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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Auslandsjahr: „I got lost“ gilt nicht mehr

14.12.2018

Hatterwüsting /Oldenburg „Hallo“ und „Guten Morgen“. Diese drei Worte beschreiben so ziemlich alles, was Agata Oskroba im Januar dieses Jahres an deutscher Sprache beherrschte. Elf Monate später spricht sie ganz entspannt über ihre Zeit an der Graf-Anton-Günther-Schule (GAG), ihr Leben in einer Gastfamilie in Hatterwüsting und die Entwicklung Europas. Sie sagt Sätze wie „Man hat immer Angst vor dem Unbekannten. Ich glaube, dass unsere Zukunft nur zusammen sein kann.“

Gemischte Gefühle

Eine beeindruckende Entwicklung, die ihre Gasteltern Andrea Schrimm-Heins und Niels-Christian Heins durch Gespräche – zum Beispiel beim Abendessen – gerne unterstützen. Schnell zeigte sich, dass die 16-jährige Austauschschülerin aus Lublin (Polen) sprachlich sehr begabt und vielseitig interessiert ist. Überrascht hat Niels-Christian Heins die Entwicklung nicht. Der Lehrer ist am Landkreisgymnasium Koordinator des Austauschprogramms, arbeitet seit Jahren an der Intensivierung der Kontakte mit dem „Prywatne Gimnazjum und Liceum im. Ignacego Jana Paderewskiego“, einer Privatschule in Lublin, sowie seit diesem Jahr auch an gegenseitigen Besuchen mit dem Akademischen Gymnasium Lwiw (Lemberg) in der Ukraine.

Zweimal schon, als Acht- und Neuntklässlerin, war Agata für jeweils eine Woche am Landkreisgymnasium zu Gast. Schnell fiel das Mädchen dem Pädagogen als überdurchschnittlich motivierte Schülerin auf. Ein ganzes Jahr als Austauschschülerin im Ausland zu leben, sei ihr Traum gewesen, erzählt sie. Die offerierte Chance, nicht nur eine Woche, sondern als erste Gastschülerin an der GAG ein ganzes Jahr zu bleiben, löste bei Agata dennoch gemischte Gefühle aus. Denn da war sehr viel Respekt vor der Sprache. Zuhause lernt sie zwar neben Englisch eine zweite westeuropäische Fremdsprache, doch es ist nicht Deutsch, sondern Spanisch.

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Im Februar stand ihr Entschluss dennoch fest: Ich gehe für ein Jahr nach Deutschland. Seitdem büffelte sie zweimal in der Woche vier Stunden lang die deutsche Sprache – neben dem normalen Unterricht, der am Lubliner Liceum erst um 16 Uhr endet.

Notlösung Englisch

Seit Beginn des neuen Schuljahres im August lebt sie nun in ihrer neuen Familie. Anfangs, als die deutschen Worte trotz des Sprachunterrichts in ihrer Heimat noch nicht so recht fließen wollten, fingen ihre Sätze auf Deutsch an, um in der Mitte spontan ins Englische zu wechseln. „I got lost“, hieß es dann manchmal entschuldigend, erinnern sich ihre Gasteltern.

„Englisch ist einfach“, sagt die 16-Jährige heute. Vier Monate lebt sie jetzt in Hatterwüsting, fährt jeden Wochentag ins Gymnasium nach Oldenburg, wo sie die Klasse 11a besucht. Ihr Lieblingsfach? Da muss sie nicht lange nachdenken: „Mathe. Eigentlich alle Fächer mit Zahlen“, verrät sie und lächelt. Ihre Befangenheit, sich auf Deutsch zu unterhalten, ist längst verflogen. Wann es genau geschah, weiß sie selbst nicht. Plötzlich verstand sie viel mehr und auch die Suche nach der richtigen Vokabel gelang wie von selbst.

Europäische Beziehung

Als „Teamer“ ist Agata für Austausch-Koordinator Heins eine große Hilfe geworden. Wenn im Mai die nächsten Schüler aus Lublin anreisen, kann sie ihre kommunikativen Stärken und soziale Kompetenz ausspielen. „Die Graf-Anton-Günther-Schule nimmt ihren eigenen Anspruch und den Status als Europaschule total wichtig“, betont Niels-Christian Heins. Das sei gelebte Partnerschaft zwischen den europäischen Staaten, die jene Generation einbinde, auf die es in den nächsten Jahren am meisten ankomme.

Agata sieht das Thema so, wie wahrscheinlich viele „Digital Natives“ in ihrem Alter. „Ich bin mit meinen Freunden überall connected. Egal, wo ich oder sie wohnen“. Whatsapp, Skype oder Instagram machen’s möglich.

Agatas Zukunftspläne? „Früher wollte ich Medizinerin werden, jetzt möchte ich lieber Wirtschaft studieren mit Schwerpunkt auf Europäische Beziehungen“, sagt sie. Wie schätzt sie ihre eigenen Stärken ein? „Ich kann gut in einem Team arbeiten“, erzählt sie. In ihrer Freizeit reitet sie gerne, in Hatterwüsting darf sie auf Hannoveraner-Stute „Willi“ im Sattel sitzen.

Auch in Deutschland ist ihre Lubliner Schule nie weit weg. Das schlanke Notebook, das sie mitgenommen hat, enthält sämtliche Schulbücher und andere Lernmaterialien der polnischen Privatschule. Davon können die meisten deutschen Schüler (und Lehrer) nur träumen.

Weihnachten nach Hause

Zeit für eine grundsätzlich Frage: Was ist der größte Unterschied zwischen Polen und Deutschland ihrer Meinung nach? „Auf jeden Fall schreiben wir mehr Tests in verschiedenen Formen in der Schule. In meiner Schule haben wir jedoch nicht viele Hausaufgaben, aber wir müssen in der Schule lernen und oft Langzeitaufgaben lösen wie zum Beispiel Essays“, beschreibt die 16-Jährige ihren Eindruck.

Kurz vor Weihnachten ist Agatas Ziel jedenfalls die eigene Familie in Lublin. Adventsschmuck und -kränze, wie sie ihr in Deutschland aufgefallen sind, gibt es dort nicht. Dafür an Heiligabend ein traditionelles Essen mit zwölf Speisen – in Anlehnung an die Zahl der Apostel.

Wie es im neuen Jahr weitergehen wird, steht auch schon fest. Im Januar 2019 hilft sie als Teamer bei einem Schülertreffen in ihrer Heimatstadt mit, im Februar wird sie ein zweiwöchiges Praktikum im Bundestagsbüro des FDP-Abgeordneten Christian Dürr in Berlin absolvieren.

Wer glaubt, nur Agata lerne während der zwölf Monate in Deutschland viel, der täusche sich, verrät Gastvater Niels-Christian Heins. „Wir verstehen jetzt ganz viele Dinge, die gerade in Polen geschehen, viel besser.“

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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