Ganderkesee - Es hatte so gut ausgesehen: Anfang April, so hoffte die Verwaltung noch zum Jahresbeginn, seien bei der langen Hallenbadsanierung endlich alle nötigen Schritte abgeschlossen und einer Wiedereröffnung stünde nichts mehr im Wege. Doch auch aus diesem, bereits um Monate verzögerten Re-Start, wird nun nichts.
Sofortiger Baustopp
Von dem sofortigen Baustopp, der in der vergangenen Woche alle Beteiligten überrascht habe, berichtete Architekt und Bauleiter Detlef Stigge am Donnerstagabend im Bäderbetriebsausschuss – nicht ohne zuvor sämtliche abgeschlossenen Arbeiten erwähnt zu haben. Im Zuge der Sanierung des rund 50 Jahre alten Bads waren immer wieder gefährliche Schadstoffe entdeckt worden. Zuletzt hatten diverse Asbestfunde die Entfernung des alten Beckenkopfes erheblich verzögert. Als die zwischen Betonfußboden und -becken laufende Rinne schließlich unter Hochsicherheitsbedingungen herausgetrennt war, wähnten die Sanierer sich endlich auf der sicheren Seite. Ein Trugschluss, wie Stigge berichtete: „Straßenseitig, gegenüber dem Sprungturm, sind an einzelnen Stellen unter Kacheln asbestbelasteter Klebstoff und Haftgrund aufgetaucht.“ Vermutet werde, dass es sich um Rückstände einer 1972 erfolgen Reparatur handelt. Laboruntersuchungen hätten aber ergeben, dass keine Schadstoffe in die Umwelt gelangt seien.
Von Besucherzahlen, die sich seit Eröffnung des Saunahuus 2012 alljährlich nur nach oben entwickelt haben, berichtete Bäderchef Henry Peukert: Den absoluten Rekord bot das Vor-Pandemiejahr 2019 mit 52.215 Gästen. Auch unter strengen Coronabedingungen waren es 2020, zu Beginn der Pandemie, noch 24.948 und im Jahr 2021 immerhin noch 23.606 Saunierende.
So viele Freibadgäste wie im Sommer 2018 mit 85.664 Besuchern haben die Becken am Heideweg zwar lange nicht mehr gesehen, doch nach der sanierungsbedingten Schließung in der Saison 2019 sowie im Großteil des darauffolgenden Jahres zog es von Mitte August bis Ende September 2020 bereits wieder 9433 Menschen ins Bad. Von Mitte Juni bis Ende September 2021 fanden 35.976 Gäste Einlass – auch damals unter strengen Hygiene- und Einlassbedingungen.
Auch das Kursbecken findet immer mehr Fans. So ist es sieben Tage die Woche beinahe täglich von 9 bis 19.45 Uhr ausgelastet. Und wenn die Schulen und der Schwimmverein erst wieder im Hallenbad und später im Jahr im Freibad üben, könnten diese Zeit-Slots für weitere Kursangebote genutzt werden. Die aktuelle Auslastung: Das Kursbecken wird jeden Monat durchschnittlich von 2500 Menschen genutzt – davon allein 5705 Kinder.
Dass der unerwartete Fund nun die Taktung aller beteiligten Firmen durcheinanderbringe, erläuterte Reiner Loog, Fachdienstleiter Gebäudeservice. Die Botschaft: „Nach aktuellem Stand ist ein Termin für die Fertigstellung ungewiss.“ Auch das bereits aufgestockte, jetzt 2,4 Millionen Euro umfassenden Budget, wird gesprengt: „Das sind Arbeiten, die so nicht eingeplant waren. Wir kommen mit den Mitteln nicht aus“, erklärte Erster Gemeinderat Matthias Meyer und verwies auf den Nachtragshaushalt.
Ob es nicht wenigstens einen groben Zeitplan gebe, hakte FDP-Ratsherr Axel Konrad angesichts der Hiobsbotschaften nach. „Keine Kaffeesatzlesereien, aber noch in diesem Jahr sollte es klappen“, blieb Bauleiter Stigge vage. Mehr Mut zeigte dagegen Bürgermeister Ralf Wessel: „Ich bin guter Dinge, dass wir das im Sommer fertigbekommen.“
Frohe Kunde fürs Freibad
Besser stellt sich dagegen die Lage in den anderen Bereichen der Ganderkeseer Bäderbetriebe dar. Bäderchef Henry Peukert nannte trotz Pandemie für Sauna, Kursbecken und Freibad positive Besucherzahlen und gab ein Versprechen ab, das vor allem Sportschwimmer interessieren dürfte: „Das Freibad eröffnen wir in diesem Jahr deutlich früher, bereits im April in der Woche nach Ostern.“
Durch die neue Technik sei es möglich, zu Beginn allein das Sportbecken zu beheizen. Springer- und Nichtschwimmerbecken könnten später im Frühjahr – Bedarf und gutes Wetter vorausgesetzt – beheizt werden.
