Wardenburg - „Es gab einen Punkt, da wollte ich aufgeben“, sagt Rayan Bybo (23). Als er nach dreieinhalb Jahren die Gesellenprüfung zum Kfz-Mechatroniker, Fachbereich Pkw, nicht bestanden hatte, war da dieses tiefe Loch. Gescheitert war der junge Mann an den vielen technischen Fachbegriffen in dem Beruf. Kein Wunder: Der Kurde aus dem Irak sprach bis vor wenigen Jahren noch gar kein Deutsch.
Ende 2015 kam er mit seiner Familie erst nach Köln, wenig später zogen die Bybos dann nach Wardenburg, in die Nähe von Verwandten. An der IGS Am Everkamp fühlte sich Rayan, der im Irak neun Klassen absolviert hatte, sehr wohl, sagt er. Mit dem Hauptschulabschluss in der Tasche ging er nach der zehnten Klasse dann einfach zum Autohaus Heinemann und stellte sich persönlich vor. „Überzeugt hat uns vor allem der Mensch“, sagt sein Ausbilder Jens Speckmann. Er und der Betrieb an der Oldenburger Straße ließen den 23-Jährigen auch nicht im Stich, als es vor einem guten Jahr im ersten Anlauf der Handwerksprüfung nicht klappte.
Hilfe beim Lernen
An diesem Punkt kommen auch die Handwerkskammer Oldenburg und die Initiative „VerA“ ins Spiel. Integrationsberater Hussein Kerri begleitet Rayan Bybo bereits seit 2018 auf dem Ausbildungsweg. Zu seinen Aufgaben zählt es, jungen Menschen, die als Asylsuchende nach Deutschland kommen, die Duale Ausbildung zu erklären und die beruflichen Chancen, die damit verbunden sind. Gemeinsam mit Josef Stukenborg, Regionalkoordinator von „VerA“, sorgte er dafür, dass Rayan einen ehrenamtlichen Ausbildungsbegleiter zur Seite bekam.
Hans-Hermann Büsselmann kennen die Wardenburger vermutlich vor allem aus seiner ehrenamtlichen Arbeit in der Eine-Welt-Gruppe. „Wir haben uns seit August 2022 ein bis zweimal in der Woche zum Lernen getroffen“, erzählt er. Das Autohaus Heinemann stellte dafür ganz unkompliziert einen Büroraum zur Verfügung. „Ich bin zwar nicht vom Fach, aber dank der Unterlagen und Aufgabensammlungen konnte ich Rayan dennoch gut abfragen und beim Lernen unterstützen.“
Wichtige Ansprechpartner
Nach der Ausbildung geht es für Rayan Bybo als Kfz-Mechatroniker weiter. Er hat von seinem Ausbildungsbetrieb einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten. Im Sommer beginnt bei Heinemann übrigens ein weiterer Iraker seine Ausbildung – ebenfalls zum Kfz-Mechatroniker. „Der Lieblingsberuf vieler Jungs“, wie Speckmann aus Erfahrung weiß. Die richtigen Ansprechpartner bei der Handelskammer und der Initiative „VerA“ zu finden, sei für Firmen und Handwerksbetriebe unheimlich wichtig, so der erfahrene Ausbilder. Die Unsicherheit, gerade was den Status der geflüchteten Menschen angehe, sei groß. Rayan Bybo selbst kann bislang nur für ein paar Jahre planen. Seine Aufenthaltsgenehmigung gilt aktuell für drei Jahre.
