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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Schulen kämpfen gegen Fettleibigkeit bei Kindern

26.09.2019

Ganderkesee /Landkreis Das Resultat ist besorgniserregend: „Inzwischen sind drei bis vier Prozent der rund 1300 im Kreis Oldenburg untersuchten Schulanfänger eines Jahrgangs extrem übergewichtig“, berichtet Dr. Matthias Peiler vom Kreis-Gesundheitsamt. Weitere acht bis neun Prozent stünden bereits an der Schwelle zur Fettleibigkeit (Adipositas).

Diesen gesundheitsgefährdenden Trend zum Übergewicht bestätigt eine Datenerhebung der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH). Demnach nahm die Zahl der Kinder bis 17 Jahre, die unter extremem Übergewicht leiden, bundesweit zwischen 2008 und 2018 um 30 Prozent zu.

Übergewicht und Bildung

Im Landkreis Oldenburg, so Peiler, seien Faktoren wie der Bildungsstand der Eltern, Einkommen, Sozialisation oder Migrationshintergrund verantwortlich dafür, ob Kinder eher normalgewichtig seien oder nicht. „Oft liegt es schon am fehlenden Wissen der Eltern darüber, was gesundes Essen ist und was nicht“, erläutert Peiler.

An Ganderkeseer Grundschulen haben die Verantwortlichen bereits reagiert. Neben gesundem Frühstück, Informationsangeboten bei Elternabenden, Sportförderunterrichten, Wasserspendern, den „bewegten Pausen“ oder besonderen Aktionen setzen sie verstärkt auf die Aufklärung. Dabei werfen die Lehrkräfte auch einen Blick in die Brotdosen der Kinder.

So auch an der Grundschule in Schierbrok: „Keine Süßigkeiten zum Frühstück“, nennt Schulleiterin Gaby Goetz die dortige Regel. Dafür doch lieber Salatgurke, Paprika oder Karotten. Verboten oder einkassiert würden unerwünschte Lebensmittel aber nicht. „Das ist auch nicht nötig, die Kinder erziehen sich inzwischen schon selbst“, sagt sie. So würden Klassenkameraden von ihren Mitschülern darauf hingewiesen, dass etwa Nutellabrötchen nicht gut für die Gesundheit seien. Beim wiederholten Mitbringen unerwünschter Pausennahrung würden die Klassenlehrer das Gespräch mit den Eltern suchen.

Fettleibigkeit stoppen

Den Kampf gegen die Fettleibigkeit führt die Schule darüber hinaus mit Bewegungsangeboten wie den „Flitze-Pausen“. „In der erste großen Pause werden Bewegungsspiele angeboten, zwischen den Stunden flitzen die Kinder fünf Minuten über den Schulhof, um eine Eiche oder durchs Kräuterlabyrinth“, sagt Goetz. Adipöse Kinder erhalten in Schierbrok ebenso wie an anderen Grundschulen besonderen Fördersport.

Auch an der Langen Straße gehört Sport zur Vorbeugung. In diesem Herbst soll wieder das „Skipping-Hearts-Projekt“ laufen, denn Übergewicht wird außer durch falsche Ernährung auch von Bewegungsmangel begünstigt.

In Sorge um Spätfolgen

Herzerkrankungen, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen drohen den Adipösen von heute im Alter. Das Seilspring-Projekt („Rope Skipping“) soll Kindern eine gute sportmotorische Basis vermitteln. Ähnliche Aktionen haben auch die Grundschulen Dürerstraße und Bookholzberg im Programm. Sport und Bewegung spielt ebenfalls an der Grundschule Heide eine große Rolle. Vom Kultusministerium wurde die Grundschule 2014 zur „Sportfreundlichen Schule“ ernannt. Auf Bewegung in der Schule, die richtige Ernährung und darauf, den Schulweg zu Fuß oder mit dem Rad anstatt mit den Elterntaxi zu bewältigen setzt auch Dörte Lohrenz, Leiterin der Grundschule Bookholzberg.

Auch der Lange Straße beginnt der Versuch, Übergewicht bei Jungen und Mädchen zu vermeiden, schon am Morgen: „Jeden Tag frühstücken wir zu selben Zeit“, berichtet Rektor René Jonker. Der Vorteil: Durch das gemeinsame Essen erreiche die Schule einen starken Lenkungseffekt.

Kinder als Kontrolleure?

Dabei spiele der Inhalt der Brotdose eine große Rolle. „Die Kinder reglementieren sich gegenseitig und sagen auch ihren Eltern, was gut für sie ist“, beschreibt Jonker den Effekt.

An der Grundschule Bookholzberg bereitet ein Team aus engagierten Eltern mit Unterstützung des Fördervereins regelmäßig ein gesundes Frühstück zu. „Wir haben ein Schulernährungsprogramm, dienstags und donnerstags gibt es Obst und Gemüse“, sagt Lohrenz. Ganz selbstverständlich werde dabei über gesunde und weniger gesunde Lebensmittel gesprochen.

Doch nicht alle Eltern sind damit einverstanden, dass an Ganderkeseer Grundschulen mehr oder weniger vorgegeben wird, was das Kind essen oder trinken sollen.

Starke Kritik an „Hetze“

Auf Facebook wurde in der Gruppe „Du kommst aus Bookholzberg, wenn...“ starke Kritik daran laut. Schulen würden Kompetenzen überschreiten. Am Mittwoch diskutierten Forumsteilnehmer gar die „Hetze unter Kindern“. Ernährung sei Privatsache. Doch es gibt auch Zuspruch für den „Blick in die Brotdose“: „Man will keine dicken Kinder, die sollen Gesund essen“, stellte ein Forumsteilnehmer klar.

Das sich Kinder gesund ernähren, bleibt auch Ziel des Kreis-Gesundheitsamtes. Dazu Dr. Peiler: „Einen wichtigen Beitrag tragen die Trinkwasserspender an den Schulen bei“. Durst mit Wasser anstelle von Säften zu stillen, helfe auch der Zahngesundheit. Peiler:  „Schon bei Eltern von Kita-Kindern sehen wir großen Beratungsbedarf.“

Thorsten Konkel Redakteur, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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