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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Schulabschluss In Der Tasche: Geflüchtete aus Sandkrug starten ins Berufsleben

04.07.2019

Sandkrug Sie strahlt über das ganze Gesicht und hat auch allen Grund dazu. Ghazal Khalel Ali (25), vor drei Jahren aus dem Irak nach Deutschland geflüchtet, hält ihr Realschulzeugnis in der Hand. Der Druck, der auf ihr lastete, war besonders groß. „Ich musste unbedingt bestehen, um Krankenschwester werden zu können“, erzählt sie. Die Zusage für eine Lehrstelle hatte sie in der Tasche, aber nur, wenn sie den Abschluss auch schafft. Am 1. August beginnt sie nun mit ihrer Wunschausbildung im Ev. Krankenhaus Oldenburg.

Ein Jahr lang hat Ghazal Khalel Ali mit 14 weiteren jungen Menschen im Weiterbildungskurs der VHS Hatten + Wardenburg (Bahnhof Sandkrug) gelernt. In nur zwölf Monaten das Niveau zu erreichen, schaffen längst nicht alle. Neun Teilnehmer meldeten sich für die Klausuren an. Insgesamt bestanden fünf die bis zu sechs Prüfungen in Deutsch, Englisch, Mathematik, Erdkunde, Biologie und Geschichte: Neben Ghazal Khalel Ali die Syrer Mahmoud Shehabi (22), der bei einer deutschen Familie in Hatterwüsting lebt, und Khalil Kashkoush (21, Oldenburg), Jessica Meiners (19, Wardenburg) und Sofie (20, Wildeshausen), die lieber anonym bleiben möchte.

Wer glaubt, auf diesem Weg den Realschul- oder Hauptschulabschluss abzulegen, wäre einfacher als innerhalb der klassischen Schullaufbahn, der täuscht sich. Die Landesschulbehörde schickt einen externen Prüfer. „Die Aufgaben waren sehr anspruchsvoll“, erzählt Jana Kosmider. Die Hauptdozentin (Deutsch, Erdkunde) war überrascht, dass selbst für den Hauptschulabschluss ein Text der 2015 verstorbenen Autorin Gabriele Wohmann – für ihre kunstvollen, aber verschlüsselten Kurzgeschichten bekannt –, interpretiert werden musste. Daran hat mancher Abiturient noch gemischte Erinnerungen.

Sofie war schriftlich so stark, dass sie als einzige nicht mehr in die mündliche musste. „Mathe war dagegen leicht“, sagt Mahmoud Shehabi. Er stieg in den Unterricht vor zwölf Monaten nur mit einer A2-Qualifikation ein – Anfänger mit Vorkenntnissen – und biss sich durch. Von 8.30 bis 13.30 Uhr büffelte er den Hauptschulstoff, nachmittags dann auch noch zusätzlich für ein fortgeschrittenes Sprachverständnis. Der 22-Jährige engagiert sich in seiner knappen Freizeit in der Freiwilligen Feuerwehr Sandkrug. Sein Traumberuf: „Hauptberuflicher Feuerwehrmann“, sagt er. Sein Plan für die Zukunft: Eine Ausbildung zum Rettungssanitäter absolvieren und danach sich bei der Feuerwehr in Oldenburg bewerben.

Geld aus dem Sonderfonds

Der Kurs wurde finanziert aus dem Sonderfonds zur Unterstützung und Förderung des lebenslangen Lernens. Teilnehmer waren nicht mehr schulpflichtige Geflüchtete, die keinen anrechenbaren Schulabschluss vorweisen konnten, und Deutsche, die nicht mehr schulpflichtig sind, jedoch in der Regelschulzeit keinen Abschluss erreichen konnten.

Förderpartner waren das Land Niedersachsen, das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur und die Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung.

Khalil Kashkoush weiß auch schon, wie es weitergehen soll. Ursprünglich wollte er Einzelhandelskaufmann werden, jetzt aber doch lieber Elektroniker. In den naturwissenschaftlichen Fächern liegen seine Stärken. Ob er eine Chance hat? „Auf jeden Fall, der Bedarf ist da“, sagt Iris Kutscher voller Überzeugung. Sie arbeitet als sogenannte Fallmanagerin im Jobcenter Sandkrug und ist dort für die jüngere Generation (U-25) Arbeitssuchender zuständig.

„Jetzt geht es darum, nicht nur einen Job für Euch zu finden, sondern einen Beruf. Wir glauben an Euch, sonst hätten wir Euch nicht hierher geschickt“, fügt sie hinzu. Ihr größter Wunsch: Dass noch mehr Arbeitgeber die Bereitschaft zeigten, den Absolventen eine Chance zu geben. „Die Motivation ist gerade in der Generation unter 25 Jahren sehr, sehr groß.“

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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