Wildeshausen/Düngstrup - Mit diesem Andrang habe die Interessengemeinschaft nicht gerechnet, gab Dorina Pieper am Mittwochabend zu: Mehr als 100 Zuhörerinnen und Zuhörer haben sich in der Wildeshauser Gildestube versammelt, um sich mit der geplanten Erweiterung der Biogasanlage des Familienbetriebs Ahlers in Düngstrup auseinanderzusetzen. Die stößt in der Bauerschaft auf Widerstand und wirft Fragen auf: Wo sollen die Tonnen an Mist herkommen? Wie groß wird die Verkehrsbelastung? Wie schädlich ist die Erweiterung für die Gesundheit?
EEG läuft aus
Kurz zusammengefasst: Das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) für die bestehende Ahlers-Biogasanlage läuft 2026 aus, Jörn Ahlers möchte deshalb erweitern. In dieser Erweiterung soll hauptsächlich Biomethan produziert werden, das vor Ort in das Gasnetz eingespeist werden soll.
Bis auf die AfD waren Vertreterinnen und Vertreter aller Fraktionen des Stadtrats zugegen, außerdem Bürgermeister Jens Kuraschinski. Moderiert wurde die Veranstaltung von Landwirt Glenn Mahlstedt.
Zweifel an Gutachten
Zwei Fermenter sollen errichtet werden, die Firma Revis Bioenergy aus Münster unterstützt bei der Planung: Anlieger befürchten deshalb eine riesige Anlage, die ihrer Ansicht nach in ein Industriegebiet gehört. „Die Infrastruktur ist nicht da. Schotter wird an der Seite aufgeschüttet, damit sich Lkw begegnen können, der Ernteverkehr nimmt zu“, ärgerte sich ein Zuhörer. Überhaupt war der Verkehr ein großes Thema – und das Verkehrsgutachten. Dessen Genauigkeit zweifelten einige Anwesende an.
So hatten Dorina Pieper und Gerd Hespe-Meyer von der Interessengemeinschaft im Vorfeld die im Gutachten angegebene Breite der Kreisstraße 246 von mehr als sechs Metern bemängelt: Sie hätten nachgemessen, die Straße sei deutlich schmaler. Aufgrund des erhöhten Lkw-Aufkommens steht außerdem die Befürchtung im Raum, als Anlieger für Reparaturen zur Kasse gebeten zu werden.
Dies sei auch Thema gewesen in einem Dorf am Rande Brandenburgs, erklärte Jörn Ahlers, wo er ebenfalls eine Anlage betreibt: „Dort haben wir einen großen Teil der Anliegergebühr übernommen.“ Für Düngstrup würde er dasselbe vorschlagen. Um der Lärmbelästigung entgegenzuwirken, könnten die Lkw-Fahrzeiten außerdem eingeschränkt werden.
Bedenken teilen
Klaus Schultze (Grüne) holte noch weiter aus und ging auf die weltweite Klimaproblematik ein: Zwar würden nach Ahlers Angaben 30.000 Tonnen CO² im Jahr zusätzlich eingespart werden durch die Erzeugung regenerativen Kraftstoffs aus Mist und Gülle in Düngstrup. Dass in Südamerika Urwälder vernichtet würden für die Futtermittelerzeugung, werde aber nicht erwähnt.
Mit versöhnlichen Worten versuchte es Jens-Peter Hennken (CDW): „Gerd Hespe-Meyer und Jörn Ahlers sind sich einig, dass es ein gutes Projekt ist. Wir streiten hier nur über den Standort.“ Noch sei nichts entschieden. Deshalb bat er die Bürgerinnen und Bürger, alle Bedenken zu dokumentieren. Dem folgte auch Ahlers: „Alles, was das Projekt besser macht, ist willkommen.“
„Opfer bringen“
Ahlers hatte zu Beginn einen Vortrag gehalten, weswegen die Anlage nötig sei: Er zitierte darin die Rede des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog 1997: „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen.“ Er bat die Parteien, klare Kante zu zeigen, „auch, wenn es schwierig ist. Wir alle müssen Opfer bringen“, sagte er angesichts der Energie-Krise. „Als Unternehmer kann ich nicht anders.“
Am Sonntag, 16. Oktober, 15 Uhr, lädt der Landwirt alle Interessenten auf seinen Hof in Düngstrup ein, um sich über das Bauvorhaben zu informieren.
