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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Rüstzeug fürs spätere Leben bekommen

05.10.2019

Bergedorf „Der Unterricht war sehr ländlich geprägt“, erinnert sich Gerd Logemann an seine Schulzeit in Bergedorf. Kaum verwunderlich, denn das Dorfbild wird von alters her von Höfen bestimmt. Schon im Jahr 1658 erhielt Bergedorf von der Grafschaft Oldenburg die Erlaubnis, eine eigene Klippschule zu bauen. Für 1732 ist vermerkt, dass im Winter 30 Kinder im Katechismus, Singen und Lesen unterrichtet wurden.

Herzog gab 100 Mark

1782 wurde eine neue Schule für rund 80 Kinder gebaut, die 1827 bereits durch einen Neubau auf dem heutigen Schulgelände ersetzt wurde. Herzog Peter Friedrich Ludwig gab 100 Mark dazu. Zwölf Jahre später mussten bereits alle Kinder im Dorf am Unterricht teilnehmen, was die Eltern 47 Groschen pro Halbjahr kostete. 1910 wurde das heutige Schulgebäude errichtet, in dem 60 Jahre lang Unterricht stattfand.

Herwig Logemann wurde 1955 in Bergedorf eingeschult, sein Bruder Gerd zwei Jahre später. „Ich bin nur ein Jahr jünger, aber die Frist zur Anmeldung lief genau einen Tag vor meinem Geburtstag ab“, erklärt dieser. Einen weiten Schulweg hatten die Brüder nicht, der elterliche Hof lag nur fünf Gehminuten entfernt. „Weil sich die Lehrer gerne länger unterhalten haben, sind wir etwas später losgelaufen“, sagt Herwig Logemann. Als er in die achte Klasse kam, änderte sich das. „Da gab es eine neue Lehrerin, die war immer sehr pünktlich.“

Enten schlachten helfen

Genau wie andere Kinder der Zeit lernten die Brüder das Schreiben auf Schiefertafeln. Auch sonst gab es viele ländliche Elemente im Schulalltag. „Unser Hauptlehrer Hermann Fischer hatte Bienen und Enten für den Eigengebrauch“, erinnert sich Gerd Logemann, „Ich musste auch mal beim Schlachten mithelfen, sowas vergisst man nicht.“

Schule im Rückblick

Die Volksschule Bergedorf Mitte der 60er Jahre:

Schulleiter: Heermann Fischer Lehrerin: Erika Kunick Klasse: 28 Jungen, 17 Mädchen (alle Schüler in einer gemeinsamen Klasse).

Für das Prozentrechnen gab es als praktisches Beispiel den Inhaltszettel von einem Sack Hühnerfutter. „Das ist mir seitdem im Gedächtnis geblieben“, sagt Logemann. Wenn ein Sportfest in Ganderkesee anstand, wurde dafür auch während der Schulzeit trainiert – auf einer normalen Wiese. „Da haben wir dann den 50-Meter-Lauf oder Staffellauf geübt“, blickt Herwig Logemann zurück.

In den Klassen gab es damals jeweils rund 30 Schulkinder. Die Disziplin war nur in Ausnahmefällen nicht ganz so, wie die Lehrer sich das vorstellten. „Es wurde auch schon mit der Heiligen Schrift geworfen, wenn keine Ruhe reinkam“, weiß sein Bruder Gerd. Der Rohrstock kam hin und wieder zum Einsatz, aber das gehörte damals einfach dazu. „Als Schüler erlebten wir die Dinge damals anders, als sie heute gesehen werden. Wir haben damals das Rüstzeug für unser späteres Leben bekommen“, so Logemann. Eine Förderung für lernschwache Schüler gab es jedoch nicht. „Einige sind dann nach der sechsten Klasse schon gegangen.“

Abwechslung im Alltag

Trotz aller Strenge erlebten die Bergedorfer Schüler aber auch Abwechslung vom Alltag, wie Herwig Logemann beschreibt: „Als die abgefallene Antennenstufe wieder auf dem Funkturm in Steinkimmen montiert wurde, haben wir eine Exkursion da hin gemacht.“ Schulausflüge mit dem Bus führten bis zur Thülsfelder Talsperre – und ins Kino. „Mit einem der neuen Lehrer sind wir nach Oldenburg gefahren, um Ben Hur zu sehen. Das war was.“ Sein Bruder Gerd war nicht dabei, wie er erklärt: „Wir Unterklässler durften nicht mit, weil wir zu jung waren.“

Raus aus dem Dorf

Wie beschaulich der Unterricht auf dem Dorf war, merkten die Brüder, als sie für die neunte Klasse nach Ganderkesee mussten. „Da hieß es dann: Raus aus dem Dorf“, sagte Gerd Logemann. „Wir haben gemerkt, wie unterschiedlich das Niveau war“, erinnert sich Herwig, „weil wir plötzlich Fächer wie Englisch oder Schwimmen hatten.“

1970 wurde die Bergedorfer Schule geschlossen, was nicht klaglos hingenommen wurde. „Da hieß es dann: ,Wieso müssen die Kinder nach Ganderkesee, das ging doch bis jetzt auch hier’“, zitierte Gerd Logemann. Bereits 1971 zog der neugegründete Spielkreis in das alte Schulgebäude ein, seit 2005 ist hier der Kindergarten „Kinderburg Bergedorf“ zuhause.

Arne Haschen Volontär, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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