Wardenburg/Hundsmühlen/Oldenburg - „Moin“ war das erste Wort, das Sara Johannesen im Salon Bremer in Wardenburg gelernt hat. Dass dieser norddeutsche Gruß bei Kunden zu allen Tageszeiten gut ankommt, hat die junge Schwedin aus Sunne aus der Provinz Värmland Iän schnell erkannt. Die 19-Jährige lernt in ihrem skandinavischen Heimatland das Frisör-Handwerk und absolviert im Rahmen des europäischen Erasmus-Berufsbildungsprogramms ein zweiwöchiges Auslandspraktikum. Mit ihr sind noch drei weitere Schwedinnen einer Einladung der Handwerkskammer Oldenburg gefolgt, ihre fast abgeschlossene Ausbildung mit einem Auslandsaufenthalt zu krönen.
Ausbildungssystem
„Ich bin das erste Mal in Deutschland“, verrät Sara Johannesen, die sich in ihrem dritten und letzten Lehrjahr befindet, auf Englisch. „Die berufliche Ausbildung sieht in Schweden ganz anders aus als bei uns. Das duale System kennt man dort nicht“, weiß Oliver Bremer, Saloninhaber und Obermeister der Friseur-Innung Oldenburg. Die „Azubis“ würden in Schweden überwiegend in einer Friseur-Schule mit eigenem Salon ausgebildet. Dort werde zunächst das Praktische wie Schneiden, Färben und Frisieren gelehrt. Erst gegen Ende der Ausbildung käme die Praxis in „realen“ Friseur-Salons dazu.
Ansprechpartnerin für Auslandspraktika für Lehrlinge und Junghandwerker und -handwerkerinnen ist bei der Handwerkskammer Oldenburg Mobilitätsberaterin Kerstin Grundmann, Tel. 0441/232-275, Mail: grundmann@hwk-oldenburg.de. Über sogenannte „kleinere Patenschaften“ und andere Möglichkeiten des Erasmus-Bildungsprogramms informiert auch die Nationale Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung (Nabibb) auf der Internetseite https://www.na-bibb.de
„Es ist das erste Mal, dass wir als Kammer über das Erasmus-Programm Personen aus dem schwedischen Friseur-Handwerk zu Besuch haben“, sagt Kirsten Grundmann, bei der Handwerkskammer Oldenburg Mobilitätsberaterin im Projekt „Berufsbildung ohne Grenzen“, das vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird. „Kirsten Grundmann nimmt den Betrieben viel Arbeit ab und kümmert sich beispielsweise um die Unterbringung“, so Oliver Bremer. Für die vier Schwedinnen hat sie beispielsweise eine Ferienwohnung in Oldenburg besorgt.
Eigene Azubis profitieren
So auch für Ebba Knutsson, die in der „Frisuren-Werkstatt“ in Hundsmühlen ihr Praktikum absolviert. „Sie darf hier alles machen“, sagt Inhaberin und stellvertretende Obermeisterin Sigrid Meyer-Seeger, während die 19 Jahre alte Ebba einer Kundin gerade Foliensträhnen „anlegt“.
Die angehende Friseurin Ebba Knutsson aus Schweden sammelt in der „Frisuren-Werkstatt“ in Hundsmühlen ihre Erfahrungen.
Marén BettmannVon einem beruflichen Austausch mit ausländischen Praktikanten würden auch die eigenen vier Auszubildenden profitieren, so Meyer-Seeger. Auf diese Weise würden nicht nur bei allen Englisch-Kenntnisse aufgefrischt, sondern auch die eine oder andere Technik voneinander abgeschaut.
Gute Erfahrungen mit dem Azubi-Austausch hat als Arbeitgeber auch Oliver Bremer schon gemacht. Seine damalige Auszubildende Pia Palmer arbeitete vor sechs Jahren vier Wochen lang in einem Salon auf Malta. „Die Teilnehmer kommen meistens selbstbewusster, offener und kommunikativer in ihre Betriebe zurück“, weiß Kirsten Grundmann aus Berichten diverser Arbeitgeber.
Letztere würden immer häufiger bei der Kammer nach Auslandspraktika nachfragen. Grundmann: „Wer das in seine Ausbildung mit einbaut, hat oft einen Pluspunkt bei den jungen Leuten, die einen Ausbildungsplatz suchen.“
