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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

„Waldknabe“ fasziniert

25.01.2018

Wildeshausen Er ist mehr als 1200 Jahre tot – und doch hat Sachsenherzog Widukind nichts von seiner Faszination verloren. Der große Gegenspieler von Karl dem Großen am Ende des achten Jahrhunderts hat am Dienstagabend rund 70 Zuhörer in den historischen Rathaussaal gelockt. Prof. Dr. Bernd Ulrich Hucker sprach auf Einladung des Bürger- und Geschichtsvereins über „Wildeshausen als Wittekindstadt. Sachsenherzog Widukind im Lichte neuer Forschungen“. An den 45-minütigen Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussion an.

Widukind/Wittekind: Das ist ein fester Bestandteil des Gencodes der Huntestadt. „Damit rennt Professor Hucker mit diesem Thema in Wildeshausen offene Türen ein“, sagte Vorstandsmitglied Peter Heinken in seiner Begrüßung. Hätte man nicht das Gildefest, gebe es wahrscheinlich ein Wittekindfest, mutmaßte er. 1934 wurde eines gar auf dem Marktplatz gefeiert. Von der Hitler-Jugend initiiert, lockte es rund 23 000 Menschen an. Führende Nazis traten bei der Propagandaveranstaltung auf.

Hielt den Vortrag über Widukind in der Reihe „Geschichte im Rathaus“: Prof. Dr. Bernd Ulrich Hucker BILD: Ulrich Suttka

Als Referent widmete sich Prof. Dr. Bernd Ulrich Hucker im historischen Rathaussaal dem Sachsenherzog Widukind. Er lehrte in Vechta Geschichte des Mittelalters und Landesgeschichte mit dem Schwerpunkt Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Hucker beschäftigte sich unter anderem mit Otto IV. und befasst sich derzeit intensiv mit der Geschichte der Arkeburg bei Goldenstedt sowie deren Beziehungen zu den Sachsenkriegen und Widukind. Hucker wohnt seit kurzem in Wildeshausen.

Geschichte im Rathaus wird am Dienstag, 20. Februar, 20 Uhr, mit einem Vortrag von Peter Hahn über den Übergang von der Natur- zur Kulturlandschaft fortgesetzt.

   

   www.buerger-geschichtsverein.de

Der Sachsenherzog Widukind war bis zu seiner Taufe im Jahre 785 der Anführer des sächsischen Aufgebots im Krieg gegen die Franken unter Karl dem Großen, wie Hucker schreibt. Erstmals nennen ihn die Reichsannalen in einem Eintrag zu 777, und zwar in einer Weise, die seine allgemeine Bekanntheit voraussetzt: „Nur Widochind blieb im Aufstand“. Hucker: Er war so berühmt, dass der Sachsenkrieg Karls des Großen im Volk noch lange als Wittekindskrieg bezeichnet wurde.

Für den Referenten ist Widukind eine „tragische Gestalt. Er ist gescheitert“. Die Sachsen verloren schließlich den langen Krieg, Widukind unterwarf sich, die Christianisierung setzte sich durch. Dass Widukinds Geschlecht im Wildeshausen des früheren Mittelalters ansässig war, steht in der Forschung außer Frage. Dabei ist das Wissen über den Herzog oftmals gering. „Wir haben keine Selbstzeugnisse, nur Fremdzeugnisse.“

Später, ab dem 14. Jahrhundert, wurde er zu einer zentralen Figur von vielen Sagen, die oft mit Wildeshausen und dem westfälischen Enger verbunden sind. Diese Darstellungen prägten und prägen sein Bild oftmals bis heute.

Hucker vertritt die These, dass die Franken ihrem Gegner einen Spottnamen verpassten. Er wurde von ihnen als „Waldknabe“ geschmäht. Das geschah aus propagandistischen Gründen, diese Herabwürdigung zum Hinterwälder.

Der  Referent stellte auch die Bedeutung der Arkeburg bei Goldenstedt als „Heerzeichen-Burg“ hervor und widmete sich dem verschwundenen Widukind im Kloster Reichenau/Bodensee. Er geht davon aus, dass Widukind im Jahr 806 im alemannischen Raum ermordet worden sei. Karl der Große habe letztlich auch mit dem Sachsenherzog die alte Rechnung beglichen und ihn mit List ermorden lassen.

Verschiedenste Volkssagen hätten die Hunte­stadt seit jeher mit Widukind in Verbindung gebracht.  Neben Enger in Westfalen sei Wildeshausen die Wittekindstadt. Hucker: „Vor allem diverse Überlieferungen von Widukinds Fluchtweg führen stets hunteabwärts nach Wildeshausen. Diese Wege führen auch stets durch Burlage, dessen Nonnenkloster die Sage von Karl dem Großen gestiftet sein läßt.“

Eine bedeutendere kirchliche Gründung sei aber erst dem Enkel  Widukinds, Waltbert, nach 851 mit einem Kanonikerstift gelungen. Auslöser war die Reliquientranslation von Gebeinen des heiligen Alexander aus Rom nach Wigaltinghus (850/51). Waltbert habe sie der hier bereits existierenden Kirche gestiftet.

Professor Hucker attestierte Enger, der 32 000-Einwohnerstadt bei Herford, dass sie das Thema Wittekind gut vermarkte. „Wildeshausen müsste mit dem Pfund mehr wuchern“, wünschte sich der Referent.

Ulrich Suttka
Stv. Redaktionsleitung, Großenkneten/Dötlingen
Redaktion Wildeshausen
Tel:
04431 9988 2702

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