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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Blaulicht

Für die Opfer keine Ermutigung

17.01.2012

BOOKHOLZBERG Ob der Angeklagte in einem zweiten Prozess ein anderes Urteil zu erwarten hat, ist völlig offen. Aber auch bei einer erneuten Verurteilung ist die Signalwirkung der Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH), das Verfahren gegen einen Polizisten aus Bookholzberg neu aufzurollen, verheerend. Diese Ansicht hat die Delmenhorster Rechtsanwältin Dr. Corina Seiter, die als Nebenklägerin das Opfer vertreten hatte, im Gespräch mit der NWZ  geäußert.

In der Sache ging es um einen Vorfall in der Bookholzberger Polizeistation. Dort soll im vergangenen Jahr ein damals 59-jähriger Polizeibeamter eine 44-jährige Frau, die als Zeugin geladen worden war, sexuell genötigt haben. Der Ordnungshüter hatte den Übergriff zugegeben, ihn aber als einvernehmlich verstanden. Das sah das Oldenburger Landgericht anders und verurteilte den Mann zu 14 Monaten auf Bewährung. Damit wären Job und Pension verloren.

Das oberste Gericht für Zivil- und Strafverfahren kam im Revisionsverfahren, wie berichtet, jetzt zu dem Ergebnis, es sei nicht ausreichend geklärt worden, ob der Mann tatsächlich den Eindruck haben musste, dass sich die 44-Jährige schutz- und hilflos gefühlt hatte. „Opferanwälte und der Weiße Ring bemühen sich seit vielen Jahren, den Opfern die Angst zu nehmen, an die Öffentlichkeit zu gehen“, sagte Corina Seiter. Dass die Notlage des Opfers indirekt angezweifelt wird, dürfte nicht dazu beitragen, dass diese Angst geringer wird. Was problematisch ist: Hat die Frau erst einmal Anzeige erstattet, kann sie den weiteren Weg des Verfahrens nicht mehr stoppen. Im konkreten Fall muss die Bookholzbergerin noch einmal als Zeugin vor Gericht erscheinen. „Das macht es für die Betroffene vorerst nahezu unmöglich, mit dem Erlebten endlich abzuschließen“, bedauerte die Anwältin.

Auch wenn es schwer fällt: Opfer von Übergriffen sollten auf jeden Fall Anzeige erstatten, empfahl die Delmenhorsterin. Denn nur auf diese Weise könnten in der Regel weitere Taten verhindert werden.

„Sofort einen Arzt, die Polizei, einen Anwalt und den Weißen Ring aufsuchen, den Vorfall auch im persönlichen Umfeld schildern“, rät die Anwältin. Es sei hilfreich, Beweise zu sammeln, eventuell den Tatort per Handyfoto zu dokumentieren. Die Justiz beschäftige sich „mit Akten und Fakten“. Jeder Beleg sei deshalb sehr wichtig. Dass eine solche rationale Reaktion nach einem sexuellen Übergriff allerdings eher selten ist, räumte die Delmenhorsterin unumwunden ein.

Dass die Einstellung der Kammer am Landgericht, deren Urteil der BGH kassiert hat, sich gegenüber Missbrauchsopfern ändert, befürchtet Corina Seiter nicht. Es sei lediglich zu erwarten, dass die Richter ihre jeweilige Entscheidung noch sorgfältiger begründen werden als bisher, so ihre Erfahrung.

Wolfgang Loest Redaktionsleitung / Redaktion Ganderkesee
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