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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Gemeinsames Lernen schweißt zusammen

22.02.2017

Hude „Der Ball kommt doch ziemlich schnell an. Wenn jetzt jemand noch nicht so gut fangen kann, wie könnt ihr den Ball langsamer werfen?“, fragt Meene Wilts an diesem Morgen in der Turnhalle an der Glatzer Straße. Viele kleine Hände strecken sich nach oben. „Wir können den Ball einmal aufkommen lassen“, ist die Meinung einer Viertklässlerin.

Respekt, Rücksicht und Hilfe – all diese Aspekte stehen neben den sportlichen Zielen während der Unterrichtsstunde im Vordergrund. Denn die 28 Viertklässler, die gerade das Ballgefühl üben, sind Teil eines Experimentes in Hude – sie gehören der Kooperationsklasse an.

Inklusion oder Kooperationsklasse

Inklusion bedeutet die umfassende und uneingeschränkte Teilhabe jedes Einzelnen am gesellschaftlichen Leben. Das Ziel ist die aktive Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft.

Die Grundschulen in Niedersachsen müssen seit dem Schuljahr 2013/ 2014 inklusiv beschulen. So bekommt jede Grundschule in Hude in Abhängigkeit zur Klassenanzahl eine festgelegte Anzahl an pädagogischer Unterstützung.

Ein Kind mit festgestelltem Unterstützungsbedarf, dass eine Grundschule besucht, erhält laut Uta Komendzinski pro Woche fünf Stunden individuelle Förderung durch das Personal einer Förderschule.

In der Kooperationsklasse an der Grundschule Hude-Süd werden die acht Kinder die ganze Zeit von zwei Pädagogen betreut. Der Unterricht findet in Blöcken statt, die große Pause verbringen Grund- und Förderschüler in Hude zusammen.

Einschulung 2013

„Wir sind damals an die Grundschule Hude-Süd herangetreten, denn wir arbeiten seit 25 Jahren eng zusammen. Hier gab es vorher schon eine Integrationsklasse. Aber diese Schule war der erste Kooperationspartner für die Inklusion von Schülern mit einem Förderbedarf in geistiger Entwicklung“, erinnert sich Uta Komendzinski, Schulleiterin der Förderschule an der Vielstedter Straße.

Und so sind im Schuljahr 2013/2014 acht Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigung in den Räumen der Grundschule Hude-Süd eingeschult worden.

Klassenlehrerin ist seitdem Petra Blume, sie wird von einer pädagogischen Mitarbeiterin unterstützt. Meene Wilts ist der Klassenlehrer der Partnerklasse. „Zurzeit machen wir den Sportunterricht zusammen. Nach den Osterferien gibt es auch wieder gemeinsamen Musikunterricht“, so Wilts. „Auch Feste und Ausflüge erleben wir als eine Klasse“, fügt Blume hinzu. „Es gibt aber keinen gemeinsamen Fachunterricht zusammen. Denn die Leistungen gehen schon weit auseinander.“ So habe es früher auch gemeinsamen Sachunterricht gegeben, aber auch dass sei mittlerweile nicht mehr möglich.

Schere der Leistungen

„Dass ist jetzt in der vierten Klasse ein Auslaufen, denn alle Schüler stehen vor einem Schulwechsel – und dass ist auch gut so“, beobachtet Lehrerin Blume. Im Sportunterricht toben und spielen die Kinder gemeinsam. Dabei nehmen die Kinder ohne Beeinträchtigung ihre Klassenkameraden von der Förderschule an die Hand: Gemeinsam werden die Stationen aufgebaut, der Kasten wird für die Mitschüler auch mal näher rangeschoben, und beim Werfen wird auf die Kinder Rücksicht genommen, die noch nicht so gut fangen können.

„Die Kinder haben sich sozial entwickelt, dadurch dass sie mit Kindern mit Beeinträchtigung in Kontakt kommen. Sie nehmen die Mitschüler an die Hand und haben Respekt. Ich würde sagen, sie haben Vorteile gegenüber anderen Klassen“, beobachtet Klassenlehrer Wilts. „Vor allem bei der gemeinsamen Klassenfahrt konnten wir sehen, wie erwachsen die Grundschüler schon sind. Sie haben auf jeden Fall eine soziale Kompetenz entwickelt“, findet auch Blume. Skepsis habe es anfänglich gegeben, berichten beide.

„Die Eltern hatte anfangs Sorge, dass die Grundschulkinder Nachteile haben könnten“, erinnert sich Wilts. „Diese Vorurteile habe sich aber ganz schnell aufgelöst, weil wir früh mit der Elternarbeit angefangen sind“, so Blume.

So wurde das Projekt auch in zwei durchgeführten Evaluationen von Schülern, Eltern und Lehrern positiv wahrgenommen. Auch der gelegentliche Abstand zwischen den beiden vierten Klassen sei wichtig: „Es ist super, dass wir einen Klassenraum mit Gruppenraum haben. So müssen sich die Förderschul-Kinder nicht dauernd mit den anderen Grundschülern messen. Außerdem habe ich so mehr Zeit, um auf die einzelnen Beeinträchtigungen einzugehen“, erklärt Petra Blume den Alltag. Für eine gezielte Einzelförderung hat ihr Kollege Wilts in der „normalen“ Klasse nicht so viel Zeit.

Wechsel zur Förderschule

Die Förderschüler werden nach der vierten Klasse an die Vielstedter Straße wechseln. Dort werden immer um die hundert Kinder in zwölf Jahrgängen – bis zur Erfüllung der Schulpflicht – unterrichtet. Zum neuen Schuljahr soll es wieder eine Kooperationsklasse geben.

Mareike Wübben
Volontärin, 3. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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