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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Wenn die andere Hälfte plötzlich weg ist

03.04.2018

Wildeshausen Bis zum sechsten Lebensmonat haben Babys das Gefühl, mit ihrer Mutter eine Einheit zu sein. Erst in den folgenden Monaten nabeln sie sich langsam und Schritt für Schritt ab. „In dieser Zeit ist das Verschwinden der Mutter für das Kind so, als ob seine andere Hälfte plötzlich weg ist“, sagt die Wildeshauser Erziehungswissenschaftlerin Dr. Erika Butzmann. Das löst bei vielen Kindern massive Trennungs- und Verlassenheitsängste aus.

Seit 30 Jahren arbeitet Butzmann in der Eltern- und Familienbildung. Die Erziehungswissenschaftlerin hatte zwischenzeitlich einen Lehrauftrag an der Universität Bremen inne, legte mehrere wissenschaftliche Arbeiten vor, ist eine gefragte Referentin und arbeitet in einer Kinderarztpraxis in Bremen mit Eltern verhaltensauffälliger Kinder.

Das „Beste“ für Kinder

„Seit 2007 forciert der Staat den Krippenausbau, obwohl es keine positiven Erfahrungen aus anderen Ländern gibt, die schon seit langem auf frühkindliche Fremdbetreuung setzen“, kritisiert Butzmann. Gleichzeitig werde den jungen Eltern eingeredet, mit der möglichst frühen Krippenbetreuung das Beste für die Förderung ihrer Kinder zu tun.

„Es gibt Kinder, die das vertragen, aber auch viele, die damit völlig überfordert sind“, berichtet sie aus ihrer langjährigen Erfahrung. „Besonders die hochsensiblen, eher ängstlichen Kinder, die starkes Klammerverhalten zeigen, vertragen die Fremdbetreuung vor dem dritten Geburtstag gar nicht“, mahnt die Wildeshauserin.

Leider seien das auch die Kinder, die am wenigsten protestierten, aber am stärksten unter Stress stünden. Dabei führe die häufige und anhaltende Aktivierung des Stress-Systems bei den Kleinkindern zu erhöhter Krankheitsanfälligkeit und durch Veränderungen im Neurotransmitter-System zu erhöhter Stressanfälligkeit auch im späteren Alter.

„Ganz langsam regt sich Widerstand gegen den Krippen-Hype“, hat Butzmann beobachtet. Immer mehr Studien stellten kindliche Verhaltensauffälligkeiten aufgrund einer zu frühen Krippenbetreuung fest. Auch darüber möchte Butzmann mit einem Vortrag am 10. April informieren (siehe Kasten).

Nichts verteufeln

„Es geht nicht darum, Krippen zu verteufeln, und sicherlich waren die Betreuungsmöglichkeiten früher viel zu unflexibel, aber inzwischen schießt man mit der möglichst frühen allumfassenden Fremdbetreuung weit übers Ziel hinaus“, sagt die Erziehungswissenschaftlerin. „Mein Anliegen ist es, Eltern darüber aufzuklären, wie wichtig sie besonders in den ersten Jahren der Entwicklung für ihre Kinder sind“, plädiert sie für ein stärkeres Hinterfragen gängiger Denkmuster von Politik und Wirtschaft, die eine möglichst schnelle Rückkehr der jungen Mütter in ihre Berufe wollten.

Uta-Maria Kramer Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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