• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

An der Armbrust lange „gefeilt“

13.05.2013

Wildeshausen Dr. Hans-Jürgen Schulte erinnert sich noch gut an das 550. Jubiläumsgildefest 1953. Der inzwischen pensionierte Wildeshauser Zahnarzt war damals 13 Jahre alt und wollte es unbedingt seinem Vater Dr. Heinz Schulte nachmachen: Der hatte nämlich die begehrte Würde des Jubiläumskönigs errungen.

Doch erstmal musste eine geeignete Armbrust für den Junior her. Seine eigene war nämlich zerbrochen und nicht mehr reparierbar. „Uns fiel ein, dass im Hause des Landmaschinenbesitzers Heinrich Schröder eine Armbrust vorhanden sein musste, mit der schon dreimal der Vogel nach dem Krieg von der Stange geholt worden war“, erzählt Schulte. 1948 sei damit Heinrich Kramer, genannt Hein Isern, der Königsschuss gelungen, 1949 Hermann Schröder und 1951 Helmut Langhorst. Während die Armbrüste herkömmlicher Art aus drei bis vier Bögen Eschenholz gefertigt wurden, hatte die Schrödersche Armbrust schon einen Stahlbügel zwischen den Holzbögen, der ihr eine besondere Spannkraft verlieh.

Mit dieser Spezial-Armbrust übte Schulte eifrig auf dem Kirchplatz. Als Ziel diente ein Ast der ehrwürdigen amerikanischen Eiche, der in etwa so hoch war wie die Vogelstange auf dem Festplatz. Die Pfeile bestanden aus Buchenholz und Blei. „Gedrechselt wurden sie bei Kammanns in der Westerstraße, das Blei gab mir unser Nachbar Heinrich Piening“, erinnert sich der Wildeshauser. Im zahnärztlichen Labor seines Vaters wurde das Blei geschmolzen, in eine vorgefertigte Form gegossen und anschließend mit einer Feile bearbeitet.

„Die Feile war wichtig, weil sich der Bleikopf beim Treffen verformte und sich schwerer aus der Armbrust verschießen ließ“, erläutert Schulte.

Die Armbrust selbst wurde in der Nachbarschaft von Tischler Friedel Heinemann nachgearbeitet. „Wichtig war das Band, das mit Pech gewachst wurde, um eine bessere Haltbarkeit zu kriegen“, erinnert er sich noch gut.

Als der Königsschuss unter großem Jubel geglückt war, teilte sein Vater ihm Schwester Marlis als Königin zu. Mit ihr ging es im Einmarsch zurück in die Stadt, wo im Elternhaus – wie damals üblich – die Bewirtung erfolgte. „Übrigens gab es damals noch einen Kinderschaffer. Mein Schaffer war Franz Kramer, der die Fahne wieder in die Stadt führte“, berichtet Schulte.

Im Gildejubiläumsjahr 1978 wollte der pfingstbegeisterte Wildeshauser seinen Triumph übrigens wiederholen und bei den Erwachsenen König werden. Doch es kam anders: Der erfahrene Jäger zielte schon ein Jahr zuvor scharf und durfte sich somit schon beim 574. Gildefest König nennen. Diesmal durfte er sich seine Königin allerdings selbst aussuchen und wählte Ehefrau Altrud.

Als Mitglied der Königskompanie lässt Schulte es sich bis heute nicht nehmen, am Pfingstdienstag mit auszumarschieren. „Solange die Beine mich tragen, werde ich dabei sein, auch wenn die Luft dünner wird“, betont er. So wird er auch in diesem Jahr am Pfingstwochenende erst zum traditionellen Treffen seiner Studentenverbindung nach Würzburg fahren, um dann am Haupttag des Gildefestes pünktlich wieder zur Stelle zu sein. „Mir würde sonst einfach etwas fehlen“, schmunzelt er.

Uta-Maria Kramer
Wildeshausen
Redaktion Wildeshausen
Tel:
04431 9988 2703

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.