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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Pflichtdienst – Zwang oder Chance?

07.12.2019

Ganderkesee Sie begleiten Schulklassen in der Katenkamp-Schule, geben Kurse im Regionalen Umweltzentrum (RUZ) Hollen und unterstützen den TSV Ganderkesee: Junge Frauen und Männer, die ein Freiwilliges Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst absolvieren, haben vielfältige Aufgaben. Ihr Einsatz könnte bald zur Pflicht werden – nach den Plänen der CDU-Bundesvorsitzenden Annegret Kamp-Karrenbauer sollte es für Männer und Frauen ab 18 Jahren eine einjährige Dienstpflicht zum Wohl der Allgemeinheit geben.

Es gibt enormen Bedarf

Erwin Drefs, Geschäftsführer der Lebenshilfe Delmenhorst und Landkreis Oldenburg, begrüßt den Vorstoß. „Wir haben einen enormen Bedarf an jungen Männern und Frauen“, sagt er. In der Katenkamp-Schule in Ganderkesee gibt es acht Absolventen und Absolventinnen des Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) und des Bundesfreiwilligendiensts (BFD) – eine Person in jeder der acht Klassen. Doch die Freiwilligen könnten die Zivildienstleistenden von früher nicht ersetzen: „Viele Zivis haben bei uns eine Ausbildung gemacht. Wir konnten sie als Mitarbeiter gewinnen“, sagt Drefs.

Die jungen Leute könnten kein Ersatz für Fachpersonal sein, aber sie hätten Zeit, die den Mitarbeitern fehle, erläutert der Geschäftsführer. Allerdings sollte seiner Meinung nach über eine andere Bezeichnung für den Pflichtdienst nachgedacht werden. „Sie erzeugt Abwehr bei den jungen Bürgern.“ Für Drefs hätte ein verpflichtendes Jahr noch einen weiteren Nutzen: Die Gesellschaft entwickele sich immer mehr zur Vereinzelung, meint er. „Ein Jahr, das für alle verbindlich dazu gehört, könnte das Gemeinschaftsgefühl stärken.“

Die Malteser, die in Ganderkesee den Rettungsdienst organisieren, stehen dem Konzept für einen Pflichtdienst ebenfalls positiv gegenüber. „Man hätte einen Bereich, aus dem man zusätzlich schöpfen könnte“, sagt Frank Flake, Bereichsleiter Notfallvorsorge für den Landkreis Oldenburg, Delmenhorst, Wilhelmshaven und die Stadt Oldenburg. Anders als die früheren Zivildienstleistenden könnten die jungen Leute zwar nicht im Rettungsdienst eingesetzt werden. „Das hat sich erledigt, da die Ausbildungszeit sehr lang ist.“ Doch in anderen Bereichen der Malteser, etwa im Fahrdienst, kann sich Flake durchaus Absolventen eines Pflichtdienstes vorstellen. Allein mit Freiwilligen lässt sich der Bedarf nicht decken: „Es gibt zu viele Stellen für zu wenige FSJler.“

DRK begrüßt Pflicht

Ähnlich ist die Situation beim DRK-Kreisverband Oldenburg-Land: „Wir als DRK würden einen allgemeinen Pflichtdienst sehr begrüßen, da Freiwillige uns als gemeinnützige Organisation und Wohlfahrtsverband in vielen Bereichen unserer Arbeit unterstützen“, teilt Roar Abel vom DRK mit. Einsatzmöglichkeiten gebe es unter anderem im Fahrdienst in Hude und im Mehrgenerationenhaus in Wildeshausen.

Junge Männer und Frauen könnten vom Pflichtdienst profitieren, weil sie ins „richtige Leben“ hineinkommen würden, sagt Frank Flake von den Maltesern. Allerdings gibt es für den Bereichsleiter noch viele ungeklärte Fragen – etwa, was das Zusammenspiel von Pflichtdienst und Berufsausbildung betrifft.

Auch der TSV Ganderkesee musste im vergangenen Jahr länger suchen, bis die FSJ-Stelle besetzt werden konnte. Birgit Dietrich, die die FSJler betreut, hält trotzdem nichts vom Pflichtdienst. „Ich will nicht jemanden haben, der verpflichtet ist, das abzuleisten“, sagt sie. „Ich sehe die Gefahr, dass Zwang dahinter steckt.“ Außerdem weist die Mitarbeiterin der Geschäftsstelle darauf hin, dass einige FSJler die Arbeit im Sportverein mit Gruppen und Schülern des Gymnasiums als Vorbereitung auf ein Lehramtsstudium nutzen.

Viele Freiwillige im RUZ

Das ist auch im RUZ Hollen der Fall: Dort absolvieren viele junge Leute ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ), weil sie ins Lehramt gehen wollen. Das Umweltzentrum hat nach Angaben des stellvertretenden Leiters Martin Brinkmann keine Probleme, Absolventen für den Freiwilligendienst zu finden. „Wir freuen uns, dass wir die Stellen immer besetzen können.“

Nach der Abschaffung des Zivildienstes habe sich die Situation für Frauen insgesamt verbessert, sagt Brinkmann. „Sie hatten vorher viel weniger Möglichkeiten.“ Außerdem würden sich die Stellen im RUZ besonders für Freiwillige eignen, weil diese viel eigenes Engagement mitbringen müssten.

Antje Rickmeier Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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