Prinzhöfte Sich mitten in der Nacht für vier Stunden zu einer „Solozeit“ allein in den Wald zurückziehen, von 1 Uhr „bis du morgens wieder Farben sehen kannst“, ohne Handy, nur mit Isomatte, vielleicht einer Decke. – Für Theresa, 15, hörte sich das erst einmal „komisch“ an. „Rede mit dem Herzen“, hatte es geheißen. Beim Pilotprojekt „Zum Glück – Innovative Bildungsprozesse für nachhaltige Lern- und Lebensstile für Jugendliche“ probierte sie die Solozeit aus. Das Fazit? „Mir hilft das sehr“, sagt Theresa – und Mitschülerin Marie, 14, pflichtet ihr bei: „Es ist einfach total befreiend.“
Vor eineinhalb Jahren hatte das Pilotprojekt begonnen. Am Freitag klang es nach einem Abschlusscamp in der Wildnisschule Wildeshausen (Prinzhöfte) und der Übergabe von Teilnehmerzertifikaten durch eine Vertreterin des Niedersächsischen Kultusministeriums aus. Federführend war „Zum Glück“ vom Institut für angewandte Kulturforschung (Göttingen) mit dem Programmträger „Bildung trifft Entwicklung“ organisiert worden. Etwa 40 Jugendliche dreier Schulen aus Göttingen-Geismar, Hannover und Wunstorf, ganz überwiegend im Alter von 14 und 15 Jahren, nahmen teil.
Im Mittelpunkt stand – wie der Name schon sagt – die Frage nach dem Glück, wie Simone Henke von „Bildung trifft Entwicklung“ erklärt. Vor dem Hintergrund globaler, auch wirtschaftlicher Zusammenhänge gehe es um Wege, wie wir alle gut zusammenleben können – auch in und mit der Natur.
Auf das Projekt waren die Jugendlichen in Arbeitsgemeinschaften (AG) an ihren Schulen vorbereitet worden. Im Herbst 2017 folgte ein Lerncamp in der Wildnisschule – „mit einer Dusche für alle, ohne Handy, mit Essen am Feuer“, wie Henke einzelne Rahmenbedingungen beschreibt. In einer zweiten AG-Phase entwickelten die Jugendlichen selber Projekte zum Thema „Glück“. Da wurde zum Beispiel für Obdachlose gebacken oder eine Kleidertauschbörse initiiert. Zum Finale kamen dann alle ins einwöchige Abschlusscamp.
Aufs Handy komplett zu verzichten, „erfordert schon eine enorme Selbstbeherrschung“, sagt Theresa rückblickend. „Man hat durch die neuen Medien verlernt, miteinander zu reden“, ergänzt Marie. Es sei schon beim Camp im Herbst schwierig gewesen, den Mitschülern in Hannover, „in der anderen Welt“, zu erklären, dass es draußen in der Natur auch bei Sturm schön sei.
Durch das Projekt hätten sie gute Freunde gewonnen, „total offen“ sei miteinander gesprochen worden. Und: „Zum Glück“ habe sie der Natur nähergebracht, denken die beiden. Ein Beispiel? Als ihre Mutter erkältet war, habe sie den Vater ermuntert, mit in die Eilenriede zu gehen und helfende Kräuter zu suchen, berichtet Theresa. Ob sie denn jetzt ihr Leben komplett umstellen? Nein, schüttelt Theresa den Kopf. „Da müsste man tiefer in die Materie eintauchen. Vielleicht ist es ein Anstoß gewesen.“