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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

                                      prävention: Die      Stärke der Gruppe spüren

22.02.2018

Ahlhorn Linus und Jonas kommen zurück in den großen Raum. Barbara Christidis, Schulsozialarbeiterin an der Graf-von-Zeppelin-Schule Ahlhorn, hat ihnen draußen nur gesagt, dass sie sich mit den Schwimmnudeln auf die Beine hauen dürfen. Im Saal hat Polizeikommissar Martin Klinger die 7c in zwei Gruppen aufgeteilt und sie instruiert: Lautes Klatschen und Anfeuern ihres Favoriten – das ist gefragt. Die Jungen kommen in den Kreis und kämpfen mit den Schaumstoffdingern los. Als die anderen mit ihren Anfeuerungen aufhören und sich auf Kommando abwenden, endet ebenso plötzlich der Kampf. „Zuschauer“ heißt diese Übung. Sie ist eines von vielen Rollenspielen bei einem Pilotprojekt im Evangelischen Gemeindehaus Ahlhorn. „Wir sind stark“ wird als kooperatives Sozialtraining erstmals im Landkreis Oldenburg angeboten.

Erstmals im Kreis

Bei einer Fortbildung sind Klinger, im Wildeshauser Kommissariat zuständig für Kriminalprävention, Jugend- und Opferschutz, sowie Christidis im vergangenen Sommer ins Gespräch gekommen. Sie stellten fest, dass das vielerorts erfolgreiche Programm „Wir sind stark“ bisher im Landkreis Oldenburg gar nicht angeboten wurde.  Es ist ein Sozialtraining mit Anti-Gewalt-Strategien, das der Förderung der Persönlichkeitsentwicklung, des Gemeinschaftsgefühls, der Selbstbehauptung und der Zivilcourage dient.

Angebot der Polizei an alle schulen im landkreis

Interessierte Schulen aus dem Landkreis Oldenburg können sich ab sofort an Polizeikommissar Martin Klinger wenden, wenn auch sie am Präventionsprogramm „Wir sind stark“ teilnehmen möchten. Der Sachbearbeiter für Kriminalprävention, Jugendschutz und Opferschutz ist zu erreichen im Kommissariat Wildeshausen an der Herrlichkeit unter Telefon 04431/941157. Martin Klinger setzt das Seminarprogramm stets nur gemeinsam mit Schulsozialarbeitern um.

Das Programm eignet sich besonders für Zwölf- bis 14-Jährige. Der Intensivkurs besteht aus zwei Tagen mit jeweils rund fünf Stunden. Die Jugendlichen sollen Strategien und konkrete Verhaltensweisen erleben, um in Gefahrensituationen richtig agieren zu können. Zudem sollen sie motiviert werden, sich für ihre Gruppe einzusetzen und Zivilcourage in ihrem Alltag zu leben.

17 Übungen hatten die Siebtklässler aus Ahlhorn vor sich. Schlagworte sind „zur eigenen Meinung stehen“, „Knoten lösen“, „Gewaltskala“, „Stopp-sagen“ „rückwärts fallen lassen“ und „Menschen ertragen“. Die beiden ersten Klassen, die schon den kompletten Kurs absolviert haben, fragten beide nach, ob man noch weitermachen könne, erzählte Barbara Christidis von der hohen Akzeptanz der Aktion. Die Jugendlichen würden mehr Vertrauen gewinnen, mehr als Gruppe zusammenwachsen und auch die „Stillen“ anders wahrgenommen werden, hob sie positiv hervor.

Mit den drei siebten Klassen der Ahlhorner Oberschule wurde es jetzt an jeweils zwei Tagen im Gemeindehaus ausprobiert. „Extra ausgelagert aus der Schule an einen neu­tralen Ort“, wie Christidis betonte.

Zurück zum geschilderten Rollenspiel: Die Erwachsenen analysieren im Dialog gemeinsam mit den Siebtklässlern das Erlebte. „Hat es Spaß gemacht anzufeuern? Seid ehrlich, ihr wart Feuer und Flamme“, sagt Klinger. Das hatte Einfluss auf die beiden Jungen, die sofort begannen zu kämpfen. „Als ihr aufgehört habt, haben sie aufgehört zu kämpfen“, betont Klinger.

Hier ist es Spiel gewesen, erinnerte Klinger, doch in der Realität sieht das anders aus – und zwar ernst. Da kann es Verletzungen geben. Da gilt es zu helfen und alles andere als anzufeuern. Vom „Gruppenzwang“ berichtet ein Mädchen in solchen Situationen.

Macht der Zuschauer

„Wer hat die größte Macht“, fragt der Polizist. „Wir“, sagt einer der jungen „Zuschauer“. Der Kommissar zeigt daraufhin auf, was das heißt. Die Menge habe die Macht, den Konflikt zu beenden oder ihn erst gar nicht ausbrechen zu lassen. „Das war gar nicht der eigene Entschluss der Jungen“, meint Klinger, die Anfeuerung hätte sie erst dazu gebracht. So würden aus Zuschauern dann Mittäter, Verursacher, Anstifter. Dabei können und sollen sie eine positive Rolle als Helfer, Beobachter und Zeugen einnehmen. „Es gibt eine Verpflichtung zum Helfen“ , betont der Polizist, „unterlassene Hilfeleistung ist ein Straftatbestand. Man muss sich dabei nicht selbst in Gefahr bringen.“

Tipp von Klinger und Christidis an die Jugendlichen in derartigen Situationen von Gewalt, wie sie auf jedem Schulhof oder anderenorts passieren können: an die „3 L“ denken. Sie stehen für Lärm, Licht und Leute. Das heißt: für Krach sorgen, den Konflikt aus dem Dunkeln/Verborgenen holen und sich Verbündete suchen, um gemeinsam zu agieren.

Ulrich Suttka Kanalmanagement / Redakteur
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