Wir haben zwar noch das Jahr 2014, aber viele Mitmenschen wissen schon jetzt, dass sich 2015 einiges ändern wird. So wie Pastor Michael Kalisch: Nach mehr als 30 Jahren im Amt, wird der 64-Jährige voraussichtlich im Sommer nächsten Jahres in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Eines hat er mir in unserem Gespräch aber versichert: „Wir bleiben Ganderkesee treu!“
Wieder in die alte Heimat Rodenkirchen in der Wesermarsch zurückzukehren, war für Kalisch und seine Ehefrau keine Option. Die ersten fünf Jahre wuchs Michael Kalisch in Neerstedt auf, bis sein Vater 1955 als Lehrer nach Rodenkirchen versetzt wurde. Basteln, Handwerken und seine elektrische Eisenbahn waren in der Kinder- und Jugendzeit seine liebsten Freizeitbeschäftigungen. Die Schule war eher Nebensache, denn das Auswendiglernen fiel ihm nicht besonders leicht. Auch im Konfirmandenunterricht machte er sich immer ganz klein, wenn der Pastor das Gelernte abfragte.
Nach seiner Konfirmation fragte ihn der Geistliche, ob er nicht Lust hätte, beim Kindergottesdienst behilflich zu sein? Michael Kalisch sagte spontan zu. „Alle, die diesen Job gemacht haben, sind später Lehrer oder Pastor geworden“, meinte der damalige Pastor zu ihm. Daran war für Michael Kalisch zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht zu denken, denn nach dem Abschluss an der Realschule machte er erst noch sein Abitur. „Sehr gerne hätte ich Zahnmedizin studiert, allerdings reichte dafür mein Notendurchschnitt nicht aus“.
Oft gibt es den vielzitierten „Wink des Schicksals“, so war es auch bei Michael Kalisch. Kurz vor seinem Abitur wurden bei einer Fortbildung auch religiöse Themen behandelt. „Das interessierte mich und ich wollte einen Beruf, in dem ich es mit Menschen zu tun habe“, erklärt er die Beweggründe für sein Theologiestudium. „Nur war ich zu der Zeit noch unsicher, ob der Beruf des Pastors überhaupt etwas für mich ist!“
Die ersten vier Semester an der kirchlichen Hochschule in Wuppertal waren sehr intensiv, denn Michael Kalisch musste mit Hebräisch, Altgriechisch und Latein gleich drei Sprachen erlernen. Damit aber noch nicht genug: Er begann auch noch ein Studium der Diplompädagogik an der Gesamthochschule in Wuppertal. Nach drei Jahren wechselte er zunächst an die Universität in Münster und später nach Bochum. Beim Oberkirchenrat in Oldenburg machte er 1979 sein erstes Examen. Das anschließende Vikariat absolvierte er ebenfalls in Oldenburg.
„Hier hatte ich es mit Menschen zu tun und ich habe gemerkt, das ist mein Beruf!“ . Als es dann um eine Pfarrstelle ging, konnte er sich die praktisch auswählen. In vielen Orten herrschte Mangel an Pastoren. Kalisch entschied sich für Ganderkesee. „Mich hat das Gespräch mit den damaligen Pastoren Meyer, von Lingen und Henkel sehr überzeugt“, erinnert er sich noch genau.
Seit 1982 ist Michael Kalisch nun Pastor in Ganderkesee und er hat diesen Schritt nie bereut, denn „das ist der schönste Beruf, den ich mir denken kann“, versicherte er mir. „Nicht nur ich als Pastor, sondern auch meine Ehefrau und unsere drei Kinder haben sich hier immer wohlgefühlt!“
Seine erste Trauung in Ganderkesee musste Pastor Kalisch in der Friedhofskapelle abhalten, weil die St. Cyprian- und Corneliuskirche gerade renoviert wurde. Die ungewöhnlichste Hochzeit war sicher, als er gleich vier Brautpaare auf einmal trauen durfte, die mit Trike-Motorrädern und dazu in Lederkluft vorfuhren.
Zum Alltag eines Pastoren gehört aber nicht nur Freude, sondern auch die Trauer. Im Gespräch schildert er mir eindrucksvoll, dass ihn jede Trauerbegleitung berührt, besonders aber, wenn es sich bei den Verstorbenen um junge Menschen handelt. „Dann habe ich schon mal schlaflose Nächte und frage mich, wie ich dem gerecht werden kann.“ Um wieder auf andere Gedanken zu kommen, geht es in den Fuhrenkamp zum Joggen oder er mäht im Garten den Rasen.
Auch im zukünftigen Ruhestand wird es ihm nicht langweilig werden, so möchte der leidenschaftliche Handwerker noch einen Schweißerlehrgang machen. Zusammen mit seiner Ehefrau wird es auf Reisen gehen und ein Reiseziel werden sicherlich die USA sein, wo der Sohn beruflich tätig ist. Menschen hilfreich zur Seite stehen, das soll sich auch in Zukunft nicht ändern. Sehr gerne möchte sich Pastor Kalisch in der Hospizarbeit engagieren.
Michael Kalisch, Pastor der ev.-luth. Kirchengemeinde Ganderkesee
