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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Blaulicht

Punktesammler Im Landkreis: Mit der Autobahnpolizei auf Jagd nach Rasern

18.02.2015

Landkreis Die Polizeikommissare Mario Mülder (35) und Michael R. (30) sind in ihrem 250-PS-BMW heute auf den Autobahnen zwischen Holdorf und Brinkum, zwischen Ahlhorn und Oldenburg unterwegs. Die Kamera neben dem Rückspiegel spielt ihr Bild auf einen kleinen Monitor im Armaturenbrett. Die Beamten haben es auf Autofahrer abgesehen, die auf den Autobahnen im Landkreis deutlich zu schnell unterwegs sind und damit sich und andere in Gefahr bringen.

Den Beamten geht es um die Raser, die so schnell unterwegs sind, dass Punkte oder Fahrverbote die Folge sind. „Das sind meist nicht die Fahrer von Maserati oder Porsche“, sagt Mülder. Seine Kunden fahren eher BMW, Audi, Mercedes oder Volkswagen. „Wir hatten aber auch schon einen Smart in der Messung. Der wollte sich damit rausreden, dass er gar nicht so schnell fahren könne. Hat ihm aber nichts gebracht“, sagt der Kommissar vom Beifahrersitz aus und richtet nebenbei mit einer Hand die Kamera auf einen Audi aus, der flott unterwegs ist.

Die Einsätze im so genannten PPS-Wagen haben einen ernsten Hintergrund: 1087 Unfälle ereigneten sich im Jahr 2013 im Zuständigkeitsgebiet der Autobahnpolizei Ahlhorn, acht Menschen verloren ihr Leben, 64 wurden schwer, 197 leicht verletzt. Zu schnelles Fahren und zu geringer Abstand sind mit 25 und 12 Prozent die Hauptursachen für diese Unfälle.

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Immer wieder lässt der Kommissar am Steuer des Zivilwagens schnellere Autos an sich vorbeiziehen, zieht hinter ihnen auf die Überholspur und holt mühelos auf. „Bis 240 km/h ist der Tacho geeicht, der Wagen fährt aber schneller“, sagt er. Trotzdem gibt es immer noch jemanden, der schneller ist als der Wagen mit dem Police-Pilot-System.

Besonders bei manchen Motorrädern können die Polizisten einfach nicht mithalten. „Wenn es nicht anders geht, müssen wir uns Unterstützung besorgen“, sagt Mülder. Entkommen lassen möchten die Beamten keinen Raser.

Bei schwereren Verstößen kommt sogar ein gewisses Jagdfieber auf, gesteht der 35- Jährige ein. „Dann kommt es darauf an, dass man sich gegenseitig wieder etwas runter bringt, bevor man den Fahrer dann kontrolliert. Es geht immerhin ,nur’ um Ordnungswidrigkeiten“, sagt er.

Genau in diesem Moment entdeckt er eine solche Ordnungswidrigkeit: Auf der linken Fahrspur der B 75 kurz vor Bremen hängt ein Lastwagen dem vor ihm fahrenden Laster fast an der Stoßstange. Mario Mülder dreht die Kamera an der Frontscheibe nach links, sein Kollege bleibt einige Zeit im gleichbleibenden Abstand neben den Fahrzeugen.

Im Kofferraum des BMW wird das Bild auf Knopfdruck aufgezeichnet. „Wir dürfen die Aufzeichnung erst starten, wenn wir einen Verstoß dokumentieren, dauernd mitlaufen darf das Band nicht“, sagt Mülder.

Für den unbedarften Betrachter wirkt der Abstand geradezu winzig, fünf, vielleicht sechs Meter geschätzt. In Wirklichkeit sind es rund zwölf Meter, leicht zu erkennen an den sechs Meter langen Mittelstreifen mit je zwölf Metern Abstand dazwischen. 50 Meter Abstand zum Vordermann hätte der Fahrer aber halten müssen. 120 Euro und einen Punkt wird ihm das einbringen. Er sieht seinen Verstoß auch sofort ein, als die beiden Beamten ihn an einer Raststätte damit konfrontieren. „Oft sorgt die Routine dafür, dass Fahrer unaufmerksam und unvorsichtig werden. Bei solchen Abstandsverstößen sind die meisten Fahrer eher einsichtig als bei Tempo-Verstößen“, hat Mülder beobachtet. „Ich musste noch nie wegen einer Abstands-Sache zu einem Gerichtstermin.“ Tempo-Sünder versuchen dagegen häufiger, vor Gericht gegen ihre Strafe vorzugehen. „Wenn der Führerschein auf dem Spiel steht, liegt dieser Versuch ja auch nahe“, meint der Kommissar. Anzweifeln lassen sich die Messungen der Polizisten aber kaum. Der geeichte Tacho ihres Fahrzeuges in Verbindung mit der Kamera erlaubt es ihnen, schon nach relativ kurzen Strecken ab 300 Metern Verfolgungsfahrt einen sicheren Beweis für die Geschwindigkeitsüberschreitung vorzulegen.

Unfreundliche und pampige Verkehrssünder erleben die Beamten durchaus, richtige Aggressivität oder Gewaltandrohungen seltener. „Das trifft eher die Kollegen in den Städten, wo man es mit Gruppen zu tun bekommt“, meint Mülder.

Heute finden die beiden Kommissare nicht besonders viele Verkehrssünder. Besonders auf dem Abschnitt der A1 zwischen Wildeshausen und Bremen ist viel Verkehr. Viele Lastwagen sorgen dafür, dass auch die Fahrer, die es besonders eilig haben, immer wieder ausgebremst werden.

„Ich habe das Gefühl, die Zahl der Fahrer, die zu schnell unterwegs sind, nimmt ab“, sagt Mülder. „Früher hatten wir pro Schicht gut 15 bis 20 Anzeigen, heute sind es oft keine zehn.“ „Stammkunden“ haben die Ahlhorner Beamten nicht. „Aber es kam schon vor, dass wir einen Fahrer am Sonnabend gemessen haben und am Sonntag gleich wieder“, erinnert sich Mülder.

PPs-Police Pilot System

Der PPS-Wagen ist mit einer Kamera mit Aufzeichnungsmöglichkeit und einem geeichten Tacho ausgerüstet.

Die Kamera funktioniert auch nachts im Licht der Scheinwerfer und ist geeignet, um die Kennzeichen weit entfernter Fahrzeuge gut lesbar heran zu zoomen.

Die Fahrer des 250-PS-BMW müssen ein spezielles Fahrsicherheitstraining absolvieren, außerdem eine theoretische Ausbildung. Wer die Berechtigung behalten will, das PPS-Fahrzeug zu steuern, muss in zwei Jahren 10 000 Kilometer am Steuer dieses Autos zurückgelegt haben. Alle zwei Jahre steht außerdem eine Auffrischung an.

10 Beamte in Ahlhorn haben die Berechtigung, das PPS-Fahrzeug zu fahren.

Wer beruflich viel auf der Autobahn unterwegs sei, habe aber einen Blick dafür, wenn ein BMW längere Zeit hinter ihm herfahre. Mancher Fahrer erkenne auch die Kamera neben dem Rückspiegel oder die Uniformen. Die tragen Mülder und sein Kollege, damit sie sofort als Polizisten zu identifizieren sind, wenn sie sich einem Fahrzeug nähern. „Andere Dienststellen handhaben das anders, da fahren die Kollegen in Zivil. Wir sind auch immer mit dem gleichen Kennzeichen unterwegs – andere wechseln auch regelmäßig die Kennzeichen. Die sind aber meistens trotzdem alle bekannt“, sagt der Kommissar.

Ganz ohne die Kamera ihres Autos kommen die Polizisten aus, wenn sie Autofahrer mit dem Handy in der Hand erwischen. Und auch diese Fahrer knöpfen sie sich natürlich vor.

Ganz zum Schluss dieser Fahrt erwischen die beiden Kommissare dann doch noch einen Raser. Kurz bevor sie an der Autobahnausfahrt Wildeshausen West in Richtung ihrer Dienststelle von der A1 abfahren wollen, fällt ihnen ein weißer Kastenwagen auf. Der junge Mann am Steuer des Firmenwagens hat auf dem Heimweg statt der erlaubten 130 kurzzeitig gut 170 Sachen drauf. Auch er gibt sich reumütig. „Er war nur froh, dass der Bescheid an seine Privatadresse und nicht an den Arbeitgeber geht“, sagt Mülder, nachdem er dem jungen Mann eröffnet hat, dass auch dieser sich auf ein saftiges Bußgeld und einen Punkt gefasst machen muss.

Christian Quapp Redakteur / Redaktion Bad Zwischenahn
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