• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Vielseitigkeit prägt sein ganzes Leben

09.06.2012

Etwas versteckt liegt das Haus von Familie Harders an der Wildeshauser Landstraße. Das Gebäude ist umgeben von einem naturbelassenen Grundstück mit viel Wildwuchs. Es zeigt die Naturverbundenheit der Bewohner. In diesem Haus wohnen mein heutiger Gesprächspartner Professor Nikolaus Harders mit seiner Ehefrau Magdalene (genannt Lena) und die jüngste Tochter Aleke mit ihrer Familie. Ich bin schon ganz gespannt auf das Gespräch mit Nikolaus Harders, denn ich kannte ihn bisher nur vom Hörensagen.

In wenigen Tagen wird Nikolaus Harders 81 Jahre alt. Aufgewachsen ist er zusammen mit seinen drei Brüdern in Hamburg. Dort aber nicht in der City, sondern in einem Randgebiet. Die ländliche Wohnlage wurde verschont von den schweren Bombenangriffen auf Hamburg im Zweiten Weltkrieg., wie mir Nikolaus Harders erzählt.

Glück hatte er mit seinem Geburtsjahrgang. Der Jahrgang 1931 musste nicht mehr in den Krieg. „Ich habe bei etwas älteren Freunden und auch Studienkollegen sehr viel Leid gesehen“, erzählt mir ein nachdenklicher Nikolaus Harders. Sein Vater war Studienrat, seine Mutter Kunsterzieherin, bis sie wegen der Kinder zu Hause unabkömmlich war.

In seiner Nachbarschaft und Verwandtschaft gab es einige Handwerker, denen er gerne über die Schulter schaute. „Das hat mich interessiert und so bin ich zum ,Machen’ gekommen,“ erzählt Nikolaus Harders mir. Zeichnen, Malen, Handwerken und auch das Musikalische liegen in der Familie. So war seine Großmutter eine erfolgreiche Sopranistin. Alle vier Söhne waren sehr musikalisch und spielten Musikinstrumente. Bei Nikolaus waren es Cello und Klavier. Und er war Mitglied in einem Knabenchor. Das Musikalische und Handwerkliche hat er seinen Kindern ebenfalls weitergegeben. Drei sind Berufsmusiker, einer ist Instrumentenbauer. Und die jüngste Tochter ist Bildhauerin. Mit seinem Sohn Claas ist Nikolaus Harders schon gemeinsam aufgetreten. Während der Vater Texte rezitierte, spielte sein Sohn Solomusik für Gambe.

1951 machte Nikolaus Harders sein Abitur und studierte in Hamburg Kunst, Handwerk und Anglistik, denn er wollte wie seine Eltern ins Lehramt. Nach dem Studium nahm er an einem akademischen Austausch teil und war für ein Jahr Lehrer für Deutsch im schottischen Glasgow. Hier lernte er seine spätere Ehefrau Lena kennen, die dort als Pastorin arbeitete. 1960 wurde geheiratet. Und wie schon seine Mutter, widmete sich auch seine Frau nicht mehr ihrem Beruf, sondern ganz der Familie.

Nikolaus Harders war nach seiner Rückkehr aus Schottland in den kirchlichen Schuldienst gewechselt, bis man ihn 1963 als Dozent an die Pädagogische Hochschule Bremen (später Uni Bremen) holte. Da die junge Familie Harders nicht in der Großstadt Bremen leben wollte, zog sie aufs Land. Da bot sich ein kleines Häuschen in der Gemeinde Ganderkesee an. Es wurde im Laufe der Jahre nach und nach vergrößert.

In Bremen unterrichtete Professor Harders bis zur Pensionierung insgesamt 29 Jahre. Er war in dieser Zeit Professor für Werkerziehung. „Der Mensch braucht seine Hände, um etwas zu tun“, so einer seiner Grundsätze. „In meinem bisherigen Leben habe ich viel mit den Händen entdeckt und erlebt, mit mir selbst und mit anderen Menschen, jungen und alten.“

Wir sitzen in seinem Studio und ich kann viele Produkte seiner handwerklichen Fähigkeiten bewundern. Bei den Materialien fängt es bei Ton an und hört bei Stein auf. Aber nicht nur in seinem Beruf, sondern auch in der Freizeit war und ist er auch noch heute ein viel beschäftigter Künstler. Ein Meister seines Faches ist er in Kalligraphien, also der Kunstschrift. So hat er unter anderem das Vaterunser in zwölf verschiedenen Sprachen kunstvoll zu Papier gebracht. Diese sind in der St. Cyprian-und Corneliuskirche zu bewundern.

Bewundern konnte ich auch Gemälde, Zeichnungen und Schnitzarbeiten. Ich bin erstaunt, wie vielseitig ein Mensch seine Hände so einsetzen kann, dass wahre Kunstobjekte entstehen. Im ganzen Haus kann man seine künstlerischen Arbeiten bewundern.

Nikolaus Harders sucht immer neue Herausforderungen. So besuchte er beim Instrumentenbauer Peter Harlan in Fürsteneck Kurse im Bau von Gamben. Nach dem Tod des Lehrers übernahm Nikolaus Harders diese Kurse und verlegte sie in den norddeutschen Raum, unter anderem auch nach Ganderkesee.

„Das Vielseitige kann zum Fluch werden, aber es ist nie langweilig geworden“, so Nikolaus Harders. Eine seiner großen Leidenschaften ist die Musik. „Meine Ehefrau und ich singen vor jeder Mahlzeit ein gemeinsames Lied. Das machen übrigens unsere Kinder mit ihren Kindern auch“, erzählt Nikolaus Harders mir. Als er meinen überraschten Gesichtsausdruck sieht, setzt er noch einen drauf: „Vor dem Schlafengehen lese ich meiner Ehefrau noch immer ein plattdeutsche Geschichte vor. Wenn mi dat goot geiht, snack ik Platt!“. Hier kann ich ihm nur zustimmen.

Nikolaus Harders, emeritierter Professor für Werkerziehung und Künstler

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.