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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Flüchtlinge: Mit „Tabu“ spielerisch Deutsch lernen

17.02.2016

Hude Konzentriert hören die Schüler der Sprachlern-CD zu. Die CDs, die normalerweise an der Peter-Ustinov-Schule in Hude abgespielt werden, sind auf Englisch oder Französisch. Aber in dieser Klasse nicht, in dieser Klasse ist es eine CD auf Deutsch. An der Peter-Ustinov-Schule wurde die erste Sprachlernklasse in Hude eingerichtet.

Die Stimme auf der CD schildert eine Situation, wie sie tagtäglich in der Schule passiert. Die Schüler müssen überlegen, welches Wort zu welcher Situation gehört. „Mathematik“, sagt Wahaj. Richtig, die Sequenz stammte aus einer Mathestunde. Wahaj lächelt. „Heute haben wir ein Diktat geschrieben“, erzählt Fardina. War das schwer? „Nein“, sagt sie und schüttelt den Kopf.

Sprache als Grundlage

In der Sprachlernklasse sind zurzeit zehn Schüler und Schülerinnen. Insgesamt besuchen 30 Flüchtlingskinder die Schule. „20 von ihnen wurden integrativ auf unsere 28 Klassen aufgeteilt“, erklärt Schulleiter Nico Rettcher. Für die anderen gibt es nun die Sprachlernklasse. Schließlich sei es die Aufgabe der Schule, den Schülern Perspektiven aufzuzeigen. „Grundvoraussetzung hierfür ist jedoch, dass sie die Sprache sprechen und die gesellschaftlichen Konventionen kennen“, sagt Rettcher. Erst dann sei es an der Oberschule möglich, die Schüler integrativ in Regelklassen zu unterrichten.

Kuchen für den guten Zweck: Jule (dritte von links) und Nils Freund (fünfter von links) sammeln mit Mitschülern durch ihren Verkauf Spenden für Flüchtlingskinder. BILD: Lina Brunnée

56 Flüchtlingskinder besuchen Zurzeit die Huder Schulen

An der Grundschule Jägerstraße werden zur Zeit 14 Flüchtlingskinder unterrichtet. Nils und Jule Freund haben mit anderen Schülern aus dem vierten Jahrgang einen Kuchenverkauf zugunsten der Flüchtlingskinder organisiert: In nur einer großen Pause sind alle Kuchen bis auf den letzten Krümel verkauft worden und gut 100 Euro zusammengekommen.

An der Grundschule Hude Süd werden zur Zeit 12 Flüchtlingskinder unterrichtet. Rektorin Birte Kempers ist es wichtig, ruhig, flexibel und besonnen auf Unvorhergesehenes zu reagieren. Denn was genau sie erwartet, weiß keiner der Schulleiter. Daher sei die Vernetzung untereinander auch sehr wichtig, betont die Rektorin der Jägerstraße Ilona Schütte dazu.

An der Peter-Ustinov Oberschule werden aktuell 30 Flüchtlingskinder beschult.

Noch keine Flüchtlingskinder sind an der katholischen Grundschule und der Grundschule Wüsting. In Wüsting würden sich die Lehrkräfte aber schon mit Fortbildungen darauf vorbereiten, erzählt Schulleiterin Sabine Tretner.

Die Gemeinde Hude rechnet damit, dass circa 26 Prozent der Flüchtlinge, die in Zukunft nach Hude kommen, schulpflichtige Kinder sein werden, erklärt Fachbereichsleiterin Ramona Dahms.

Das planen die Grundschulen in Hude anders. Zwar sind dort noch keine Sprachlernklassen eingerichtet, aber das werde sicher zum neuen Schuljahr kommen, meint Ilona Schütte, Rektorin der Grundschule Jägerstraße. „Sprachlernklassen sind super für die Kinder, aber nicht isoliert“, sagt sie. An der Jägerstraße ist geplant, dass die Kinder auch immer eine oder mehrere Stunden am Tag in ihrer Regelklasse verbringen. So soll es auch an der Grundschule Hude Süd ablaufen, erklärt Schulleiterin Birte Kempers.

Alle Schulen betonen, dass zusätzliche Ressourcen nötig seien, damit Flüchtlingskinder optimal betreut werden können, ohne dass die Unterrichtsqualität für die anderen sinkt. „Dabei sind die Stunden von der Landesschulbehörde gar nicht so das Problem, sondern vielmehr die personellen Ressourcen“, sagt Ilona Schütte. Eine syrische Lehrkraft wäre zum Beispiel optimal geeignet für diese Aufgabe, sobald sie eine Arbeitsgenehmigung habe.

Kuchen für guten Zweck

Zurück in der Sprachlernklasse der Oberschule: Am liebsten lernen die Schüler und Schülerinnen im Alter von 12 bis 15 Jahren mit Hilfe von Spielen – „Tabu“ steht hoch im Kurs. Dabei müssen sie Wörter erklären, ohne typische Begriffe zu nennen. Eine super Übung fürs Vokabellernen. Aber die Schüler lernen nicht nur Deutsch. Mit eingeflochten in die Sprachlernklassen ist ein bisschen Mathe, Naturwissenschaften und Musik. Immer nur Grammatik – das ist sehr anstrengend. Neue Wörter lernen die Jugendlichen ja auch in den anderen Fächern.

Und natürlich im Umgang mit den anderen Schülern. Alle Schulen berichten, keine Probleme mit den Flüchtlingskindern zu haben. Die Kinder seien sehr motiviert. Sicherlich gebe es auch unter ihnen Kinder, die schwieriger seien, aber das sei auch sonst der Fall. Schließlich sei jedes Kind verschieden und habe andere Dinge erlebt, sagt Ilona Schütte.

Wie herzlich die Flüchtlingskinder willkommen geheißen werden, merkt man auch an einer Aktion der Grundschule Jägerstraße. Der vierte Jahrgang rund um die Geschwister Jule und Nils Freund hat sich überlegt, eine Kuchenverkaufsaktion zu starten. Das Geld, das sie einnehmen, soll an die Flüchtlingshilfe vor Ort in Hude gehen.

Und der Kuchen scheint zu schmecken, die Schlange vor dem Stand der Viertklässler nimmt die ganze große Pause lang überhaupt kein Ende.

Lina Brunnée Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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