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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Integration: Mehr als tausend Worte

16.12.2016

Sandkrug „Da stehen die Kämpfer und schießen. Die Häuser sind kaputt. Die Menschen haben kein Essen. Alle wollen weg.“ Bawarjan Raschid (11) zeigt auf die einzelnen Zeichnungen auf seinem Bild. Im A3-Format und mit Buntstiften hat er gemalt, was übrig ist von seiner Heimat. Aleppo in Syrien. Die Stadt, die gerade die Schlagzeilen beherrscht, in der Bawarjan mit seinen Schwestern Juliana und Arvin aufgewachsen ist. Seit einem Jahr hat er ein neues Zuhause, Sandkrug, die Waldschule.

Im Sprachunterricht, als die anderen Schüler für Weihnachten gebastelt haben, hat Bawarjan das Bild gemalt. „Wir waren uns einig, dass viele Leute das sehen sollten“, sagt Waldschulleiterin Silke Müller. Bei der Gesamtkonferenz wurde das Bild gezeigt und mit der Weihnachtspost der Schule verschickt. Denn oftmals gerate in Vergessenheit, was Kinder wie Bawarjan in ihrem Leben schon gesehen haben.

„Viele der Kinder aus Syrien sprechen nicht über das, was sie erlebt haben“, sagt Sozialpädagogin Tanja Reiher, die die Sprachlernklassen betreut. Bawarjan spricht, und er malt. Erzählt, dass er in Syrien schon lange nicht mehr zur Schule gehen konnte, weil die Bomben fielen. Dass das Haus, in dem er mit seiner Familie gewohnt hat, schon lange zerstört ist. Dass seine Oma, seine Tante und sein Onkel noch in Aleppo sind. Dass seine Familie keinen Kontakt zu den Verwandten hat. „Die haben keine Handys.“

Nachrichten guckt Bawarjan nicht. Er kann die Bilder aus Aleppo nicht ertragen. „Ich habe mein Land verloren“, steht auf seinem Bild. Dafür hat er in Sandkrug eine neue Heimat gefunden. „Deutschland herzlich Willkommen“, hat er über seine Zeichnungen geschrieben.

Denn willkommen fühlt er sich in Sandkrug, am liebsten geht er in die Schule und zum Sport. Laufen, Fußball – Bawarjan ist dabei. Das Deutschlernen ist „ein bisschen schwer“, aber er beißt sich durch.

36 Flüchtlingskinder besuchen die Waldschule. Zwei bis vier Stunden am Tag haben sie Deutschunterricht, den Rest verbringen sie in den Regelklassen. „Die Integration funktioniert. Es gibt keine Grüppchenbildung oder Ähnliches“, zieht Schulleiterin Müller ein positives Fazit.

Klar ist für sie und Sozialpädagogin Reiher aber auch: „Die Kinder aus Kriegsgebieten bräuchten eigentliche alle eine Trauma-Therapie.“ Gelegentlich wird in den Sprachklassen über das Erlebte gesprochen, doch die meisten schweigen.

Wenn Bawarjan die Erinnerungen packen, dann malt er. Und ist froh um sein neues Leben in Sandkrug. Fußballer möchte er werden, oder Profiläufer. Hauptsache Sport. Er freut sich, dass sein Bild so „berühmt“ wird, hat aber das nächste Sport-Ereignis vor Augen: Im Januar will er wieder bei der Sandkruger Schleife mitlaufen.

Greta Block Volontärin / NWZ-Redaktion
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