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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Bildung

Carsten Harings: „Landkreis drängt Stadt nichts auf“

01.11.2018

Wildeshausen Ginge es nach den rund 100 Zuschauern im Saal, käme der geplante Schultausch in Wildeshausen nicht zustande. Die Gegner waren am Dienstagabend im Hotel Gut Altona klar in der Mehrheit. Das war allein schon am Applaus für die Äußerungen auf dem Podium zu hören. NDR-Moderatorin Anke Genius hatte als Gegner des Schultauschs Christin Rollié, Elternsprecherin der Sankt-Peter-Grundschule, und den CDW-Ratsherrn Jens-Peter Hennken aufgeboten. Ihnen gegenüber standen als Befürworter Grünen-Ratsherr Manfred Rebensburg und Landrat Carsten Harings. Die Diskussion stand unter dem Motto: „Kuhhandel oder kluge Idee?“

Die Zuschauer, die die Moderatorin ebenfalls zu Wort kommen ließ, argumentierten allesamt gegen den Tausch der Sankt-Peter-Grundschule und der Hunteschule (Förderschule Lernen). Gerne hätte Genius auch den Wildeshauser Bürgermeister befragt. Der habe jedoch mit der Begründung abgesagt, es sei bereits genug informiert worden.

Keine Verbesserung

Nach Ansicht von Rollié löst der Schultausch die Raumprobleme der Stadt Wildeshausen nicht. „Das kostet nur Geld, keine Schule verbessert sich und der Holbeinschule ist auch nicht geholfen“, sagte sie eingangs.

Hennken, inzwischen ein Gegner des Schultausches, erklärte, dass er zunächst im Stadtrat für die Rückübertragung der Hunteschule gestimmt habe. Bei der Ratsabstimmung im Februar über den Schultausch habe er aber dagegen gestimmt, weil der Rat abgelehnt habe, vor einer Entscheidung ein Schadstoffkataster zu der Liegenschaft Hunteschule sowie ein Verkehrskonzept zu einer möglichen Nutzung der Hunteschule als Grundschule in Auftrag zu geben.

Rebensburgs Motiv für den Schultausch sind die Finanzen der Stadt. „Wir haben 15 Millionen Euro Schulden. Die Rückübertragung der Hunteschule ist günstig für die Stadt.“ Neun Millionen Euro für eine neue zweizügige Grundschule inklusive Sporthalle plus Grundstück seien keine Alternative zu 3,5 Millionen für Rückkauf, Um- und Anbau.

Er erinnerte an die Ausgangslage im Februar. Damals sei klar gewesen, dass 2023 die letzten Schüler die Förderschule verlassen würden und somit jedes Jahr mehr Platz zur Verfügung stünde. Jedoch habe die neue Regierung des Landes die Möglichkeit eröffnet, dass die Schulträger die Förderschule Lernen länger betreiben könnten. Diese Option auf weitere vier Jahre habe der Landkreis gezogen.

Harings betonte, dass er für die Wahlfreiheit der Eltern sei, ob sie ihre Kinder in eine Förderschule schicken oder an eine Regelschule. Er sei skeptisch, dass angesichts des bereits bestehenden Flickenteppichs in Niedersachsen die Förderschulen Lernen auf Dauer Bestand hätten. „Der Kreistag entscheidet am 18. Dezember über die Rückübertragung der Hunteschule an die Stadt Wildeshausen. Wir brauchen jetzt eine Entscheidung, damit wieder Ruhe einkehrt.“

Verkehr ist ein Problem

Auch die Verkehrssituation an der Heemstraße wurde angesprochen. „Wir wollen keine sechsjährigen Schüler an der viel befahrenen Heemstraße“, so Rollié. Die Förderschüler – Klasse fünf bis zehn – seien deutlich älter. Die Förderschule würde 55 Jungen und Mädchen besuchen. Durch den Schultausch müssten aber 200 Grundschüler an die Heemstraße. Dadurch würde die Verkehrssituation noch einmal verschärft.

Hennken betonte, dass die CDU seinerzeit ein Verkehrskonzept beantragt habe, das sei aber von SPD und Grünen abgelehnt worden. „Beide Fraktionen wollen erst einmal Fakten schaffen“, so der Ratsherr. Gleiches gelte übrigens für ein Schadstoffkataster, das er beantragt hatte.

Wenn sowieso für die Hunteschule am Standort Sankt-Peter-Straße angebaut werden müsste, dann sollte die Stadt nach Auffassung von Rollié lieber das Geld nehmen und zusätzliche Räume für die beiden benachbarten Grundschulen Sankt Peter und Holbeinschule bauen. „Dann könnten alle Schulen bleiben, wo sie sind“, so die Elternvertreterin. Diesen Weg unterstützte auch Hennken.

Sowohl die Sankt-Peter-Schule als auch die Hunteschule hatten sich im Vorfeld gegen den Tausch ausgesprochen. Sie fühlten sich in ihren Räumlichkeiten wohl. Doch der Tausch ist aus Sicht der Stadtverwaltung notwendig, um an der Sankt-Peter-Straße Platz für die Holbeinschule zu schaffen. Sie wird nämlich auf Dauer vierzügig. Der Grund: Die dritte Wildeshauser Grundschule, die Wallschule, kämpft ebenfalls mit Raumproblemen und wird in Zukunft auf vier Klassen pro Jahrgang gedeckelt. Jetzt ist sie fünfzügig. Der Überhang an Kindern wird an die Holbeinschule verlagert. Deshalb ist dort zusätzlicher Platz erforderlich.

Gründe für beide Seiten

Der Landrat sprach davon, dass es für beide Seiten treffliche Gründe gebe. Es sei jedoch ein demokratischer Prozess. Sollte sich der Wildeshauser Stadtrat bis zum 18. Dezember noch anders entscheiden, weil sich die Voraussetzungen seit Februar geändert haben, müsse er handeln. Harings spielte damit zum einen auf die längere Laufzeit der Förderschule Lernen an, zum anderen auf den Beschlussvorschlag für den Kreistag, dass Wildeshausen nach Auslaufen der Förderschule kein Förderschulstandort mehr sein wird. Im Landkreis gibt es noch zwei weitere Standorte des Schultyps. „Der Landkreis drängt der Stadt nichts auf. Wenn ihr der Preis zu hoch ist, muss sie neu überlegen“, so Harings.

Christoph Koopmeiners
Wildeshausen/Dötlingen
Redaktion Wildeshausen
Tel:
04431 9988 2705

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