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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Mit Mitte 50 zu alt für einen Neustart?

19.02.2019

Wardenburg „Studie fordert mehr Zuzug – Massiver Arbeitskräftebedarf in Deutschland“ – Überschriften wie diese bringen das Ehepaar Sauerland auf die Palme. „Wenn so dringend Arbeitskräfte gesucht werden, warum bekommt mein Mann überall nur Absagen“, wundert sich Heike Sauerland. Seit Jahren schreibt Jürgen Sauerland jede Woche zwei bis drei Bewerbungen, „aber leider bekomme ich nicht einmal die Chance auf ein Bewerbungsgespräch“, bedauert der Wardenburger.

Auch wenn keiner der zuständigen Personalchefs konkrete Gründe für seine Absage schreibt, so ahnt der 55-Jährige, woran es liegt: An seinem Alter und einem Lebenslauf, der nicht so gradlinig verlaufen ist, wie es sich Arbeitgeber am liebsten wünschen.

Zu lange zu sorglos

Nach der Mittleren Reife in seiner Geburtsstadt Göttingen nahm Jürgen Sauerland sein Leben als junger Mann ohne eigene Familie locker, ohne an später zu denken. „Anfang der 80er Jahren waren Lehrstellen schwer zu bekommen“, erinnert sich der Mittfünfziger, und so schlug er sich nach dem Wehrdienst mit vielen verschiedenen Jobs durchs Leben. Doch in all den Jahren ließ ihn sein Traum vom Jura-Studium nicht los.

Mit Ende 20 machte Sauerland das Abitur nach (Notendurchschnitt 2,4) und schrieb sich mit Anfang 30 in Bremen zum Jura-Studium ein. Ohne finanzielle Unterstützung der Eltern geriet Sauerland in den Teufelskreis von Jobben und Studieren. Nach 38 Semestern brach er das Studium ohne Examen ab. Als Ungelernter folgten die unterschiedlichsten „Berufe“: Taxifahrer, Staubsauger-Vertreter, Promotion-Mitarbeiter, Vermögensberater und einiges mehr.

„Irgendwann habe ich dann realisiert, dass ich auf diese Weise nicht viel in die Rentenkasse bekomme“, erzählt Jürgen Sauerland. Das sah die Arbeitsagentur genauso und finanzierte ihm deshalb mit Anfang 50 noch eine Umschulung zum Speditionskaufmann. Doch in ein festes Arbeitsverhältnis hat das bislang nicht geführt.

„In jeder Stellenausschreibung wird langjährige Berufserfahrung verlangt, die ich nur leider nicht vorweisen kann“, beschreibt Sauerland sein Dilemma. „Gerne würde ich in persönlichen Gesprächen einen Eindruck von mir und meinen Fähigkeiten geben, aber soweit kommt es meistens nicht.“ Auch unentgeltlich Betriebspraktika hat Sauerland bereits angeboten. Doch von vielen Firmen bekam er nicht einmal eine persönliche Absage oder überhaupt eine Antwort.

„Sie sind überqualifiziert“

Selbst mit weniger qualifizierten Jobs hat es Sauerland versucht: Doch, wenn er sich als Auslieferungsfahrer, Lagerarbeiter oder Schichtarbeiter in der Produktion bewirbt, heißt es sofort: „Sie sind doch überqualifiziert.“ Dennoch verbringt der 55-Jährige seine Zeit nicht untätig: „Ich bin bei mehreren Zeitarbeitsfirmen gemeldet, die mir auch immer wieder befristete Arbeit vermitteln, aber auf Dauer ist das nicht befriedigend.“ Zurzeit bildet er sich in Abendkursen der Volkshochschule zum Finanzbuchhalter weiter – auf eigene Kosten.

„Mir als Ehefrau tut es weh zu sehen, dass mein Mann keine Arbeit findet, obwohl er intelligent, fleißig, zuverlässig und sprachgewandt ist – und dazu noch topfit und gesund“, ist Heike Sauerland verzweifelt. Zurzeit lebt das Paar, das sich vor 16 Jahren kennenlernte und seit 2015 verheiratet ist, von Heike Sauerlands Rente. „Weil die zu hoch ist, bekommt mein Mann auch kein Hartz IV.“ Die 66-Jährige arbeitete 45 Jahre lang im Öffentlichen Dienst als Sachbearbeiterin in der Gesetzlichen Unfallversicherung. Sie fragt sich immer wieder: „Ist man mit 55 Jahren zu alt, um noch mal neu durchzustarten?“

Bis zu seiner Rente hat Jürgen Sauerland noch 13 Jahre. „Ich bin motiviert und würde mein Wissen gerne auch mal anwenden.“ Trost für ihn: Die Arbeitsagentur hat ihn noch nicht aufgegeben. „Dort erfährt er eine tolle Betreuung; seine Vermittlerin ist sehr bemüht und schickt ihm immer wieder neue Stellenangebote“, schwärmt Ehefrau Heike. Leider bislang ohne Erfolg.

Trotz zahlreicher Rückschläge will sich Jürgen Sauerland nicht demotivieren lassen. „Ich bin zwar enttäuscht über so viel Ablehnung, aber generell immer zuversichtlich.“ Die nächsten Bewerbungsadressen hat er bereits herausgesucht. . .

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Marén Bettmann Wardenburg / Redaktion Wardenburg
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