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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

UMFRAGE: Neuer Plan stößt auf wenig Gegenliebe

17.01.2006

GANDERKESEE Ministerpräsident Oettinger hatte angeregt, den Schulbeginn nach hinten zu verlegen. Dann wären die Schüler ausgeruhter, meint er.

Von Alexander Schmolke GANDERKESEE - Der Ruf des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger nach einem späteren Schulbeginn (die NWZ berichtete) trifft in Ganderkesee auf wenig Gegenliebe. „Die jetzige Regelung ist in Ordnung“, lautete der Tenor einer Umfrage unter mehreren Schulleitern der Gemeinde.

Oettinger hatte seinen Vorstoß mit zwei Argumenten begründet: Zum einen hätten Familien bei einem späteren Unterrichtsstart mehr Zeit am Morgen und könnten gemeinsam frühstücken; zum anderen kämen die Schüler ausgeruhter zur Schule und würden dadurch bessere Leistungen erzielen.

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Diese Argumentation ist für Joachim Hüneberg, Leiter der Realschule Ganderkesee, nicht nachvollziehbar. Dort beginnt der Unterricht um 7.45 Uhr. „Fangen wir 45 oder gar 60 Minuten später an, kommen die Jugendlichen wegen des Ganztagsunterrichts erst am frühen Abend nach Hause – das ist sicherlich nicht familienfreundlich.“ Und zum Gesichtspunkt „ausgeruhtere Schüler“ meint Hüneberg schlicht: „Das würde auch klappen, wenn sie abends einfach früher ins Bett gehen.“

Dörte Lohrenz, Leiterin der Grundschule Bookholzberg, hält ebenfalls wenig von Oettingers Vorschlag. Viele Mütter und Väter müssten schließlich um 8 Uhr mit ihrer Arbeit beginnen und sind froh, ihre Kinder vorher zur Schule bringen zu können. „Würde der Unterricht später beginnen, entstünde am Morgen ein Betreuungsproblem für viele Eltern“, so Lohrenz.

Diese Einschätzung teilt Rita Wieneke, Leiterin der Grundschule Lange Straße. „Bereits jetzt gibt es bei einigen Eltern den Wunsch nach einer Frühbetreuung.“ Denn viele Bürger müssten ihre Arbeit nicht nur früh beginnen, sondern zuvor auch noch nach Oldenburg oder Bremen fahren – für sie wäre ein Schulbeginn um 8.30 oder gar 9 Uhr definitiv zu spät, sagt Wieneke.

Eine weitere Problematik sieht Annegret Dienemann, stellvertretende Leiterin der Realschule Bookholzberg: „Starten wir nicht um 7.30 Uhr, sondern um 8.30 Uhr, endet der Unterricht spät am Nachmittag.“ Dann müsste die Schule die Essensversorgung am Mittag sicherstellen, auch der Bustransfer sei neu zu organisieren. „Nach einem früheren Unterrichtsbeginn zu rufen, ist leicht“, so Dienemann. „Aber da hängt eine Menge dran.“

Schwierigkeiten bei der Schülerbeförderung sieht auch Dr. Renate Richter, Direktorin des Gymnasiums Ganderkesee. Und auch das Argument, dass die Schüler ausgeruhter und dadurch aufmerksamer sind, zählt für sie nicht. „Ein späterer Start in den Tag bedeutet gleichzeitig einen längeren Arbeitstag – und am frühen Nachmittag lässt die Aufmerksamkeit nach.“

Ganderkeseer Eltern halten jetzige Regelung für „vollkommen in Ordnung“

Simone Nordbruch hält nichts von einem früheren Unterrichtsstart. Sie bringt ihren Sohn Patrick (11) zurzeit jeden Morgen um 7.30 Uhr zur Schule. „Und das ist vollkommen in Ordnung so“, sagt Nordbruch. Vom Argument, dass ihr Kind bei einem späteren Start in den Tag ausgeruhter zur Schule geht, hält die Ganderkeseerin ebenfalls nicht viel: „Patrick ist manchmal schon um 6 Uhr wach – da wäre es nicht sehr hilfreich, wenn die Schule erst um 8.30 Uhr oder noch später beginnt.“

Bettina Klintworth stimmt dem zu. „7.30 Uhr ist eine gute Zeit“, findet sie mit einem Blick auf ihren Sohn Steven (11). Für falsch hält sie Oettingers Argument, bei einem späteren Schulstart hätten Familien endlich Zeit, gemeinsam zu frühstücken. „Ein gemeinsames Frühstück ist immer möglich – man muss einfach früher aufstehen.“ Bei ihrer Familie klappe das wunderbar: die Klintworths nehmen jeden Tag um 7 Uhr zusammen die erste Mahlzeit des Tages ein.

Birgit Hasselberg ist über den Vorschlag geradezu entsetzt: „Eine blöde Idee. Wenn das wirklich konkrete Formen annehmen sollte, würde ich auf jeden Fall dagegen protestieren.“ Ihr Sohn Malte (8) muss derzeit erst um 8.30 Uhr zur Grundschule an der Langen Straße. „Das ist für mich als Berufstätige schon ein Problem.“ Einen Schulbeginn um 7.30 Uhr findet Hasselberg daher deutlich besser – zu dieser Zeit beginnt derzeit auch der Schultag ihrer Tochter (3. Klasse).

Elke Akyel aus Ganderkesee schafft es bereits jetzt nicht, ihren achtjährigen Sohn Sebastian um 8.30 Uhr zur Schule zu bringen. „Wenn er zur Schule geht, bin ich leider schon bei der Arbeit“, sagt sie und fügt hinzu: „Ein Unterrichtsstart um 7.30 Uhr würde mir deutlich besser passen.“ Zurzeit klappe die Organisation nur mit Hilfe ihrer Familie (Akyel: „Gut, dass ich meine Eltern habe.“), aber natürlich würde sie ihren Sebastian lieber selber zur Grundschule bringen.

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