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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Alles andere als ein Kinderspiel

01.09.2015

Wardenburg „Ich mache mir gerade viele Gedanken über das Universum.“ Ein ungewöhnlich komplexes Thema für eine Neunjährige mag sich jeder denken, der der Schülerin aus dem Landkreis Oldenburg zum ersten Mal begegnet. Ihre Eltern Katja und Jens, die ihren Nachnamen zum Schutze ihrer Tochter nicht nennen wollen, wundern sich schon lange nicht mehr über die außergewöhnlichen Interessensgebiete ihres Kindes – seit fünf Jahren wissen sie, Sina ist hochbegabt. Eine „Diagnose“, mit der nicht nur viele Eltern, sondern auch Erzieher überfordert sind, weiß Birgit Gruber, Vorsitzende des Regionalverbandes Niedersachsen-Bremen der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK).

Früh Sprechen gelernt

Wie man hochbegabte Kinder erkennt und diese stärkt, damit beschäftigt sich ein Vortrag, zu dem der Wardenburger CDU-Gemeindeverband am Donnerstag, 17. September, einlädt (siehe Info-Kasten). Martina Zahl, Konrektorin der Förderschule Hunteschule in Wildeshausen, wird das Thema in einen Zusammenhang mit der „Inklusiven Schule“ bringen.

Schon früh hatten Sinas Eltern gemerkt, dass ihr Kind irgendwie anders ist: „Sie konnte sehr früh sehr gut sprechen, Farben und Zahlen benennen, stellte immer viele Fragen und konnte schon als Krippenkind all ihre gemalten Bilder mit ihrem Namen versehen“, berichtet Mutter Katja, die als Buchhalterin arbeitet. „Bekannte machten uns dann auf die DGhK aufmerksam.“

Bereits mit viereinhalb Jahren ließen Sinas Eltern mit ihr einen Test machen, der den Intelligenzquotienten (IQ) ermittelt. „Ab einem IQ von 130 gilt man als hochbegabt“, erklärt Birgit Gruber. Welcher Wert bei Sina gemessen wurde, wollen Gruber und Sinas Eltern nicht verraten: „Das Kind wird dadurch stigmatisiert“, ist die DGhK-Regionalvorsitzende aus Wilhelmshaven überzeugt.

Schon im Kindergarten hatte es die wissbegierige Sina nicht immer einfach. „Da war’s nicht wirklich schön, so langweilig, und ich wollte lieber immer was Neues“, erinnert sich die Neunjährige an diese Zeit vor ihrer Einschulung mit fünf. Ihre ganze Hoffnung ruhte auf der Schule, aber auch da wurde sie enttäuscht.

„Das Lernen hat mir nicht so gut gefallen, wie ich mir das vorgestellt habe“, so die Bilanz der Schülerin. „In der Grundschule wurde Sina oft ausgebremst, weil alle Kinder möglichst auf einer Stufe sein sollten“, ärgert sich der 48-jährige Vater, von Beruf Informationselektroniker. Am Anfang der dritten Klasse bemerkten die Eltern eine Veränderung an ihrem einzigen Kind: „Sie war nicht mehr fröhlich, und es ging ihr nicht gut.“

„Wenn sich Kinder ständig zurücknehmen müssen, treten psychosomatische Beschwerden auf wie Bauch- oder Kopfschmerzen“, erzählt Birgit Gruber. Nun setzten die Eltern bei der Schulleitung durch, dass Sina die dritte Klasse überspringen durfte. Von da an begann Sina wieder zu lächeln.

Mit neun in Klasse 6

Mittlerweile geht Sina in die 6. Klasse eines Gymnasiums. Hier sind die Mitschüler zwei bis drei Jahre älter als sie. Auch Freunde hat sie hier gefunden. Mit Gleichaltrigen komme sie beim Spielen ohnehin nicht auf einen Nenner, so Vater Jens. „In ihrer jetzigen Schule fühlt sich Sina wohl. Zwischen uns und der Schulleitung ist nun ein Miteinander und kein Gegeneinander mehr wie früher in der Grundschule.“

Beim Spielen verhalte sich Sina ganz „normal“. „Ich spiele gern Nintendo“, bekennt die Gymnasiastin und drückt dabei zärtlich ihre kleine Stoffmaus „Ricky“. Auch Barbie-Puppen mag sie. „Sie probiert viel aus: Singen, Tanzen, Schwimmen“, so Mutter Katja. Zurzeit mache sie Boxen. Daneben verbringe sie viel Zeit mit Lesen und sie besuche gerne die Kinder-Uni.

„Wir sind der DGhK sehr dankbar. Ohne ihre umfangreiche Hilfe hätten wir vieles nicht hinbekommen, da es von staatlicher Seite keine Hilfe gibt“, sagt Vater Jens.

Über die Zukunft ihrer Tochter machen sich Sinas Eltern keine Sorgen, denn der Sprössling weiß bereits ganz selbstbewusst, was er will: „Ich werde Pop-Star und Papa wird mein Manager.“

Marén Bettmann
Wardenburg
Redaktion Wardenburg
Tel:
04407 9988 2730

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