• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Unterricht in provisorischer Unterkunft

12.10.2019

Hoykenkamp Die Dörfer Ganderkesees sind eng miteinander verbunden. So auch Hoykenkamp, dessen Kinder in früheren Jahrhunderten zum Unterricht ins benachbarte Elmeloh gingen. Noch im Jahr 1809 wird berichtet, dass dort in einem Speicher – einem „elenden Raum“ – Wissen vermittelt wurde; erst 1822 gab es dort dann eine echte Schule.

Das staatliche Oberschulkollegium erwog Ende des 19. Jahrhunderts, Hoykenkamp, Heide und Deichhäuserheide zu einer gemeinsam Schulacht zu vereinen, was aber nicht geschah. Im Jahr 1900 wurde in Hoykenkamp dann die erste Schule errichtet, die stolze 12 000 Mark kostete. Schon 1907 musste aber angebaut werden, weil die Schülerzahl sich mit rund 100 Kindern verdoppelt hatte.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Hoykenkamper Schule bei einem Luftangriff in der Nacht zum 30. Juni 1942 vollständig zerstört. Für die örtlichen Schulkinder bedeutete das den Beginn einer Zeit von Übergangslösungen, die erst acht Jahre später enden sollte.

Erinnerung an Schulzeit

„Als ich nach Hoykenkamp kam, wurde im Gasthof Menkens unterrichtet“, erinnert sich Gerda Ahrens. Die 85-Jährige gehörte zu den vielen Flüchtlingskindern, die im Verlauf des Kriegs in den Westen und auch nach Hoykenkamp kamen. Dabei erlebte Ahrens einen harten Schicksalsschlag. „Meine Mutter starb an der Ruhr, nachdem wir aus Schlesien geflohen sind.“ Auch sie selbst erkrankte, überlebte aber wie durch ein Wunder. Ihre Großeltern nahmen sie zunächst auf, bevor ihr Vater sie nach Hoykenkamp holte. Sie erinnert sich noch gut, dass sie damals unterernährt war. „Als ich hier dann in die vierte Klasse eingestiegen bin, war ich so klein und dünn, dass ich auf die niedrigste Bank gerückt bin.“

Insgesamt zweieinhalb Jahre diente das Clubzimmer im Gasthof Menkens nach Kriegsende als Unterrichtsraum. Davor mussten die Hoykenkamper Kinder ins benachbarte Heide ausweichen, wie sich Ahrens’ Schulfreundin Ursula Brand erinnert.

„Zwei Jahre lang hatten wir dort Unterricht“, erzählt die 85-Jährige. Sie war eine talentierte Schülerin: „Wäre der Krieg nicht gewesen, dann wäre ich wohl auf das Gymnasium nach Delmenhorst gewechselt, aber da gab es ja ständig Fliegeralarm.“ 1946 wurden in Hoykenkamp dann auf dem alten Schulgelände Baracken gebaut, in denen noch rund vier Jahre lang Unterricht gegeben wurde.

„Wir Mädchen hatten uns immer viel zu erzählen“, blickt Brand zurück, „und wenn wir zuviel gesabbelt haben, hat Lehrer Lienemann auch mit Kreide geworfen.“ Einmal traf der dabei das Tintenfass ihrer Freundin Inge Stickfort, deren gelbes Kleid anschließend ruiniert war.

Schreiben auf Altpapier

Lesen und Schreiben lernten Ahrens und Brand auch noch auf Schiefertafeln, aber obwohl es in den 1940er Jahren an vielen Dingen fehlte, gab es Schreibpapier in Hoykenkamp „Herr Lienemann brachte uns manchmal Altpapierstreifen aus Delmenhorst mit, auf denen haben wir dann geschrieben haben“, weiß Gerda Ahrens noch.

Auch einen Projektor für Filme gab es damals schon – den sich die Schulen der Gegend aber teilten. Brand: „Wir mussten den dann manchmal zur Schule nach Heide tragen. Da wurden wir dann immer gefragt, wie weit wir im Rechnen sind.“

Da fast die Hälfte der Schulkinder damals Vertriebene waren, gab es in Hoykenkamp Schulspeisungen. „Das Essen wurde in der Nachbarschaft gekocht“, sagt Ahrens. Sie und ihre Freunde mussten den großen Topf selbst mit einem Wagen abholen. „Ich kann mich noch gut erinnern, dass es einmal Milchsuppe mit Vanille und Rosinen gab, das roch so gut.“

Erst 1950 wurde auf dem alten Schulgrundstück wieder ein neues Gebäude errichtet – zu spät für Gerda Ahrens: „Wir hatten so wenig Geld, dass ich ein Jahr eher abgegangen bin, um zu arbeiten“, sagt sie. Sie durfte dafür den Richtkranz bei der Einweihung tragen, während ihre Freundin Ursula Brand ein Gedicht aufsagte.

Schule bis in die 70er

In den 70er Jahren wurden die Schule in Hoykenkamp, Heide und Schönemoor zur Grundschule Heide zusammengelegt, weshalb in Hoykenkamp ab 1975 nur noch die ersten zwei Jahrgänge unterrichtet wurden. Später übernahm der örtliche Spielkreis die Räumlichkeiten, im Jahr 1994 eröffnete hier dann der Kindergarten „Schatzinsel“ seine Türen.

Arne Haschen Volontär, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
Rufen Sie mich an:
04222 8077 2743
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.