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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Wenigstens das Einparken klappt

14.08.2018

Ganderkesee Uwe Kehren ist ein freundlicher Mensch. Er lächelt milde und plaudert nett vom Beifahrersitz, sagt die Richtung an, gibt hier und da ein paar Tipps und erklärt mir allerhand zum Fahrzeug, während ich den VW-Tiguan der Fahrschule Janßen durch Delmenhorst und Ganderkesee lenke. Erst nach mehr als 30 Minuten, als wir uns auf der Urneburger Straße schon dem Fahrtende nähern, kommt er auf den Punkt, für den wir das Experiment überhaupt unternommen haben: „So, wie Sie gefahren sind“, sagt der Fahrlehrer Kehren immer noch sehr freundlich, „hätten Sie den Führerschein leider nicht bekommen!“

Damit war zu rechnen. Meine Führerscheinprüfung liegt fast 40 Jahre zurück, seitdem nehme ich zuverlässig am Straßenverkehr teil – nicht unfall- und schon gar nicht bußgeldfrei, aber immer so, dass niemand dabei körperlich zu Schaden kam. Trotzdem haben sich natürlich Abnutzungen in mein Fahrverhalten eingeschlichen, die ein Fahrlehrer nicht akzeptieren kann.

Wie die Autofahrer zum Führerschein kamen

Die erste Fahrprüfung weltweit fand vor genau 125 Jahren statt, am 14. August 1893 in Paris. Anlass dazu war eine Anordnung der Polizei, nachdem das schnell steigende Verkehrsaufkommen immer öfter zu Unfällen führte.

Geprüft wurden praktische Fahrkenntnisse und Wissen über das Fahrzeug. Auch kleinere Reparaturen mussten ausgeführt werden. Das Mindestalter war 21 Jahre.

In Deutschland trat ein einheitliches Gesetz über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen erst 1909 in Kraft. Zuvor gab es in einigen Ländern schon Fahrprüfungen, zuerst 1903 in Preußen. Angehörige regierender Fürstenhäuser waren von der Führerscheinpflicht bis 1918 ausgenommen.

Als letztes Land in Europa führte Belgien 1956 Fahrerlaubnisprüfungen ein. Vorher war dort kein Führerschein erforderlich.

Im Landkreis Oldenburg wurden im vergangenen Jahr 1074 Führerscheine neu ausgegeben. Hinzu kamen 942 Berechtigungen für begleitendes Fahren ab 17 Jahren. 75 Autofahrern wurde 2017 der Führerschein abgenommen, darin sind die strafrechtlichen Fälle nicht eingerechnet.

Laut Kraftfahrtbundesamt sind 2017 in Niedersachsen 27 Prozent der Fahrschüler in der praktischen Prüfung durchgefallen.

Erfahrener Lehrer

Also fühle ich mich nervös und unsicher, als ich an diesem Morgen auf der Fahrerseite Platz nehme, um 125 Jahre nach der weltweit ersten Fahrprüfung meine eigene Fahrtüchtigkeit noch einmal von einem Profi unter die Lupe nehmen zu lassen. Neben mir sitzt Uwe Kehren (61), ein (im Wortsinne) sehr „erfahrener“ Fahrlehrer, der in vier Jahrzehnten unzählige Fahrschüler zur Prüfungsreife gebracht hat – sehr lange als Berufssoldat bei der Bundeswehr, dort sogar auf Kettenfahrzeugen, seit April nun als Mitarbeiter der Fahrschule „Janssen-drive“ von Mario Janßen in Ganderkesee.

Die Fragen zu Fahrzeug und Motorraum, die bei jeder Fahrprüfung obligatorisch sind, überspringen wir mal und kommen gleich zu den ersten praktischen Dingen, bei denen der Schüler schon viel falsch machen kann: anschnallen, Sitz und Lenkrad in die passende Position bringen, Rückspiegel richtig einstellen – „bitte auch an die Außenspiegel denken“, ermahnt mich der Fahrlehrer. Erster Fehler!

Schnell zu schnell

Als wir aus Ganderkesee herausfahren, verliert sich das nervöse Gefühl langsam. Schließlich kann ich Autofahren und auf einige Verhaltensweisen, die ich im täglichen Gewohnheitsverkehr schon mal außer acht lasse wie den Schulterblick bei jedem Abbiegevorgang, konzentriere ich mich jetzt ganz besonders. Der Wagen rollt, wir unterhalten uns angeregt und die Einfahrt über die Oldenburger Straße nach Delmenhorst verläuft ein bisschen abschüssig – prompt steht die 60 auf dem digitalen Tacho im Display, das zu meiner Fahrschulzeit noch ein Armaturenbrett war.

Ein bisschen zu schnell fahre ich noch mehrfach, ohne es so richtig zu bemerken. Aber Uwe Kehren registriert es natürlich. Und ein paar mal muss er auch sagen: „Beide Hände fest ans Lenkrad“, wenn ich gerade lässig den Ellenbogen auf dem Türrahmen abgelegt habe. Was mir allerdings so richtig zum Verhängnis wird, ist mein privater Wechsel auf einen Automatik-Pkw vor einem guten Jahr. Während ich damals zunächst aus alter Gewohnheit noch ein paar Mal mit dem linken Fuß die Kupplung treten wollte und die Bremse erwischt habe, was mich ruckhaft eines Besseren belehrte, bin ich mittlerweile des Kuppelns entwöhnt – und würge den schaltgetriebenen Fahrschulwagen mehrfach beim Bremsen ab. Fahrlehrer Kehren akzeptiert meine entschuldigende Erklärung zwar – durchgefallen wäre ich in der Fahrprüfung deswegen trotzdem.

Häufige Fehler

Das passiert gelegentlich auch den jungen Schülern, die vorher noch gar keine Fahrerfahrung hatten. Viel häufiger  scheitern sie aber an anderen Fehlern, wie Uwe Kehren erzählt: „Die meisten passen bei der Vorfahrt nicht auf.“ Da achten die Fahrer zum Beispiel genau auf die Autos von rechts und links, übersehen aber Radfahrer oder Fußgänger, die sich nähern. Knifflig wird’s oft auch, wenn der Prüfer „Umkehren“ verlangt. Dann muss der Fahrschüler sich selber eine Stelle zum Wenden suchen, „und dabei kann man viel falsch machen“, weiß Uwe Kehren.

Die Fahrprüfer – in Ganderkesee kommen sie vom TÜV Nord – seien in aller Regel aber fair zu den Prüflingen, meint der Fahrlehrer: „Die wollen niemanden linken.“ Fünf Grundfahraufgaben gibt es, von denen drei in der Prüfung vorkommen müssen. Obligatorisch ist die Gefahrbremsung bei 30 km/h, außerdem wählt der Prüfer zwischen Rückwärtsfahren nach rechts und Längs-Einparken sowie zwischen Quer-Einparken und dem leidigen Umkehren.

Immerhin: Das Quer-Einparken, rückwärts in eine recht enge Lücke, hat bei mir prima geklappt. Das lobt sogar der Fahrlehrer. Aber ansonsten gebe ich zu: Vieles, was ich in der Fahrprüfung gelernt habe, hat sich im Alltagsverkehr abgeschliffen. Die freiwillige Fahrstunde ist mir eine Mahnung, diese Dinge wieder stärker zu beachten.

Tauglichkeit prüfen

Uwe Kehren steht ohnehin auf dem Standpunkt, dass ältere Verkehrsteilnehmer ihr Fahrverhalten regelmäßig unter Aufsicht überprüfen sollten. Versicherungen fordern einen solchen Fahrtauglichkeitscheck schon lange, Verbände wie der ADAC lehnen ihn ab. „Aber irgendwann wird das kommen“, glaubt Uwe Kehren. Na, dann bin ich ja wenigstens schon ein bisschen vorbereitet.

Hergen Schelling
Agentur Schelling (Leitung)
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2741
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