht Susan Berg, Teamleiterin des gemeinsamen Arbeitgeber-Services der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven und des Jobcenters Oldenburg. „Logistik ist eine Zukunftsbranche, einschließlich beruflicher Chancen sowie Entwicklungsmöglichkeiten für Ungelernte. Wir sehen die gute Entwicklung für den regionalen Arbeitsmarkt.“
Busse im Einsatz
Von den derzeit knapp 1400 Beschäftigten im Amazon Logistikzentrum Ahlhorn kommen nach Angaben des Unternehmens mehr als 100 Personen direkt aus der Gemeinde Großenkneten. Die meisten Beschäftigten aber kämen aus einem Umkreis von 30 bis 40 Kilometern. „Wir haben Bus-Shuttles von und nach Wildeshausen, Ahlhorn sowie Oldenburg als Werksverkehr eingesetzt, die unsere Mitarbeiter zu Schichtbeginn und -ende nach Hause oder zu den öffentlichen Verkehrsmitteln wie den Zug bringen“, berichtet Pressesprecher Schwindhammer. Wie zu beobachten ist, fahren nicht wenige Arbeitnehmer mit dem Zug von Bremen nach Wildeshausen und steigen dort am Bahnhof in die von Amazon eingesetzten Busse, die sie in den Metropolpark nach Ahlhorn bringen. Wie Frauke Asche (Gemeindeverwaltung) am Montag in der Ratssitzung berichtete, seien weder die Landesnahverkehrsgesellschaft noch die Bahn aufgrund fehlenden Personals in der Lage, zusätzliche Bus- oder Bahnverbindungen anzubieten, um den Beschäftigten von Amazon bessere Anbindungen im Verkehrsverbund Bremen-Niedersachsen (VBN) zu ermöglichen.
Das Weihnachtsgeschäft ist laut Schwindhammer traditionell die wichtigste Zeit des Jahres für Amazon mit dem höchsten Bestellvolumen. Bereits seit dem Sommer liefen deshalb die Vorbereitungen für die Jahresendphase in Amazons Logistiknetzwerk – mit Großenkneten als weitere Unterstützung. Aktuell würden circa 70 Lkw pro Tag abgewickelt. „Da wir bereits mitten im Weihnachtsgeschäft sind und das Lager sehr voll ist, verlassen aktuell mehr Lkw mit Paketen das Logistikzentrum, als dass Ware angeliefert wird“, so Schwindhammer.
Packung Kaffeebohnen
Rund 16 Millionen überwiegend kleinere Artikel will Amazon in Ahlhorn einlagern. Von dort werden die Produkte zu den einzelnen Sortier- und Verteilzentren wie dem in Cloppenburg oder zu anderen Logistikern wie DHL und Hermes transportiert, deren Fahrer die Pakete schließlich zu den Kunden bringen. Übrigens: Der erste Artikel, der vor 100 Tagen aus dem Ahlhorner Logistikzentrum verschickt wurde, war laut Schwindhammer eine Packung Kaffeebohnen.
