NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Glaube an gute Zukunft

29.10.2016

In ihrem Leben hatte alles einen Sinn: „Das hat mich zu dem geformt, was mich heute ausmacht“, sagt Martina Meinken (58). Diese Einstellung hat ihr so manches Mal geholfen, denn nicht immer war ihr zum Lachen zumute. Die ersten zehn Jahre ist Martina Pernitzsch, so ihr Mädchenname, in Bremen aufgewachsen, bevor ihre Eltern nach Barrien bei Syke gezogen sind.

Da ihre Eltern zwei Möbelgeschäfte hatten, wurde Martina schon früh in die Pflicht genommen. Nach ihrem Schulpraktikum im Krankenhaus in Bassum war der jungen Martina klar: „Ich werden Krankenschwester!“ Ihr Vater war davon alles andere als begeistert und so besuchte sie nach der Hauptschule zunächst die Hauswirtschaftsschule.

Während dieser Zeit lernte sie ihren ersten Ehemann kennen. Sie war gerade 18 Jahre, als ihr Sohn Stefan geboren wurde. Nach nur eineinhalb Jahren scheiterte die Ehe und mit 19 Jahren war sie alleinerziehende Mutter. Andere Mädels in ihrem Alter amüsierten sich, Martina musste für sich und ihren kleinen Sohn sorgen. Sie arbeitete als Putzfrau oder in einem Imbiss, um den nötigen Lebensunterhalt zu verdienen.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

„Es war keine leichte Zeit, aber mein Sohn war mir total wichtig!“, blickt Martina zurück. Auch ihre Eltern trennten sich und Martina zog mit ihrem Sohn Stefan nach Bookholzberg, um in der Nähe ihrer Mutter zu sein. 1980 arbeitete sie stundenweise im Büro einer Kfz-Werkstatt. Hier lernte sie ihren jetzigen Ehemann Arthur Meinken kennen, den sie 1981 heiratete. Natürlich arbeitete sie weiter, unter anderem in einem Imbiss in Groß-Mackenstedt. Hier kam ihr die Überlegung: „Das kann doch nicht alles gewesen sein.“ Durch das Arbeitsamt machte sie eine Umschulung. Sie entschied sich aber für den Beruf der Krankenschwester und hatte Glück: Ab Oktober 1981 absolvierte sie in der Städtischen Klinik in Delmenhorst ihre Ausbildung.

Todesfälle auf ihrer Station gingen an der jungen Auszubildenden gerade in der Anfangszeit nicht spurlos vorbei. „Ich habe anfangs gezweifelt, ob ich diesen Beruf überhaupt weitermachen möchte.“ Martina Meinken hatte schon als Kind gelernt, zu kämpfen und fing an, ihren Beruf zu lieben.

Im Dezember 1983 dann ein Tiefpunkt. Sie erlitt eine schwere Infektion und musste sechs Wochen auf einer Isolierstation verbringen. Dazu erlitt sie eine Fehlgeburt. Auch aus diesem Tief kämpfte sie sich wieder hoch und machte ihre praktische Abschlussprüfung mit der Note „Sehr gut“. Wegen der Geburt ihrer beiden Töchter Annika (31) und Anna Lena (29) nahm sie sich eine kurze berufliche Auszeit, bevor sie wieder als Krankenschwester in den Städtischen Kliniken anfing.

Durch den Tipp einer Ex-Kollegin wechselte sie 1995 zur Arbeiterwohlfahrt nach Ganderkesee und dort in die ambulante Pflege. 1999 übernahm Martina Meinken die Gesamtleitung. „Es hat mir ungeheuer viel Spaß gemacht“, blickt sie dankbar zurück. Doch zuletzt war sie verantwortlich für mehr als 50 Mitarbeiter, die über 190 Patienten betreuen mussten. Dazu änderte sich die Trägerschaft der Awo, und auch Familie, Haus und Garten wollten versorgt sein. „Obwohl es mir nicht leicht gefallen ist, musste ich die Reißleine ziehen!“, erklärt Martina mir.

Nachdem sie sich eine kurze berufliche Auszeit nehmen musste, wechselte sie im Oktober 2014 zum Palliativstützpunkt Ganderkesee und war als Palliativ-Care-Fachkraft im Landkreis Oldenburg und Delmenhorst unterwegs. „Mir liegt es am Herzen, dass Menschen so gut wie möglich versorgt werden und bis zuletzt ihre Würde behalten!“ Während ihrer beruflichen Tätigkeit machte sie Fortbildungen zur Trauerbegleiterin und war schon bei den Gründungsversammlungen des Hospizkreises Ganderkesee mit dabei. Im Wechsel mit anderen Trauerbegleitern leitet sie hier unter anderem offene Trauergruppen.

Da passte es, das der Hospizdienst Delmenhorst eine engagierte Koordinatorin suchte und mit Martina Meinken ist diese hauptamtliche Stelle seit Juli dieses Jahres perfekt besetzt. „Die Arbeit ist nicht leicht, aber sehr wertvoll und gibt einem sehr viel zurück“, erklärt Martina Meinken.

Um immer wieder neue Kraft für ihre täglichen Aufgaben zu schöpfen, macht sie seit vielen Jahren unter anderem Yoga und auch „Aqua-Fit“. Dazu gehen Martina und Arthur Meinken gerne auf Reisen und freuen sich, wenn die Enkelkinder im Haus sind. Sie blickt immer positiv nach vorn: „Der gute Glaube an die Zukunft hilft mir jeden Tag aufs Neue!“

Martina Meinken,Trauerbegleiterin in Ganderkesee

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.