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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Wenn der kleine Piks zum großen Thema wird

09.05.2019

Wildeshausen Impfen oder nicht impfen, diese Frage beschäftigt zurzeit Deutschland. Geht es nach Gesundheitsminister Jens Spahn, so soll das Impfen zur Pflicht werden. Doch wie sehen das das Kreisgesundheitsamt und die, die es direkt betrifft, die Kindergärten. Unsere Zeitung hat in Wildeshausen nachgefragt.

Laut Amtsarzt Dr. Leonhard Hamschmidt vom Gesundheitsamt des Landkreises Oldenburg gab es 2018 mindestens einen Fall von Masern im Landkreis Oldenburg. „Das Beschämende ist, dass wir in Deutschland und Europa keine adäquate Durchimpfungsquote erreichen“, sagt Hamschmidt. So bräuchte es eine Quote von 95 Prozent, um die zu schützen, die nicht geimpft werden können – wie zum Beispiel Säuglinge. Zwar seien 97,1 Prozent einmal geimpft worden, wie das Robert-Koch-Institut mitteilte, die nötige zweite Impfdosis hätten allerdings nur 93 Prozent erhalten. Auch im Landkreis Oldenburg liegt der prozentuale Anteil bei 93 Prozent derjenigen, die die zweite Impfung erhalten haben, sagt Hamschmidt. „Das reicht für einen Herdenschutz nicht aus.“ Daher befürwortet das Gesundheitsamt eine Impfpflicht.

Ein rechtliches Problem

Die Leiterin des evangelischen Kindergartens Sternschnuppe in Wildeshausen, Simone Hartmann, sieht in der Impfpflicht allerdings ein rechtliches Problem: „Ich kann doch die Kinder nicht ausschließen, weil das Recht auf Bildung und Teilhabe über der Impfpflicht steht. Ich sehe hier einen rechtlichen Widerspruch.“ Grundsätzlich ist Hartmann zwar für die Impflicht, aber es werde schwierig, sie umzusetzen.

Seit einigen Jahren ist es erforderlich, dass Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, sich einer Impfberatung bei einem Arzt unterziehen und dies mit einer Bescheinigung nachweisen. Wie gut diese Beratung ist, kann die Leiterin jedoch nicht nachvollziehen.

Auch im evangelischen Kindergarten sind Kinder, die keine Impfung erhalten haben. „Sobald eine ansteckende Krankheit da ist, muss ich die Eltern der Kinder anrufen und sie bitten, ihre Kinder abzuholen und zuhause zu lassen“, sagt Hartmann. Diese Maßnahme ist auch im katholischen Kindergarten Johanneum und im Kindergarten der Privatschule Gut Spascher Sand üblich. In diesem Fall müssten die Eltern dann mit den Konsequenzen leben, wie die Leiterin des Kindergartens Johanneum, Elisabeth Spenner, sagt, da es Wochen dauern könne, bis nichtgeimpfte Kinder wieder den Kindergarten besuchen dürften.

„Wenn man sich das vorstellt – wir rufen an und sagen: ,Ihr Kind ist nicht geimpft und ein anderes Kind hat die Erkrankung, jetzt holen Sie mal Ihr Kind und es kann vier Wochen nicht in den Kindergarten gehen’“, sagt die stellvertretende Leiterin des Kindergartens von Gut Spascher Sand, Nele Friesen. Gerade für berufstätige Eltern könne diese Situation zu einer Herausforderung werden. Vorgekommen sei dies allerdings noch in keinem Kindergarten.

Nach Spenners persönlicher Meinung können die Risiken, die entstehen, wenn Kinder nicht geimpft sind, nicht den Nutzen wettmachen. Ein Diskussionsthema unter den Kollegen des Kindergartens Johanneum ist die Impflicht allerdings nicht, denn die meisten Eltern würden die Impfung als selbstverständlich ansehen. „Es wird immer von Impfmüdigkeit gesprochen, das kann ich hier nicht unterschreiben.“

Auch die Fachbereichsleiterin für Soziales und Familie der Stadt Wildeshausen, Rita Manietta, ist davon überzeugt, dass die meisten Eltern sehr verantwortungsbewusst sind und sich für eine Impfung entscheiden. Ob allerdings eine gesetzliche Regelung der richtige Weg sei, die Eltern zu verpflichten, ihre Kinder zu impfen, weil sie ansonsten vom Kindergarten ausgeschlossen würden, weiß sie nicht.

Eingriff in Rechte

„Man greift schon sehr tief in die Rechte ein, und wenn man überlegt, vor langer Zeit gab es verpflichtend diese Röntgenreihenuntersuchung, da ging es darum, ob jemand an Tuberkulose erkrankt ist, das hat man irgendwann abgeschafft. Natürlich auch aus dem Grund, weil diese Erkrankung damals nahezu ausgelöscht war, aber auch weil man gesagt hat, man greift sehr in die Rechte der Menschen ein“, sagt Manietta.

Für sehr wichtig hält die Fachbereichsleiterin die Aufklärung: „Denn Eltern, die ihr Kind nicht impfen lassen, haben auch Gründe, da sind vielleicht Ängste.“ Die Eltern müssten besser informiert werden, „und dann erst sollte überlegt werden, ob es einer gesetzlichen Regelung bedarf“, findet Manietta.

Eines Besseren belehrt wurde Martina Gelhaus, die Leiterin des Kinder-Treffs Wildeshausen. Sie war Impfgegnerin und hatte ihre erste Tochter nicht direkt impfen lassen: „Das war vor 25 Jahren. Ich hab gedacht, das braucht nicht, die Kinderkrankheiten waren früher nicht so schlimm, dann ist das heute auch nicht nötig.“ Durch ein Gespräch mit einem Arzt wurde Gelhaus aufgeklärt und zu einer Impfbefürworterin: „Ich persönlich bin für die Impfpflicht. Ob man diese Entscheidung den Eltern ganz abnehmen sollte, weiß ich nicht.“ Unter den Kollegen des Kinder-Treffs wird dieses Thema besprochen, und sie sind sich einig, dass auch die Fachkräfte geimpft werden sollten.

Der Waldorfkindergarten Zwergenland wollte sich zu diesem Thema nicht äußern.

Selten Komplikationen

Ernsthafte Gründe gegen eine Impfung sieht Hamschmidt nicht: Nur sehr selten komme es zu Komplikationen. Dem Einwand, dass der Anspruch körperlicher Unversehrtheit verletzt werde, entgegnet der Amtsarzt: „Wo die Freiheit anderer anfängt, hört die eigene auf.“ Das Ziel ist die Ausrottung von Masern. Dazu benötigt man laut Hamschmidt aber gesetzlichen Druck: „Mit Freiwilligkeit wird man das nicht hinkriegen.“

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Soeke Heykes Volontär, 1. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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