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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Bildung: Digitaler Notstand in der Schule

27.04.2018

Hude Eigentlich wäre es doch ganz einfach: Der Bürgermeister gibt 30 000 Euro frei. Die Fachbereichsleiterin geht zum Elektromarkt oder zum Discounter und kauft dafür eine entsprechende Zahl moderner Notebooks. Die werden dann den Schulen für die Nutzung zur Medienerziehung übergeben. Noch ein paar Installationen, damit W-lan in den Gebäuden genutzt werden kann. Fertig. – Doch so einfach ist es leider nicht.

Diese leidvolle Erfahrung machen zurzeit die Grundschulen Süd und Jägerstraße. Weil Platz für zusätzliche Klassen geschaffen werden musste, haben die beiden Schulen schon vor mehr als zwei Jahren ihre PC-Räume aufgegeben. Die Gemeinde versprach, Ersatz zu schaffen durch die Bereitstellung von mobilen Endgeräten. Doch das hat sich zu einer unendlichen Geschichte entwickelt.

Es begann eine lange Durststrecke. Zuerst blockierte die Politik, weil sie ein Medienkonzept der Schulen forderte. Als das vorlag, ging es aber auch nicht weiter. Bis zu den Herbstferien 2017 hieß es, seien die Geräte nutzbar, dann wurde das Jahresende 2017 angepeilt. Doch auch das klappte nicht.

Mittlerweile sind die jeweils 15 modernen Ultrabooks, die sowohl als Laptop als auch als Tablet genutzt werden können, für die beiden Schulen von der Gemeinde gekauft worden. Stückpreis: rund 1000 Euro. Doch genutzt werden können sie noch immer nicht.

An der Schule Süd, wo auch die katholische Schule die Geräte mitnutzen kann, muss der vorhandene Laptop-Wagen umgerüstet werden, nachdem die W-lan-Struktur installiert wurde. Die Jägerschule hat W-lan, benötigt aber einen neuen Laptopwagen. Dieser muss, weil er so speziell ist, ausgeschrieben werden, forderte das Rechnungsprüfungsamt. Schon die neuen Ultrabooks durfte die Gemeinde nicht irgendwo kaufen, sondern es musste eine Ausschreibung erfolgen. Alles ist sehr aufwendig.

Bürokratie ohne Ende, an der auch Nicole Westermeyer, Fachbereichsleiterin Bildung und Gesellschaft, gelegentlich verzweifelt. Sie weiß, dass diese Verzögerungen kaum noch zu vermitteln sind. Eltern hätten sich schon mehrfach beschwert, dass ihre Kinder von der Medienerziehung abgehängt würden. Erst in der jüngsten Fachausschusssitzung kritisierte ein Vater in der Einwohnerfragestunde, dass es mit der digitalen Ausstattung der Grundschule Süd nicht vorangehe und fast eine ganze Schülergeneration von der Medienerziehung ausgeschlossen sei. Und natürlich kommt auch die Frage auf, ob denn die beiden „halben Klassensätze“, die nun vielleicht bis zu den Sommerferien auch in den Schulen ankommen, schon alles seien.

Dass das viel zu wenig ist, weiß auch die Gemeinde. Der Bürgermeister sagte, dass eine Komplettausstattung aber gut 500 000 Euro verschlingen würde, mit der Aussicht in vielleicht fünf Jahren die Geräte für den gleichen Preis erneuern zu müssen. Und so weiter. Das könne die Kommune nicht leisten. Die alte Bundesregierung hatte ein Milliardenpaket versprochen. Nun warte man auf ein Signal der neuen Regierung. Das kann dauern. Es müsse auch einen „Plan B“ geben, forderte Birte Kempers, Rektorin der Schule Süd, im Ausschuss.

Fachbereichsleiterin Nicole Westermeyer will in enger Abstimmung mit den Grundschulen zeitnah über andere Modelle nachdenken. Eine Idee sei die Möglichkeit, dass Eltern zu geringen monatlichen Raten Geräte für ihre Kinder „leasen“. Dann wären alle Kinder in den Grundschulen entsprechend ausgestattet.

Viertklässler der Grundschule Süd haben die Gelegenheit an mobilen Geräten des Lernlabors zu arbeiten. Eigene Geräte hat die Schule noch immer nicht. BILD: Schule

Die Grundschule Süd versucht derzeit, ihren Viertklässlern in Zusammenarbeit mit dem Lernlabor der Informatik an der Uni Oldenburg „wenigstens so viel Bildung im Bereich Informatik und Digitalisierung zukommen zu lassen, wie es eine Schule ohne entsprechende technische Ausstattung eben kann“, so Rektorin Birte Kempers. Das Team des Lernlabors war am Mittwoch mit mobilen Geräten in der Schule und arbeitete mit der 4a. An diesem Freitag fährt die 4b nach Oldenburg in das Lernlabor. In der nächsten Woche besuchen Mitarbeiter des Lernlabors wiederum die Klasse 4c. Da die Viertklässler seit zweieinhalb Jahren keinen Unterricht am PC hatten und auch keine Recherche im Internet machen konnten, hatte Kempers den Kontakt zum Lernlabor hergestellt.

Das Lernlabor Informatik bietet vielfältige Möglichkeiten, neue Technologien und Methoden kennenzulernen. Beim ersten Termin konnten die Kinder unter anderem an den vom Lernlabor mitgebrachten Notebooks arbeiten. In den drei Unterrichtsstunden entdeckten die Schülerinnen und Schüler die analogen Wurzeln der Informatik und Informationstechnologie (IT) und befassten sich mit den Grundlagen der digitalen Kommunikation. „Das war ein toller Appetitanreger. Nun wäre es toll, bei entsprechender technischer Ausstattung in der Schule weiter arbeiten zu können“, so Birte Kempers. Man freue sich deshalb auf die avisierten Ultrabooks.

Demnächst folge über einen anderen externen Anbieter für die Viertklässler noch ein Vormittag zum Umgang mit dem Internet. Kürzlich sei die Polizeipuppen-Bühne mit ihrem Präventionsangebot zu diesem Thema zu Gast gewesen.

Klaus-Dieter Derke Hude / Redaktion Hude
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