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Auf vielen Bühnen aktiv

An diesem Sonnabend wird der Heimat- und Ortsverein Elmeloh-Almsloh wieder seine jährliche Weihnachtsfeier für Senioren ausrichten. Das Außergewöhnliche ist, dass der Vorsitzende Reinhard Siemer (50) höchstpersönlich einen echten Almsloher Klaben für diesen Nachmittag backen wird. „Bei uns im Hause bin ich für die süßen Sachen zuständig“, erzählt Reinhard mir.

Schon als Kinder mussten Reinhard und sein älterer Bruder Renke ihren Eltern auf dem landwirtschaftlichen Betrieb in Almsloh unter die Arme greifen. Dabei half Reinhard seiner Mutter auch gerne im Garten und in der Küche. In Lüschens Bauerndiele absolvierte er sogar ein Praktikum als Koch. Doch die Arbeitszeiten hielten ihn davon ab, diesen Beruf zu erlernen.

Von der Pike auf gelernt

Da Reinhard sich auf keinen Beruf festlegen konnte, rieten ihm seine Eltern: „Lerne Landwirt, dann hast Du was.“ Gesagt, getan. Das letzte der drei Ausbildungsjahre, absolvierte er auf einem Milchviehbetrieb in Klosterseelte. „Hier war immer etwas los. Bei den Mahlzeiten waren wir immer mit zehn Personen am Tisch.“ Reinhard gefiel es dort so gut, dass er sogar noch einige Zeit nach dem Ende seiner Ausbildungszeit blieb.

Im April 1984 rief aber die Bundeswehr. Auch hier kam Reinhard mit seiner ruhigen und zurückhaltenden Art sehr gut an. „Die Grundausbildung war die schönste Zeit. Jeder in unserer Truppe konnte sich auf den anderen verlassen.“ Obwohl klar war, dass sein älterer Bruder den elterlichen Hof einmal übernehmen würde, setzte er nach der Zeit bei der Bundeswehr mit dem Besuch der Landwirtschaftsschule Oldenburg und der Fachschule in Osnabrück seine Ausbildung fort.

Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitete Reinhard immer wieder als Betriebshelfer auf verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben. Auch hier freute man sich, wenn es hieß: „Reinhard Siemer kommt.“ Es hatte sich herumgesprochen, dass auf ihn Verlass ist.

Im Juli 1988 hieß es dann für ein halbes Jahr Abschied nehmen von Almsloh. In England wollte Reinhard auf einer Farm mit über 200 Kühen praktische Erfahrung sammeln. Mit seinem Auto fuhr er zu nächst nach Calais (Frankreich), übernachtete dort im Auto, um am nächsten Morgen pünktlich die Fähre nach Dover in England zu bekommen. An den dortigen Linksverkehr musste sich Reinhard allerdings erst gewöhnen.

Auf dem Betrieb südlich von Bristol war er nicht mehr als eine billige Arbeitskraft. Wohnen musste er in einem Wohnwagen. „Gut, dass ich mein Auto dabei hatte, so konnte ich in meiner Freizeit Land und Leute kennenlernen“, blickt Reinhard zurück. Nachdem er seinen ersten Auslandsaufenthalt beendet hatte, folgten vier Jahre landwirtschaftliches Studium in Osnabrück. Seine Diplomarbeit handelte vom Anbau von Sonnenblumen.

Sag niemals nie

Während der ersten Ausbildungsjahre besuchte er auch landwirtschaftliche Ausstellungen, und eines hatte er sich geschworen: „Verkäufer von Melkanlagen wirst Du nie!“ Doch Reinhard merkte, dass man niemals, „nie“ sagen sollte: Seine erste Anstellung nach dem Studium war im Außendienst bei der Firma Düvelsdorf in Ottersberg, die unter andrem den ersten Melkroboter entwickelte.

Es folgten weitere Jahre im Außendienst bei zwei weiteren Firmen, die Melktechnik bzw. Saatgetreide verkauften. Seit 2002 ist Reinhard beim LAVES (Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) in Oldenburg tätig, und hier ist er zuständig für die Futtermittelüberwachung.

Dem genauen Blick in der Zeitung, hat Reinhard so einiges zu verdanken – unter anderem sein privates Glück. 1991 suchte eine junge Dame per Anzeige einen Tanzpartner. Reinhard meldete sich, und bevor der erste Tanzkursus begann, waren seine Gaby und er schon ein Paar. 1995 wurde geheiratet, und nach umfangreichen Umbauarbeiten zogen sie 2002 nach Almsloh in das Haus neben dem elterlichen Betrieb.

Ebenfalls per Zeitungsanzeige suchte 2004 das Musical-Theater Bremen Statisten für „Evita“. Zusammen mit Stars wie Anna-Maria Kaufmann und Ethan Freemann stand der „Almsloher Jung“ hier auf der Bühne. In „De utlehnte Opa“ spielte er bei der damaligen Speelkoppel Immer sogar eine der Hauptrollen.

Zurzeit kann sich Reinhard allerdings keine Aktivitäten als Hobbyschauspieler vorstellen, denn sein Beruf, der große Garten und seine Aktivitäten beim Heimat-und Ortsverein lassen ihm kaum Zeit dafür. „Wie bist du eigentlich zu diesem Amt gekommen“, wollte ich noch wissen. „2004 wurde ein neuer Vorsitzender gesucht und da wurde ich angesprochen, obwohl ich noch nicht einmal Mitglied war.“ Reinhard ließ sich überzeugen. Und dass er für den Verein eine gute Wahl war, beweisen die Mitgliederzahlen, die in seiner Amtszeit von 400 auf jetzt über 800 angestiegen sind.

Reinhard Siemer, Vorsitzender des Heimat- und Ortsvereins Elmeloh-Almsloh

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