Munderloh - Ein Reitersmann, unbeweglich, hoch zu Ross, mitten auf der grünen Wiese: Auf der Munderloher Straße schaut so mancher Autofahrer ein zweites Mal hin. Doch die Augen trügen nicht. In unmittelbarer Höhe des Ziegeleiwegs steht seit kurzem ein ganz besonderes Objekt. Wenige Meter vom mobilen Hühnerstall des Hofes Biebert entfernt, blickt kein Geringerer als Graf Anton Günther auf dem Apfelschimmel Kranich in Richtung der viel befahrenen Straße.
Sofort Fotomotiv
„Wir haben das Standbild am Freitagabend hier aufgestellt“, verrät Nicole Biebert. Der Graf bekomme hier auf unbestimmte Zeit Unterschlupf, weil sein Erschaffer gerade im Begriff sei, aus Hude wegzuziehen. Sie und ihr Mann kennen den Künstler, Bernd Eylers, privat gut, reichlich Platz haben sie auch – und gesehen werden soll die Bronzeskulptur ja möglichst auch. Das funktioniert zweifelsfrei. „Keine 15 Minuten hat es gedauert, da haben schon die Ersten angehalten, um Fotos zu machen“, erzählt sie. Transportiert wurde das etwa 1,5 Tonnen schwere Denkmal auf einem Lkw. Für die letzten Meter auf der Wiese übernahm ein Trecker mit zwei Zinken die tragende Rolle.
Bernd Eylers (70), gebürtiger Elsflether, freut die gefundene Lösung. Er verlege gerade seinen Wohnort von Hude nach Burhave in die nördliche Wesermarsch, verrät er unserer Redaktion. Alle Arbeiten von seinem verkauften Hof in Hude mitzunehmen, dafür fehle einfach der Platz. „So ein bis zwei Jahre kann der Graf hier erstmal gerne bleiben“, findet er.
Umstrittenes Denkmal
Das Original steht übrigens weiterhin auf dem Gelände einer Waschstraße am Buschhagenweg in Oldenburg. Die Statue in Munderloh ist eine Nachbildung des aus Bronze gegossenen Grafen-Denkmals, das der Stadt Oldenburg 2011 geschenkt werden sollte. Die Schenkung löste damals eine heftige Debatte aus. Aus den Plänen, das Denkmal vor dem Oldenburger Schloss zu platzieren, wurde am Ende nichts. Eylers ärgern immer noch manche Argumente aus der damaligen Debatte, speziell vonseiten der Grünen. „Dass Graf Anton Günther ein Kriegstreiber gewesen sein soll, ist doch Quatsch“, sagt er.
Jetzt ist es also kein Schloss, stattdessen ein mobiler Hühnerstall, geworden. Ein letzter Blick auf die Wiese: Die Hühner tummeln sich nur wenige Meter vom Grafen entfernt, und haben scheinbar nur Blicke für das, was da auf dem Boden unmittelbar vor ihnen liegt. Der von ihnen ignorierte Reitersmann dürfte dennoch dem lieben Federvieh gute Dienste erweisen. Raubvögel werden hier künftig eher Abstand halten, so zumindest die Erwartung seiner Munderloher Gastgeber.
