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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Diese Hilfe aus Hude kommt an

02.04.2019

Hude /Gllamnik Shefqet Miftari ist überglücklich. Er hat uns spontan in sein Haus in dem kosovarischen Dörfchen Dumnicë an der Grenze zu Serbien eingeladen. Eine kleine Landwirtschaft mit drei Kühen und zwei Kälbchen, Bienenstöcke, Obst- und Gemüseanbau, Honig- und Käseverkauf – das ernährt die Familie. Auf dem Hof mit dem halb fertigen Wohnhaus erwarten uns seine Frau Fexhrie und die achteinhalbjährige Tochter Edonisa. Das Mädchen hat eine schwere Behinderung. Die ganze rechte Seite ihres Körpers funktioniert nicht, erklärt man uns. Edonisa kann nicht laufen. Sie robbt durch das Haus, ist aber gut drauf, hat auch keine Scheu vor den fremden Besuchern. Das war einmal ganz anders, erzählen uns die Eltern von ihrem einzigen Kind.

Seit gut zwei Jahren besucht Edonisa jetzt die Schule im zehn Kilometer entfernten Gllamnik. Die einzige Schule in der Kosovo-Gemeinde Podujeva, die Kinder mit Behinderung aufnimmt. Die Gemeinde stellt den Bus und die Lehrer. Edonisa ist seitdem aufgeblüht, erzählt ihr Vater den Gästen aus Deutschland. Stolz zeigt die Mutter das Schulheft, in das Edonisa Buchstaben und erste Worte geschrieben hat.

Alle packen mit an

Shefqet hat – wie viele andere betroffene Eltern in der Region und auch andere Bewohner der Dörfer rund um Gllamnik – tüchtig mit angepackt, als auf Initiative des gemeinnützigen Huder Vereins Kinderaugen e.V. der ehrgeizige Plan in die Tat umgesetzt wurde, für die Kinder mit Behinderung ein eigenes rund 110 Quadratmeter großes Schulgebäude mit drei Unterrichtsräumen und Toiletten zu errichten.

Bislang werden die beeinträchtigten Kinder in mehreren Schichten in Räumen der allgemeinbildenden Schule in Gllamnik betreut. Das neue Gebäude, das nun Platz schafft, um noch mehr Kinder mit Behinderung aufnehmen zu können, ist ein wichtiges Signal, dass auch für diese vom kosovarischen Schulsystem bislang vergessenen Kinder etwas getan werden muss.

„Wir sind eine Schule für alle Kinder. Wir nehmen jedes Kind so an, wie es ist“, heißt es bei der großen Einweihungsfeier, die auch von kosovarischen Fernsehteams begleitet wird. Sehr dankbar ist Schulleiter Ajet Ajeti dem Huder Verein. Er weiß, dass noch viele betroffene Familien ihre Kinder zu Hause lassen, weil es für diese in einer der ärmsten Regionen im Kosovo keinen Platz gibt.

Ein wahrer Kraftakt

Das Projekt in Gllamnik umzusetzen, war für die Aktiven des Vereins Kinderaugen ein wahrer Kraftakt. Dass am Ende Einweihung gefeiert werden konnte, ist vor allem dem 2. Vorsitzenden und „Bauleiter“ Afrim Zugoli zu verdanken. Zugoli, der im Krieg als Flüchtling nach Deutschland kam und heute in Hude lebt und arbeitet, hat mit Unterstützung des Bremer Unternehmers Bejtush Fazliu, der ebenfalls seine Wurzeln im Kosovo hat, das nahezu Unmögliche möglich gemacht. Fazliu spendete 15 000 Euro. Die restlichen fast 10 000 Euro brachte der Verein Kinderaugen auf.

„Das war nur dank vieler Geldspenden aus Hude und umzu möglich“, so Vorsitzender Franz-Herbert Bunjor. Auch viele Sachspenden wurden in den vergangenen Monaten von Deutschland aus in den Kosovo gebracht. Unter anderem Fliesen, Farbe und zuletzt auch 160 Quadratmeter Linoleum. Zum Teil transportiert im Laderaum eines Busunternehmers oder in Transportern, die das Huder Autohaus Rüdebusch zur Verfügung stellte.

2015 kam der erste Kontakt zur Schule in Gllamnik zustande. Es gab dort nichts für die damals 23 Kinder mit Behinderung unter den rund 800 Schülern. „Nicht einmal einen Teppich zum Spielen“, so Zugoli. Der Verein Kinderaugen brachte eine Therapieliege nach Gllamnik, spendete Spielzeug und weiteres therapeutisches Material, baute einen Spielplatz mit behindertengerechten Geräten. Die Idee, ein extra Schulgebäude zu bauen, habe es länger gegeben. „Aber keiner hat es für möglich gehalten, dass wir das hinkriegen“, strahlt Zugoli am Tag der Einweihung.

„Herzlich willkommen!“ steht auf einem Transparent, „Faleminderit Kinderaugen!“ (Danke, Kinderaugen!) auf einem anderen. Schülerinnen und Schüler singen ein deutsches Kinderlied. Und sogar die deutsche Nationalhymne wird vom Chor angestimmt. Große Dankbarkeit für die Hilfe aus Deutschland.

Bewegender Moment

Die Huderin Lucia Ratzke, Kassenwartin des Vereins Kinderaugen, schneidet schließlich zusammen mit Schulleiter Ajet Ajeti und dem stellvertretenden Bürgermeister Nexhmi Rudari das Band durch. Ein sehr bewegender Moment. „Es war richtig, dass wir das Projekt in Angriff genommen haben“, sagt Franz-Herbert Bunjor. Hilfe zur Selbsthilfe, das sei hier gelungen. Örtliche Handwerker haben mitgeholfen, ohne Bezahlung. Oder es wurden Materialien zum Einkaufspreis abgegeben, wie von Fitim Hasani, Manager eines Baumarktes in Podujeva. Als die letzte Rechnung bei ihm bezahlt wird und noch mal ein Preisnachlass ausgehandelt ist, lädt der Chef des Baumarktes die Delegation spontan zum Essen ein. Als Dank für das, was man in Gllamnik geschaffen habe.

Weitere Schulen besucht

Die Huder Delegation besucht bei ihrer Reise weitere Schulen in der Gemeinde Podujeva. In Sibofc dankt Schuldirektor Nustret Ismali in einer Feierstunde für 19 gebrauchte Monitore und drei Laptops, die Kinderaugen besorgt hat. An die Schule Ali Ajeti sind ebenfalls Monitore und ein Laptop gegangen. Hier danken die Kinderaugen-Vertreter ganz besonders dem Lehrer Naser Blakshori. Der ist nämlich auch gelernter Elektriker und hat bei der Elektroinstallation in Gllamnik mitgeholfen. „Mit ganzem Herzen“ habe er das gerne getan, sagte Blakshori.

Auch weitere Schulen haben die Huder Delegation eingeladen. Bei den Besuchen dämpft Vorsitzender Bunjor die Erwartungen. Das Budget des kleinen Huder Vereins sei erschöpft. Dabei gibt es noch viel zu tun in dem Land, in dem die langen Schatten des schrecklichen Kosovo-Krieges noch an jeder Ecke wahrzunehmen sind. Schließlich ist dieser Krieg, der so viele Menschenleben kostete und ganze Dörfer komplett vernichtete, gerade mal 20 Jahre her.

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