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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Sprache: 1000 Stunden für die Zukunft

03.02.2017

Oldenburg Das Haus, aber die Haustür. Der junge Iraker Jagar Abdo (22) lebt jetzt seit 15 Monaten in Deutschland, doch wann welcher Artikel in der deutschen Sprache der richtige ist, bleibt für ihn noch ein Mysterium. „Ich kann mir Vokabeln sehr gut merken, aber das mit den Artikeln fällt mir wirklich schwer“, erzählt er in beeindruckendem Deutsch. An der Universität Duhok im Irak hat er vor seiner Flucht bereits zwei Semester studiert – Sonderpädagogik. „Das würde ich hier in Deutschland auch gerne machen.“ Nicht zuletzt darum besucht er von montags bis freitags, 13.30 bis 17.30 Uhr, den ersten Intensivsprachkurs für höherqualifizierte Flüchtlinge, den die Ländliche Erwachsenenbildung (LEB) in Kooperation mit dem Landkreisgymnasium und der Uni Oldenburg anbietet.

Andere Länder, ähnliche Probleme: Tuba Bakshi (24) aus Afghanistan und Raneem Krenbah (20, Syrien) sitzen nebeneinander am anderen Ende des Klassenzimmers in der Graf-Anton-Günther-Schule (GAG). „Der, die oder das – ich bin mir da immer so unsicher“, gibt die 24-Jährige zu. Seit elf Monaten ist sie mit Mutter, Bruder und Schwester jetzt in Deutschland. Mehr als zehn Monate davon lebte sie mit 48 weiteren Flüchtlingen in der Huder Jugendherberge. „Seit zehn Tagen haben wir in Hude jetzt eine Wohnung“, sagt sie und ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. Tuba Bakshi möchte Medizin studieren und Ärztin werden.

Raneem Krenbeh hat ebenfalls ein klares Ziel vor Augen. Ein Pharmazie-Studium, das strebe sie nach dem Bestehen aller notwendigen Tests an, sagt sie. Vier Monate hat sie in einer Turnhalle in Wildeshausen in einem Zelt gelebt, jetzt ist sie in Ganderkesee untergebracht. Neben Zwischenprüfungen gibt es im Oktober 2017 den entscheidenden Abschlusstest, der Voraussetzung für ein Studium ist. Ob ihr ganzer Tag jetzt nur noch aus Lernen besteht? Die Mädchen lachen: „Nein, wir haben auch noch Zeit für Spaß“, sagt Tuba Bakshi – zum Glück.

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Möchten gerne studieren: Tuba Bakshi, Raneem Krenbeh und Jagar Abdo (von links) BILD: Werner Fademrecht

Kurs läuft bis Oktober

Sechs Frauen und elf Männer nehmen an dem von Januar bis Oktober 2017 laufenden Kurs teil. Das Alter der Teilnehmer reicht von 18 bis 43 Jahren.

Die Herkunftsstaaten: Syrien (7), Iran (3), Afghanistan (3), Irak (1), Aserbaidschan (1), Marokko (1). Gast: eine kanadische Austauschschülerin.

Spaß macht der Intensivsprachkurs den beiden Dozenten: Carina Dohrn, pädagogische Mitarbeiterin der LEB, und Dozent Frank Binternagel. Der ehemalige Konrektor des Landkreisgymnasiums ist im Ruhestand, bringt seine Erfahrung als Deutschlehrer aber gerne in den Unterricht ein. „Das ist wirklich eine Supertruppe“, schwärmt er. Die gewaltige Motivation und die Konzentration, mit der dem Unterricht gefolgt werde, sei bemerkenswert. Der 1000 Stunden umfassende Sprachkurs für Flüchtlinge, die nicht mehr schulpflichtig sind, ist einer von insgesamt 67 in ganz Niedersachsen. „Und er ist ein Geschenk des Landes Niedersachsen an die Flüchtlinge“, betont LEB-Regionalleiterin Karin Pieper. Finanziert wird der Unterricht in der Tat komplett mit Landesmitteln, die Teilnehmer müssen lediglich die Kosten für die Fahrten nach Oldenburg selber tragen.

Die Universität Oldenburg liefert ebenfalls einen wichtigen Baustein für den Weg der Flüchtlinge in die (akademische) Ausbildung. „Wir setzen uns zusammen. Helfen, den Bildungsweg der Menschen nachzuzeichnen, und geben Ratschläge. Längst nicht immer haben die Menschen sämtliche Qualifikationsnachweise bei sich“, erklärt Aliki Kaiser (Uni Oldenburg).

Für den Rektor der GAG, Wolfgang Schoedel, ist es eine Selbstverständlichkeit, seine Schule in den Nachmittagsstunden als Unterrichtsstätte für den Sprachkurs zur Verfügung zu stellen. „Zur Schule gehört es auch, zu zeigen, wie bereichernd ein Miteinander in einer multikulturellen Gesellschaft sein kann.“

Viel Lob bekommt das gesamte Bildungsangebot von Landrat Carsten Harings: „Das ist gelebte Integration, dank der Menschen vor Ort, die sich engagieren.“ Sein Eindruck: alle Teilnehmer seien offen und wollten sich unbedingt integrieren. „Jetzt muss aber auch die Wirtschaft Lösungen entwickeln.“

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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