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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Geschichte: Keine Zweifel am Alter von Wildeshausen

11.03.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-03-11T05:28:12Z 280 158

Geschichte:
Keine Zweifel am Alter von Wildeshausen

Wildeshausen Plötzlich um Jahre jünger: Für viele Menschen wäre das ein Traum. Für Städte und Gemeinden jedoch, deren Identität auf ihrer Historie fußt, ist das keine schöne Vorstellung. Die Gemeinde Emsbüren im Emsland muss derzeit ihre eigene Geschichte umschreiben. Könnte das auch Wildeshausen bevorstehen?

Historische Dokumente

Die Translatio Sancti Alexandri ist ein Bericht über die Reise des Grafen Waltbert, ein Enkel von Herzog Widukind, im Jahr 850. Er transportierte die Gebeine des Heiligen Alexander von Rom nach Wildeshausen. Im Verlauf dieser Reise soll es zahlreiche Wunder gegeben haben. Das Dokument liegt in der Landesbibliothek Hannover.

Die Stadtrechteurkunde ist im Staatsarchiv Oldenburg archiviert. Sie wurden 1270 von Bischof Hildeboldus von Bremen verliehen. Damit verbunden war ebenso die Überlassung eines Grundstücks zum Bau eines Rathauses, das auch heute noch am selben Platz steht. 2020 soll das Stadtjubiläum groß gefeiert werden.

In Emsbüren plante man bereits die große 1200-Jahr-Feier der Kirchengemeinde für das Jahr 2019. Bis die Arbeit eines Wissenschaftlers alles über den Haufen warf. Denn der Bonner Historiker Theo Kölzer hatte eine Urkunde Ludwigs des Frommen, in der die Emsbürer Gemeinde im Jahre 819 vermeintlich das erste Mal erwähnt wurde, als Fälschung entlarvt. Der nächste schriftliche Nachweis stammt aus dem Jahr 1181. Die Kirchengemeinde war damit auf einen Schlag 362 Jahre jünger. Auch in Hildesheim, Hamburg oder Verden gab es solche Fälle.

Wohl bemerkt, die sogenannte Visbeker Urkunde wurde nicht aktuell, sondern bereits vor hunderten von Jahren gefälscht. „Es ging um Besitzansprüche“, erklärt Eva-Maria Ameskamp. Sie ist wissenschaftliche Dokumentarin des Bürger- und Geschichtsvereins Wildeshausen und hat diesen interessanten Fall natürlich verfolgt. „Mit dem Dokument wollte man dem Kloster Visbek gewisse Rechte einräumen.“

Solche Fälschungen waren im Mittelalter gar nicht so unüblich. Zumal sich Besitzansprüche auf Papier zu der Zeit überhaupt erstmal etablieren mussten, wie Ameskamp erklärt. „Es gab auch Zeiten, da ging der Besitz von einer auf die andere Person über, indem man sich zum Beispiel zusammen ans Feuer setzte.“

Steht Wildeshausens Geschichte womöglich auch auf wackeligen historischen Beinen? Davon geht Ameskamp nicht aus. Die erste schriftliche Erwähnung Wildeshausens findet sich in der Translation Sancti Alexandri (siehe Infokasten). Darin geht es um einen Bericht aus dem Jahr 850. „An der Echtheit gibt es bislang keine Zweifel.“

Dennoch ist auch Wildeshausen nicht gefeit vor historischen Ungenauigkeiten. Ameskamp verweist zum Beispiel auf das Gründungsdatum der Schützengilde, das einst auf 1403 gesetzt wurde. „Dafür gibt es aber keine schriftlichen Belege“, sagt Ameskamp. Es geben eben allgemein den Wunsch, solche Daten festzulegen. „Die Leute brauchen einen Fixpunkt.“

Bislang zweifelsfrei in den Büchern steht übrigens die Erteilung der Stadtrechte an Wildeshausen aus dem Jahr 1270. In drei Jahren ist das 750 Jahre her. Und wenn bis dahin kein Historiker Einspruch erhebt, soll das natürlich auch gebührend gefeiert werden.

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