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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Das kleine Einmaleins des Lebens

28.02.2015

Sandkrug Wenn Kinga Blümel mit ihrer Unterrichtsstunde beginnt, holen viele ihrer Schüler erst einmal die Handys aus der Hosentasche. Doch das, was bei vielen Lehrern den Blutdruck steigen lassen würde, empfindet die gelernte Dolmetscherin und Lehrerin (Deutsch als Fremdsprache) als Erleichterung. „Meine Schüler nutzen das fast alle jetzt“, sagt sie.

Ihre Schüler, das sind zurzeit 15 Asylbewerber. Sie kommen aus dem Irak, Syrien, Algerien, Albanien und Afghanistan. Da ist es eine große Hilfe, wenn elektronische Wörterbücher oder Übersetzungshilfen zum Überwinden sprachlichen Hürden genutzt werden.

Nicht nur Akademiker

Müssen in der großen Pause zur VHS laufen: Kinder von Asylbewerbern mit ihrer Lehrerin Kamilla Hallerstede. BILD: Werner Fademrecht

Zahl der Asylbewerber steigt weiter

Anfang des Jahres lebten 57 Asylbewerber in angemieteten und gemeindeeigenen Unterkünften in Hatten. Seitdem sind 18 weitere Menschen aus Albanien, Serbien und Kosovo über die Sammellager in die Gemeinde gekommen. Mittelfristig rechnet die Gemeinde damit, dass die Zahl der Flüchtlinge auf insgesamt 114 in diesem Jahr steigt.

Die Voraussetzungen könnten unterschiedlicher nicht sein: Manche Asylbewerber haben in ihrer Heimat bereits ein Studium absolviert, sprechen bereits eine Fremdsprache, zum Beispiel Englisch. Andere haben nicht einmal das Schreiben und Lesen ihrer eigenen Landessprache gelernt, jetzt sitzen sie das erste Mal im Leben vor lateinischen Buchstaben und sollen daraus Wörter formen. Dennoch ist Kinga Blümel voll des Lobes für ihre Gruppe, die sich seit Dezember 2014 an drei Vormittagen pro Woche in den VHS-Räumen im Sandkruger Bahnhof trifft. „Sie sind unheimlich motiviert und wollen alles ganz genau wissen, auch die Grammatik“, erzählt sie. Neben den Grundbegriffen der deutschen Sprache vermittelt sie wichtiges Alltagswissen: Was gibt es für Krankheiten? Was ist bei Behördengängen zu beachten? Wo gibt es (Kinder-)Arztpraxen?...

100 Unterrichtsstunden in zwei Monaten, das kann natürlich nur ein Anfang sein. Die VHS werde sich um einen Aufbaukurs bemühen, verspricht die Leiterin der Außenstellen Hatten und Wardenburg, Anne Bohlen. Bezahlt werden die Kurse durch den Landkreis Oldenburg, Weil immer mehr Asylbewerber nach Hatten kommen und gerade die Mobilität ein großes Problem ist, startet Mitte März jetzt auch im Jugendhaus in Kirchhatten ein zweiter Kurs. Bereits Anfang März richtet die VHS einen Kurs in Wardenburg ein.

Ein Stockwerk über dem Seminarraum geht es ein bisschen quirliger zu. Zeitgleich mit den Erwachsenen lernen hier 14 Kinder von Asylbewerbern Deutsch, die zurzeit die Waldschule Hatten besuchen. Immer in den großen Pausen machen sich die Fünft- und Sechstklässler auf den Fußmarsch zum Bahnhof, zwei Schulstunden später werden sie dort von den Siebt- und Achtklässler abgelöst. Dipl.-Pädagogin Kamilla Hallerstede bringt den Mädchen und Jungen das ganze Schuljahr lang, zehn Stunden wöchentlich, die deutsche Sprache näher. Die Georgierin hat an der Uni Oldenburg Deutsch als Fremdsprache studiert. Seitdem sie zufällig entdeckte, dass praktisch keines der Kinder das Einmaleins und simple Rechenaufgaben beherrscht, bindet sie auch solche Aufgaben in den Unterricht ein.

Pause fehlt den Schülern

Der Weg zur VHS ist für die Schüler nicht zu lang, hat aber einen wesentlichen Nachteil. Gerade in den großen Pausen, wenn alle Schüler miteinander spielen, können sie nicht mitmachen – unter Integrationsgesichtspunkten ein klarer Nachteil. „Besser wäre es natürlich, eine Sprachlernklasse in der Schule direkt einzurichten, aber das lässt die große Raumnot nicht zu“, sagt die Sozialarbeiterin der Waldschule, Tanja Reiher.

Hattens Nachbargemeinde Wardenburg bietet nach Angaben von Julia Tscheslog, Migrationsberaterin der Gemeinden Wardenburg, Hatten und Großenkneten, sogar bereits Sprachunterricht im Kindergarten an, weil hier Asylsuchende mit besonders jungen Kindern angekommen sind. Über das Tempo, in dem teilweise über das Bleiberecht der Flüchtlinge entschieden wird, ist sie nicht glücklich. Sie kenne Menschen, die seit 2013 auf ihre Anerkennung warteten. „Und erst ab dann sind sie Kunden des Jobcenters mit viel mehr Fördermöglichkeiten.“

Video

Werner Fademrecht
Hatten
Redaktion Wardenburg
Tel:
04407 9988 2731

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