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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

„Die schönste Zeit überhaupt“

16.10.2019

Steinkimmen Eine eigene Schule gab es hier erst vergleichsweise spät, aber die Kinder in Steinkimmen wurden über 300 Jahre lang „nebenan“ unterrichtet. Für das Jahr 1655 ist bekannt, dass Unterricht in Dingstede angeboten wurde. Erst 1716 wird der Brinksitzer Gerd Barkemeier als Schulhalter für Dingstede und Steinkimmen zusammen bestellt. In den folgenden Jahren unterrichtete er rund 40 Kinder, vorwiegend im Winter. 1758 gab es nur zwölf Schulkinder in Steinkimmen, die nach Kirchkimmen überwiesen wurden, wo aber erst 1821 eine Schule gebaut wurde.

Neubau für 12 000 Mark

Im Jahr 1898 wurde Steinkimmen dann als eigene Schulacht etabliert und für 12 000 Mark eine neue Schule errichtet. Die Abstimmung war knapp – es gab damals im Schulausschuss eine Stimme mehr dafür als dagegen.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden Dach und Mauerwerk der Schule im Jahr 1945 durch Granaten beschädigt, weshalb die Kinder vorübergehend auf umliegende Schulen verteilt wurden.

Schon 1966 wurden die Jahrgänge der Unterklasse in Bergedorf unterrichtet, am 1. August 1968 wurde die Steinkimmer Schule dann offiziell geschlossen.

Schule im Rückblick

Die Volksschule Steinkimmen Mitte der 60er Jahre:

Schulleiter: Peter Schauer Lehrerinnen: Frau Amman Unterklasse: 13 Oberklasse: 7 (Alle Kinder in einem Raum)

Ein echter Ureinwohner

Von 1948 an besuchte Enno Cordes die Steinkimmer Schule. „Ich bin praktisch ein Ureinwohner“, sagte der 77-Jährige. Von seinem elterlichen Hof aus hatte er es nicht weit: „Genau ein Kilometer, auf der Straße.“ Querfeldein kürzte er seinen Schulweg manchmal etwas ab – zumindest bei schönem Wetter. Die meisten seiner Schuljahre erlebte Cordes unter dem Schulleiter Hans Philipp, der zeitweise auch der einzige Lehrer in Steinkimmen war.

Lehrer war nicht streng

„Der Herr Philipp war auch nicht so streng, von mir aus hätte der noch mehr durchgreifen können“, erinnerte sich Cordes mit einem Schmunzeln. Der Rohrstock sei damals vorwiegend als Drohung zum Einsatz gekommen. „Das war schon sehr leger bei uns.“

Gelernt hat Cordes trotzdem einiges, was auch heute noch sofort im Gedächtnis ist, wie etwa die Prozentrechnung. Auch das Singen wurde regelmäßig geübt. „Wir wurden dann auf der Geige begleitet“, erinnert er sich. Unangenehm wurde es dann zur Zeugniszeit. „Da mussten wir dann für unsere Note einzeln aufstehen und vorsingen, das war ein Grauen!“

Der Enthusiasmus junger Jahre bekam später ein paar Abnutzungsspuren: „Anfangs bin ich sehr früh zur Schule gegangen, schon um halb acht morgens“, sagte Cordes. „Je älter ich wurde, umso später wurde das dann.“ Da kam er dann auch ein paar Mal zu spät morgens, großen Ärger gab es deswegen aber nicht.

Neben dem Schulsport, der häufig auf dem Falkenburger Weg stattfand, erinnert sich Enno Cordes noch gerne an Aktionen wie das Bäume-Pflanzen nahe dem Jägerdenkmal. „Zum Tag des Baums haben wir jeder einen Setzling gepflanzt und mussten da zwischendurch auch Unkraut wegmachen.“ Viele dieser Bäume stehen heute noch.

Die schönsten Jahre

„Die Jahre in Steinkimmen waren die schönste Zeit überhaupt“, findet Wiltrud Schauer, die von 1962 bis 1964 dort Lehrerin war. Von allen Ganderkeseer Schulen, an denen sie im Einsatz war, sei ihr diese die liebste gewesen.

„Ich werde nie vergessen, wie ich am ersten Schultag gesehen habe, dass alle Jungs größer als ich waren“, blickte die 88-Jährige mit einem Lachen zurück. Die hochhackigen Schuhe, die sie deshalb trug, blieben ihren Schülern noch lange nach den zwei gemeinsamen Jahren in Erinnerung, wie sie weiß.

„In Steinkimmen wurde einzügig unterrichtet, alle acht Jahrgänge zusammen“, erklärte Schauer. Das funktionierte damals ihrer Meinung nach sehr gut. „Das soziale Verhalten an diesen Schulen war ein ganz anderes als an den großen Gesamtschulen.“ Gerne setzte sie ältere Schüler ein, um jüngeren zu helfen. „Wenn die Großen fix waren, ging das gut.“

Ihr Ehemann Peter Schauer war dann der letzte Schulleiter in Steinkimmen, bis die Schule geschlossen wurde. Seit 1970 ist das Gebäude in Privatbesitz und wird bis heute als Wohnhaus genutzt.

Arne Haschen Volontär, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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