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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Wie aus Skepsis ein Miteinander wird

13.01.2018

Wildeshausen „Ich will viel lernen“, sagt Mohamad Alomar, „von Eurer Kultur und natürlich die Sprache." Sie sei der Schlüssel zum gesellschaftlichen Leben. Unterstützung bekommen der 51-jährige Familienvater, seine Frau Aziza (45) und die Kinder Ahmad (21), Aboalhassan Ali (17), Maha (15), Abo Altayeb Yahya (9) und Aliza (7) in der Nachbarschaft. „Jeder hilft im Rahmen seiner Möglichkeiten“, sagt Andreas Boldt, einer der Anlieger.

Aus Aleppo geflohen

Alomar, ein Arabisch-Lehrer, und Sohn Ahmad waren 2015 aus dem zerbombten Aleppo (Syrien) geflohen. Im Herbst kamen sie in Wildeshausen an und zogen in das Haus an der Heilstättenstraße ein. Pia Liebig kann sich noch genau erinnern: „Im Dezember haben wir erstmals Kekse gebracht.“ Dann ging alles schnell. Es gab Tee. Mit Händen und Füßen und ein paar Brocken Englisch tauschte man sich aus. Schnell entstand der Wunsch, Deutsch zu lernen. Die Nachbarn halfen. Die Silvesternacht 2015/2016 wurde gemeinsam bei Familie Jürgens gefeiert.

Seit dem Februar 2017 ist die Familie Alomar wieder vereint. Gemeinsam mit Vater Mohamad und Sohn Ahmad holten einige Nachbarn Aziza und die übrigen Kinder, die in der Türkei ausharren mussten, am Flughafen ab. Alle, die dabei waren, ist das emotionale Wiedersehen noch in bester Erinnerung. „Die Geflüchteten sind hier sehr gut aufgenommen worden“, freut sich auch Kristiane Helter von der Willkommens-Initiative.

Dabei war die Nachbarschaft zunächst skeptisch, als die Diakonie Himmelsthür das Haus in der Heilstättenstraße an die Stadt Wildeshausen zur Unterbringung von Flüchtlingen vermietet hat. Es bestand die Sorge, dass hier unbegleitete junge Männer untergebracht werden. Die Anlieger seien bereits sensibilisiert gewesen wegen des Straßenausbaus, erklärt Frank Wenzel. Auch ein Papier, in dem ausdrücklich um Geheimhaltung gebeten wurde, habe seinerzeit Misstrauen erweckt. Dabei sei die Nachbarschaft stets für die Integration gewesen. Schließlich zogen zwei Familien mit je fünf Kindern in das Wohnhaus ein. Heute wird eine gute Nachbarschaft gepflegt.

Reger Kulturaustausch

„Das ist ein reger Kulturaustausch“, sagt Frank Wenzel. Die Nachbarn unterstützen die Familie bei Behördengängen und dem Schriftverkehr mit den Ämtern. „Viele Briefe verstehen wir selbst nicht“, meint Boldt. Pia Liebig und andere helfen bei de Vermittlung der deutschen Sprache. „Für Wörter wie ’obwohl’ und ’trotzdem’ haben wir lange geübt“, erinnert sich die Lehrerin. Wenzel und seine Familie brachten Ahmed Schwimmen bei.

Die Geflüchteten bereichern die Gemeinschaft. „Die Familie ist sehr gastfreundlich“, sagen Annegret und Wilfried Wenzel. Oft werden die Nachbarn zum Tee ins Haus gebeten. Ahmed, der bei der Firma Jens Meirose in Ganderkesee eine Ausbildung in der Sparte Haustechnik macht, hilft oft bei Gartenarbeiten. Und Pia Liebig schwärmt davon, dass Aziza Alomar immer wieder köstliche Speisen vorbeibringt. „Neugier und Interesse sind groß“, sagt Kristiane Helter von der Aktion „Willkommen – Miteinander in Wildeshausen“. Beide Seiten wollten weiterhin viel voneinander lernen.

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Diakonie | Himmelsthür