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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Unbeschwert lernen dank kleiner Hilfen

12.09.2013

Hude „Neela, hörst du mich?“ ruft Klassenlehrerin Ulrike Eiselt in den Stuhlkreis. „Ja“, antwortet Neela Meyer ganz selbstverständlich. Die Sechsjährige ist von Geburt an hörgeschädigt. Ihre Klassenlehrerin trägt eine sogenannte FM-Anlage, ein Funkgerät, das die Worte von Ulrike Eilselt direkt auf das Hörgerät in Neelas Ohr überträgt. Dazu befestigt Eiselt ein kleines Mikrofon an ihrem T-Shirt-Kragen und steckt das Gerät in der Größe eines Mobiltelefons an ihren Hosenbund.

Warten auf Genehmigung

Neela sitzt ihrer Klassenlehrerin im Stuhlkreis direkt gegenüber. „Ich glaube, dass sie so zusätzlich von meinen Lippen ablesen kann“, vermutet Eiselt. Die Worte der anderen Kinder wiederholt die Pädagogin oder bittet die Schüler, das Gesagte noch einmal laut an Neela zu richten. Für zwei Wochen stand der Klasse sogar ein Handmikrofon zur Verfügung, in das die anderen Kinder hineinsprechen konnten. Die Aussagen ihrer Klassenkameraden wurden dann nur auf Neelas Hörgerät übertragen. Nun wartet die Klasse darauf, dass die Krankenkasse das Mikrofon genehmigt.

Keine Belastung

„Die übrigen Kinder hatten großen Spaß daran“, erinnert sich Eiselt. Überhaupt sei Neelas Beeinträchtigung für die übrigen Schüler kein Problem. Zu Beginn klärte die Klassenlehrerin ihre Schützlinge über Neelas Handicap auf. „Das wissen wir doch aus dem Kindergarten“, kam aus vielen Kindermündern.

Für die Klassenlehrerin stelle die Unterstützung des kleinen Mädchens keine Belastung dar. Dabei spiele eine große Rolle, dass Neela mit ihrer Beeinträchtigung ganz selbstverständlich umgehe, erklärt Eiselt. „Neela kennt sich mit der Technik sehr genau aus“, erzählt die Pädagogin, „sie sagt sofort Bescheid, wenn ich vergessen habe, es einzuschalten.“ „Manchmal lassen wir das Gerät auch in der Pause versehentlich eingeschaltet und dann hört Neela, was wir im Lehrerzimmer reden“, fügt Ilona Schütte lachend hinzu.

Die Schulleiterin nimmt an diesem Morgen ebenfalls am Unterricht teil. Denn Neela stehen drei zusätzliche Betreuungsstunden pro Woche zu. Dann wiederholt die Schulleiterin mit ihr den Unterrichtsstoff. Manchmal arbeiten sie auch vor, so dass Neela einen kleinen Vorsprung hat. Sitzt Schütte direkt neben Neela, versteht das kleine Mädchen die Schulleiterin auch ohne technische Verstärkung.

Für die Betreuungsstunden ziehen sie sich in den kleinen Gruppenraum zurück, der direkt an das Klassenzimmer angrenzt. Der Raum bietet Neela eine Rückzugsmöglichkeit: „Wenn die anderen so laut sind, dann kriege ich Ohrenschmerzen“, erklärt die Sechsjährige.

Akustik verbessert

Sowohl in dem kleinen Gruppenraum als auch im Klassenzimmer wurde die Akustik durch neue Decken verbessert. Außerdem teilte man der Klasse 1a diesen Raum zu, da bereits Teppichboden verlegt war. Neue Vorhänge sollen in Zukunft zusätzlich dabei helfen, den Schall gering zu halten.

Bei Neela Meyer wurde schon einen Tag nach der Geburt beim routinemäßigen Hörscreening festgestellt, dass sie hörgeschädigt ist. „Da wird einem ganz schön mulmig“, erzählt Neelas Mutter, Birgit Meyer. Bereits im Alter von vier Monaten wurde Neela das erste Mal operiert. Drei weitere Eingriffe folgten. Schon nach wenigen Monaten wurden dem Mädchen Hörgeräte eingesetzt.

„Ich bin froh, dass wir bei der Wahl der Schule frei entscheiden konnten“, so die Mutter. Meyers informierten sich in verschiedenen Schulen. Dabei hatten sie stets Hilfe vom Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Oldenburg. Dort nahm Neela auch an einer Unterrichtsstunde teil, aber in der Klasse mit anderen Hörgeschädigten war Neela unterfordert. Letztendlich fiel die Entscheidung auf die Grundschule Jägerstraße – Neela wollte immer hier zur Schule gehen. Zum einen, weil ihre Schwester Merle dort die vierte Klasse besucht, zum anderen, weil ihre Freunde aus dem Kindergarten an die Schule wechselten, vermutet Meyer.

Positive Herausforderung

Ilona Schütte freut sich über die „positive Herausforderung“. „Ich kann jeder Schule nur so eine Erfahrung wünschen – was ich alles gelernt habe.“ Schütte ist besonders froh über die Unterstützung des Landesbildungszentrums, das das Lehrpersonal schulte, und die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Gemeinde.

Im Unterricht kann Schütte in Neelas Lernfortschritt keine Unterschiede zu den anderen Kindern feststellen. Neela ist vom Unterricht begeistert. Was sie am liebsten an der Schule mag? „Alles.“


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/oldenburg-land 
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Sonja Klanke Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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