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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Wer brennt noch fürs Handwerk?

16.05.2018

Bookholzberg „Früher hatten wir haufenweise Bewerbungen“, erzählt Arnd Fischer, „in diesem Jahr noch keine“ Der Geschäftsführer der Bährs GmbH in Bookholzberg, spezialisiert auf Stahl- und Metallbau, Garten- und Landschaftstechnik, macht die gleichen Erfahrungen wie so viele Handwerkskollegen: Es interessieren sich immer weniger Jugendliche für eine Ausbildung in ihrer Branche.

Und nicht nur Lehrlinge fehlen, gerne würde Fischer auch noch einen Landmaschinentechniker oder Metallbauer einstellen. Die Auftragslage ist gut: „Wir könnten mehr machen, wenn wir mehr Leute hätten“, sagte der Diplom-Ingenieur, der den 1910 als Schmiede gegründeten Familienbetrieb in vierter Generation führt, am Montagabend bei einem Besuch der CDU-Ratsfraktion.

Warum das Handwerk keinen Nachwuchs mehr findet

Gleich mehrere Entwicklungen beschleunigen den Fachkräfte- und Nachwuchsmangel im Handwerk:
Die geburtenschwachen Jahrgänge stehen jetzt vor oder in der Ausbildung. Die Zahl der Jugendlichen, die die allgemeinbildenden Schulen verlassen, ist seit Jahren rückläufig.
Unterdessen scheiden die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Berufsleben aus. Mit ihnen verlässt nicht nur eine große Zahl an Mitarbeitern, sondern auch ein enormes Potenzial an Erfahrung die Betriebe.
  Die Konjunktur ist stabil und beschert den Unternehmen mehr Aufträge. Viele Betriebe müssen mangels Mitarbeitern Aufträge verschieben oder gar ablehnen.
  Das Handwerk steht in Konkurrenz zu Fachhochschulen und Universitäten: Viele Jugendliche entscheiden sich für eine weitere schulische Laufbahn.
  Aber auch mit anderen Berufsfeldern muss das Handwerk um den Nachwuchs konkurrieren: Die meisten junge Leute bevorzugen Ausbildungen in IT- und Büroberufen.

Mit vier Mitarbeitern baut die Firma Bährs Tore, Treppen, Geländer und viele weitere individuelle Teile aus Metall. „Wir sind nicht für Riesenstückzahlen ausgelegt“, sagte Fischer, „aber was wir machen, können wir richtig.“ Viele Aufträge kommen jetzt von Landwirten mit Biogas-Anlagen, während die klassische Landmaschinentechnik inzwischen weniger nachgefragt sei.

Die Gebäude und Hallen an der Stedinger Straße sind überwiegend aus den 60er Jahren, aber unter den Dächern steckt auch viel moderne Technik. Arnd Fischer räumte ein, dass ein kleiner Handwerksbetrieb wie Bährs seinen Lehrlingen nicht so viel bieten könne wie größere Unternehmen mit eigenen Ausbildungs-Teams und koordinierten Schulungs-Angeboten. „Bei uns läuft der Lehrling so mit“, sagte er, „aber dabei lernt er, was er können muss.“

Nur wollen immer weniger junge Leute dieses Können erlernen. Das bestätigte Hartmut Günnemann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land. Allein in den Handwerksbetrieben in seinem Zuständigkeitsbereich, der Stadt Delmenhorst und dem östlichen und südlichen Landkreis Oldenburg, sind noch 80 Ausbildungsstellen unbesetzt. Das Ausbildungsjahr beginnt in etwas mehr als zwei Monaten.

Die Gründe für den Nachwuchsmangel im Handwerk sind vielfältig (siehe Info-Kasten) – und sie betreffen alle Gewerke, die einen mehr, andere weniger. „Das Metallhandwerk steht noch gar nicht mal so schlecht da“, weiß Günnemann. Andere trifft es härter, besonders die Handwerksbetriebe im Nahrungsmittelsektor: Kaum jemand will heute noch Bäcker- oder Fleischergeselle werden. Das liege auch an den Arbeitszeiten, räumt der Kreis-Geschäftsführer ein. „Unsere serviceverwöhnte Gesellschaft erwartet rund um die Uhr offene Geschäfte, aber keiner will zu den unattraktiven Zeiten arbeiten.“ Stattdessen wolle „jeder was mit dem Computer machen.“

Das allerdings geht im Handwerk auch, selbst in kleinen Firmen wie Bährs ist die Arbeit ohne Computer und Internet nicht denkbar. Arnd Fischer war auf den Besuch der CDU-Politiker vorbereitet und hatte seine neue CNC-Plasmaschneidanlage schon mal vorprogrammiert. Ein paar Fingertipps auf dem Display, und in wenigen Minuten schnitt die Maschine ein Türschild mit dem Schriftzug der CDU Ganderkesee und dem Gemeinde-Ganter millimetergenau aus einem Stück Edelstahl heraus. Die Christdemokraten waren beeindruckt, was auch in kleinen Handwerksbetrieben möglich ist.

Hergen Schelling
Agentur Schelling (Leitung)
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2741
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