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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Sie schenken Sterbenden ihre Zeit

05.12.2018

Falkenburg Zwei Stunden lang hat sie einfach nur dagesessen und ihre Hand gehalten. „Das war schwierig für mich, nur dazusitzen und zu schweigen. Ich habe gelernt, dass Reden nicht in jeder Situation sein muss“, sagt Thale Benning. Für die Frau, die im Sterben lag und nicht mehr reden konnte, war das genau das Richtige. „Sie hat signalisiert, dass sie das möchte. Wenn ich meine Hand wegziehen wollte, hat sie sie wieder genommen.“

Weitere Ehrenamtliche willkommen

Der Tag des Ehrenamtes findet jährlich am 5. Dezember statt, den ersten gab es 1986. Er wurde im Jahr zuvor von den Vereinen Nationen (UN) beschlossen.

Das Laurentius-Hospiz freut sich über weitere Ehrenamtliche. Derzeit gibt es 25 aktive Ehrenamtliche zwischen 15 und 80 Jahren. Interessierte können sich bei Ehrenamtskoordinatorin Maren Mikosch melden, Telefon  04222/9 47 02 11.

Die Ehrenamtlichen verpflichten sich nicht für eine bestimmte Tätigkeit oder Stundenanzahl. Jeder entscheidet selbst, wie viel Zeit er aufbringen kann und welche Aufgaben er übernehmen möchte. Zu den Tätigkeiten gehören unter anderem die Mitarbeit in der Wohnküche mit Aufgaben wie Mahlzeiten begleiten und Gespräche mit Gästen und Angehörigen führen, aber auch Gartenpflege oder Öffentlichkeitsarbeit, wie die Betreuung von Informationsständen auf Veranstaltungen, sind möglich. Einige Ehrenamtliche begleiten einen Gast als Bezugsperson. Für diese Begleitung ist eine entsprechende Ausbildung notwendig, die das Hospiz anbietet.

Thale Benning arbeitet ehrenamtlich im Laurentius-Hospiz in Falkenburg. Doch obwohl die Schülerin aus Heide erst 16 Jahre alt ist, ist sie nicht die jüngste engagierte Helferin. Lea Schneider aus Hude ist erst 15 Jahre alt und verbringt ebenfalls einen Teil ihrer Freizeit im Hospiz.

Beide haben in diesem Jahr ihr Schulpraktikum in der Falkenburger Einrichtung absolviert. Und beide haben in der Vergangenheit bereits erlebt, wie es ist, wenn ein Familienangehöriger im Sterben liegt. Sie erzählen, wie wichtig es ist, dass sowohl der Sterbende als auch die Angehörigen in solch einer Situation liebevoll betreut werden.

Mehr Lachen als Weinen

Da in der Schule viel zu tun ist, schaffen es beide derzeit etwa zweimal im Monat, für ein paar Stunden im Hospiz zu helfen. Jeder Ehrenamtliche kann selbst entscheiden, wie viel Zeit er aufbringen möchte. In einen Kalender wird eingetragen, wer wann kommen möchte.

„Es ist nicht so, dass hier nur geweint wird, es wird sogar mehr gelacht“, erzählt Thale. Ob sich ihre Eltern Sorgen machen, dass die 16-Jährige mit Situationen konfrontiert wird, die sie vielleicht überfordern? Thale lacht. „Nein, meine Eltern kennen das, dass ich mich für andere Sachen interessiere als meine Freunde. Sie vertrauen darauf, dass ich selbst weiß, was für mich das Richtige ist.“ Natürlich gebe es Situationen, über die man nachdenke. „Die Verzweiflung der Angehörigen, die ist nicht immer leicht zu ertragen“, sagt Thale. Im Hospiz gebe es aber immer hauptamtliche Mitarbeiter, die sich für Gespräche Zeit nehmen. „Sie achten hier sehr darauf, dass es uns gut geht“, sagt Thale. Überfordert habe sie sich noch nie gefühlt. Da stimmt auch Lea zu. Sie erzählt von ihrem mulmigen Gefühl zu Beginn. „Das ist aber gleich am ersten Tag weggegangen.“

In ihren Freundeskreisen sei die Arbeit im Hospiz kein großes Thema. Beide Mädchen haben einen Freund verloren, in einem Fall war es ein Auto-, im anderen ein Badeunfall. Da sei der Tod ein Thema, dem viele ihrer Freunde aus dem Wege gingen.

Die Mädchen verbringen ihre Zeit meist in der Wohnküche oder im Garten, helfen bei anfallenden Arbeiten wie die Geschirrspülmaschine ausräumen und unterhalten sich mit den Gästen und ihren Angehörigen. Auch Spaziergänge mit Bewohnern gab es schon. Einen bestimmten Gast betreuen sie nicht.

Es gibt Wichtigeres

Das aber möchte Gabi Scholz in Zukunft tun. Deshalb nimmt die 56-Jährige an einer Weiterbildung im Hospiz am Wattenmeer in Varel teil, das ebenfalls von der „mission:lebenshaus gGmbH“ betrieben wird. Über mehrere Monate setzen sich die Ehrenamtlichen hier unter anderem mit dem Umgang mit Krankheit, Sterben, Tod, eigenen Grenzen und Demenz auseinandern.

„Ich habe das Glück, dass ich seit April nicht mehr arbeiten muss und ich wollte in meiner Freizeit etwas Gutes tun“, sagt die 56-Jährige. Seitdem kommt die Huntloserin zweimal pro Woche ins Laurentius-Hospiz. Derzeit hilft sie unter anderem dabei, das Abendessen vorzubereiten. Die Weiterbildung sei ihr sehr wichtig, sagt Gabi Scholz. „Ich versuche, Dinge zu tun, die den Menschen gut tun. Aber im Moment halte ich mich noch zurück, man will keine Fehler machen“, sagt sie.

Wie auch die beiden Schülerinnen erzählt Gabi Scholz von Situationen, in denen sie den Bewohnern mit kleinen Gesten eine große Freude machen konnte, sei es mit einem Blumenstrauß aus dem Garten oder auch nur einer Tasse Kaffee. Dasein, zuhören einfach mal schnacken. „Es sind normale Dinge. Dann kriegt man ein Lächeln und spürt die Freude“, beschreibt Lea. Es ist Zeit, die die Frauen schenken. Und manchmal bekommen auch sie Hilfe, wenn etwa Thale ihre Vokabeln lernt und von einer Bewohnerin abgefragt wird.

Alle drei berichten vom positiven Gefühl, anderen Gutes zu tun. Und dann ist da noch etwas, das Thale erklärt: „Mein Blick auf viele Sachen hat sich geändert. Ich habe gelernt, dass es nicht das Ende der Welt bedeutet, wenn Schuhe nicht mehr lieferbar sind. In meinem Alter sind Kleinigkeiten manchmal eine Katastrophe. Aber es gibt Wichtigeres.“

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Sonja Klanke Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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